Integrationsbericht

Migranten bleiben unter sich

von Norbert Wallet

Berlin - Der Deutsche Bundestag hat am Donnerstag über den Integrationsbericht der Bundesregierung diskutiert. Wichtiger als die Debatten darum ist aber die Stoffsammlung selbst. Fast 300 Seiten geballte Information über das deutsche Leben der Migranten.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), hat gestern Bundespräsident Christian Wulff für dessen Bemerkungen zur Rolle des Islam in Deutschland gedankt. Er habe die Diskussion "wieder in eine sachliche Bahn gelenkt". Dazu soll auch der Integrationsbericht dienen, den sie gestern im Bundestag vorstellte. Daraus einige Schlaglichter:

Anzahl der Migranten

Von den 82,1 Millionen Einwohnern Deutschlands (2008) hatten 15,6 Millionen einen Migrationshintergrund. Das heißt, 19Prozent der Gesamtbevölkerung sind seit 1950 zugewandert oder sind Nachkommen von Zuwanderern. Weniger als die Hälfte (7,3 Millionen) der Bevölkerung mit Migrationshintergrund hat einen ausländischen Pass. Im Vergleich zu 2007 ist die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund um 277000 auf 66,6 Millionen zurückgegangen. Durch Zuzug und Geburten ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund um 155000 angewachsen.

Altersstruktur

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist in jüngeren Altersstufen am größten. 34,4 Prozent der Kinder in Deutschland unter fünf Jahren haben eine Zuwanderungsgeschichte. Bei den Kindern bis zu zehn Jahren sind es 32,7 Prozent. Dagegen beträgt der Migrantenanteil in der Altersgruppe über 65 Jahre nur 8,5 Prozent. Während in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund der Anteil der Kinder heute bei 21,5 Prozent liegt, ist dieser in der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund deutlich höher (35,7 Prozent).

Bikulturelle Ehen

Migranten sind nur sehr selten mit Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte verheiratet. 92,2 Prozent der Personen ohne Migrationshintergrund leben in Ehen mit ebensolchen Personen. Nur 2,4 Prozent sind mit Partnern einer anderen nationalen Herkunft verheiratet. Nur ein Fünftel der Menschen mit Migrationshintergrund (19,3 Prozent) sind mit Menschen ohne diesen verheiratet.

Regionale Verteilung

2008 lebten 96 Prozent der Migranten im früheren Bundesgebiet und Berlin. Den höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hatten Bremen (26,3 Prozent), Hamburg (26,3) und Baden-Württemberg (25,5). In Stuttgart lag 2007 der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 37,3 Prozent, bei den Kindern unter sechs Jahren bei 57,1 Prozent.

Tagesbetreuung von Kindern

Die Betreuungsquote zwischen drei und sechs Jahren lag 2008 in den alten Bundesländern (ohne Berlin) für Kinder ohne Migrationshintergrund bei 93 Prozent, bei Kindern mit ausländischen Wurzeln lediglich bei 84Prozent. Mit 91Prozent liegt diese Migrantenquote in Baden-Württemberg am höchsten.

Schulen

Der Anteil ausländischer Schüler betrug 2008, gemessen an der Gesamtzahl der Schüler, an Grundschulen 8,9, an Hauptschulen 19,5, an Realschulen 8,1 und an Gymnasien 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Nur 8,6 Prozent aller deutschen Schüler besuchten die Hauptschule, aber 28,7 Prozent das Gymnasium. 2007/2008 erreichten bundesweit 30,5 Prozent der deutschen Schüler des Jahrgangs die allgemeine Hochschulreife, aber nur 10,7 Prozent der Ausländer. In Baden-Württemberg ist das Verhältnis 28,1 zu 5,2Prozent.

Ausbildung

27 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bekommen nach der Schule sofort eine betriebliche, 16 Prozent eine schulische Ausbildungsstelle. Elf Prozent gehen an Fachoberschulen oder Fachgymnasien. Für die restlichen 46 Prozent erfolgt der Übergang in die Ausbildung nur langwierig oder gelingt gar nicht. 22 Prozent der Ausbildungsplatz-Suchenden mit Migrationshintergrund sind arbeitslos oder jobben - deutlich häufiger als diejenigen ohne Migrationshintergrund (15 Prozent).

Muslime

Es leben rund vier Millionen Muslime in Deutschland. 45 Prozent der Muslime mit Migrationshintergrund haben einen deutschen Pass. Etwa 63 Prozent der hier lebenden Muslime sind türkischstämmig. In einer repräsentativen Studie des Bundesamts für Migration geben 36 Prozent der befragten Muslime an, "sehr stark gläubig" zu sein, 50 Prozent halten sich für "eher gläubig". 72,4 Prozent der muslimischen Frauen in Deutschland tragen kein Kopftuch. Unter den sehr religiösen Musliminnen tragen mit 43,3 Prozent ebenfalls weniger als die Hälfte der Frauen ein Kopftuch.