Horb

Haugenstein: Ende des Heizungs-Streits in Sicht?

von Jürgen Lück

Horb-Bildechingen - Am Samstag um 18.43 Uhr öffnete sich die Tür der Turn- und Festhalle. Ende der fast 145 Minuten langen Diskussion zwischen den Haugensteinern und der Stadt, die Heizzentrale des Haugensteins zu kaufen. Der Stadt-Tarif Haugenstein – die meisten Wohnungseigentümer sprechen von einem "annehmbaren" Angebot.

OB Peter Rosenberger hatte gemeinsam mit Stadtwerke-Chef Eckardt Huber die Eckdaten der zukünftigen Fernwärme-Versorgung vorgestellt, falls das Rathaus die Heizzentrale vom bisherigen Besitzer Andreas Osbelt kauft. Hier hatte es immer wieder Streit um die Nebenkostenabrechnungen gegeben – Osbelt hat sechs Gebäuden immer noch Heizung und Warmwasser abgestellt (wir berichteten).

OB Rosenberger: "Es war ein guter, informativer Abend. Die Gespräche waren sehr diszipliniert. Wir werden den Wohnungseigentümern jetzt Vorverträge schicken. Dazu werde ich in den nächsten Tagen mit Osbelt telefonieren, um das weitere Vorgehen zu besprechen."

Bis Mitte März werden die Wohnungseigentümer Zeit haben, die Vorverträge zu prüfen und Rückmeldung zu geben. Rosenberger: "Wir haben das Ziel, Ende März dem Gemeinderat das Gesamtpaket vorzustellen." Möglicherweise sind dann die wesentlichen Verkaufsdetails für das Heizkraftwerk dann auch schon unter Dach und Fach.

Fakt ist: Es waren, so OB Peter Rosenberger, zwischen 80 und 100 Wohnungseigentümer da. Unmittelbar nach der Info-Veranstaltung habe man die Anwesenheitsliste noch nicht durchgezählt. Insgesamt gibt es 120 Wohneinheiten auf dem Haugenstein.

Die Eigentümer, die der Schwarzwälder Bote sprach, sprechen von einem annehmbaren Angebot. Einer dankte Rosenberger persönlich: "Es ist unheimlich wichtig, dass Sie sich jetzt als Stadt engagieren." Ein Eigentümer rechnet vor: "Pro Gebäude sind von den Eigentümern insgesamt 8000 Euro in die neue Steuerungstechnik zu investieren. Pro Wohnung sind das 2000 Euro. Dafür kann man richtig sparen – und wenn man den Strom von den Stadtwerken bezieht, gibt es noch mal einen Rabatt. Da sind – mal grob überschlagen – bis zu 30 Prozent drin."

Claudia Endres, Wohnungseigentümerin: "Wir warten das konkrete Angebot ab. Die hier vorgestellte Grundlage hat sich gut angehört."

Und deshalb hofft OB Rosenberger und Stadtwerke-Chef Huber, dass sich die Wohnungseigentümer die Vorverträge genau anschauen und prüfen. Denn: Es ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach, die Vorteile in Euro und Cent auszurechnen. Fakt ist: Nach dem Haugenstein-Gipfel im Rathaus rechnet Heizkraftwerk-Besitzer Andreas Osbelt direkt mit den einzelnen Wohnungseigentümer-Gemeinschaften ab. Gibt einen Bonus von 30 Prozent. Das heißt: Pro Wohnung sind – so das Beispiel aus Haus Nummer 32 – 229 Euro monatlich fällig. Die Fernwärme, die am Haus ankommt, hat eine Vorlauftemperatur von 90 Grad. Diese Wärme wird Sommer wie Winter angeliefert.

Das Angebot der Stadtwerke: Wir legen komplett neue Fernwärmeleitungen an jedes Gebäude. Rosenberger: "So können wir schon einmal 15 Prozent Wärmeverluste vermeiden." Jedes Gebäude bekommt eine neue Regelungstechnik. Rosenberger: "Damit kann jede Wohnung selbst den Verbrauch kontrollieren und beispielsweise eine Nachtabsenkung der Heizung einstellen." Rosenberger: "Den eingesparten Wärmeverlust durch die neuen Leitungen geben wir in den Preisen weiter."

Dazu bekommt die Heizzentrale, die bisher mit Gas betrieben wird, wohl noch einen Stromgenerator eingebaut. Mit der Hitze der Heizung wird gleichzeitig Strom erzeugt – die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung. Und jeder Haugenstein-Eigentümer, der diesen Strom abnimmt, bekommt nochmals einen Bonus auf diesen Strom. Rosenberger: "Die Preise auf dem Haugenstein werden mit den anderen Fernwärme-Netzen in Horb nicht vergleichbar sein – weil die Voraussetzungen und Investitionen ganz andere sind. Selbstverständlich werden wir einen Heizkraftwerk-Beirat einrichten, bei dem auch die Preiskalkulation immer wieder überprüft werden kann. So, wie es eine Solidargemeinschaft Fernwärme Hohenberg gibt, kann es auch eine Solidargemeinschaft Fernwärme Haugenstein geben."

Allerdings: Während der Wärmeliefervertrag mit Andreas Osbelt eine Laufzeit von 20 Jahren hat, soll der zwischen den Stadtwerken und den Haugenstein-Eigentümern eine Laufzeit von 15 Jahren haben. Rosenberger: "Sonst können wir die erheblichen Investitionen dort nicht refinanzieren."

Das heißt jetzt für die Wohnungseigentümer: Sie haben die Wahl zwischen der Fernwärme von Osbelt und den Stadtwerken. Auf jeden Fall besteht Anschlusszwang. Heißt konkret: Wenn Osbelt an die Stadt(werke) verkauft, muss jeder dann die neuen Konditionen akzeptieren.

Da Osbelt bisher nicht angekündigt hat, die technischen Grundprobleme der Fernwärmeversorgung auf dem Haugenstein wie den Wärmeverlust der Leitungen durch eigene Investitionen zu beheben, scheint das Angebot der Stadtwerke mit dem dadurch möglichen Einsparpotenzial eine gute Alternative zu sein. Jetzt muss jeder rechnen.

OB Rosenberger: "Wir hoffen, dass Osbelt als Verkäufer weiter an Bord bleibt."