Illegale Altkleider-Container

Kampfansage an Lumpensammler

von Sascha Schmierer

Stuttgart - Unter dem Einwurfschlitz prangen Namen, die soziales Engagement suggerieren: „Ein Herz für Kinder“, steht auf einer ramponierten Blechkiste in der Ludwigsburger Oststadt, nur ein paar Meter weiter wird mit dem Aufkleber „Genehmigt für Menschen in Not“ um die Spende von gut erhaltenen Textilien und möglichst schon paarweise gebündelten Schuhen geworben.

„Die schießen wirklich wie die Pilze aus dem Boden“, weiß der Ludwigsburger Vizelandrat Utz Remlinger über die beachtliche Zunahme illegal aufgestellter Altkleider-Container zu berichten. Teilweise fänden sich auf einem Supermarkt-Parkplatz die Sammelbehälter von gleich vier oder fünf verschiedenen Organisationen. Dass es bei vielen der kommerziellen Resteverwerter um alles andere als um wohltätige Zwecke geht, ist kein Geheimnis. Ein großer Teil der eingesammelten Textilien landet für bis zu 500 Euro Pro Tonne in Osteuropa, in der Branche ist von „Altkleider-Mafia“ die Rede. Hilfsbedürftige Kinder, so viel steht fest, spielen beim lukrativen Geschäft mit abgelegten Klamotten die kleinste Rolle.

Kein Wunder, dass in den Städten und Gemeinden längst überlegt wird, wie sich der Wildwuchs bei den Sammelcontainern eindämmen lässt. Im Landkreis Ludwigsburg etwa spielt der Abfallbetrieb AVL mit dem Gedanken, selbst ins Textilgeschäft einzusteigen, um zwielichtigen Lumpensamplern das Wasser abzugraben. Bereits jetzt werden Altkleider auf den acht Wertstoffhöfen der kreiseigenen Abfalltochter angenommen. Und auch wirklich gemeinnützige Organisationen wie die Kleiderkiste der Caritas oder der Laden der Diakonie auf der Karlshöhe sind froh, wenn gut erhaltene Kinderpullis oder Herrenhosen für den Second-Hand-Verkauf gespendet werden.

Viele Landkreise zögern mit eigenen Konzepten

Allerdings: Bisher liegt für ein Sammelsystem in kommunaler Regie noch kein schlüssiges Konzept auf dem Tisch. „Wir arbeiten da an unseren Hausaufgaben, ein Starttermin ist aber noch nicht in Sicht“, räumt der für die Abfallwirtschaft verantwortliche Vizelandrat ein. Ebenfalls ein paar Container aufzustellen, reicht nicht aus, um gewerbliche Sammlungen zu unterbinden. Und für ein wirklich komfortables System fehlt noch die zündende Idee. „Die Erfahrung aus anderen Landkreisen zeigt ja auch, dass es mit einem Verbot allein nicht getan ist“, betont der Ludwigsburger.

Gemeint ist mit dem Verweis vor allem der Landkreis Böblingen. Der hat kommerzielle Altkleidersammlungen zu Jahresbeginn mit dem Verweis auf das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz kurzerhand untersagt, fürs lukrative Geschäft ausgediente Schuhe und abgelegte Textilien sollten nur noch das Rote Kreuz und der Böblinger Abfallbetrieb zuständig sein. Mit den Einnahmen aus dem Wertstoff-Verkauf sollten letztlich die Müllgebühren-Zahler entlastet werden. Doch das Stuttgarter Verwaltungsgericht machte dem Böblinger Vizelandrat Wolf Eisenmann einen Strich durch die Rechnung: Nachdem sechs private Sammelbetriebe gegen den Ausschluss geklagt hatten, kippten sie in einer Eilentscheidung das Verbot, weil das gewerbliche Interesse überwiege. Juristisch ausgestanden ist der Rechtsstreit um die alten Kleider zwar noch nicht, weil der Kreis Böblingen den Weg vor den Mannheimer Verwaltungsgerichtshof angekündigt hat.

Viele Landkreise aber zögern mit eigenen Konzepten, weil sie erst die Erfahrungen aus Böblingen abwarten wollen. Der Stuttgarter Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) musste jüngst in einer Stellungnahme an den Landtag einräumen, dass die Zahl illegaler Container-Piraten durch die lukrativen Marktpreise eher noch wächst. Wie viele Altkleidercontainer im Umlauf sind, wissen selbst die Ordnungsämter nicht. In Ludwigsburg etwa sprach die Stadt unlängst von etwa 80 Sammelbehältern im Stadt-gebiet – für gerade mal ein Viertel lag eine Genehmigung vor. In Stuttgart selbst hat eine Polizeistreife Anfang des Jahres einen Mann beim Leeren eines illegalen Textilcontainers ertappt. Im Gepäck hatte der gewerbliche Resteverwerter eine Liste mit 315 Standorten in der Region. Unterdessen fürchten die Kommunen, sich mit der Entfernung der Container auch noch eine Klage einzuhandeln. „Wenn der Behälter beim Wegtragen zusammenbricht, zahlt man auch noch Schadenersatz“, sagt der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath.