Horb

Gäubahn: Neuer Intercity ab Dezember

von Jürgen Lück

Horb/Stuttgart - Bahn-Fernverkehrsvorstandschefin Birgit Bohle und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hetzen nach dem Foto vor der Zugspitze zurück in die erste Klasse: "An uns soll es nicht liegen, dass der Test-Intercity zu spät kommt."

Stuttgart-Hauptbahnhof. Pünktlich um 11.18 Uhr schließen die Türen des neuen Intercity. Er ist das Highlight der "Interiums-Lösung" auf der Gäubahn. Ab 17. Dezember soll er alle zwei Stunden zwischen Stuttgart und Singen pendeln. Damit wollen Land und Bahn die schlechte bisherige Auslastung auf der Gäubahn-Strecke, die sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr bei unter 40 Prozent liegt, deutlich verbessern.

Bohle ist hoffnungsfroh: "Wir erwarten durch das neue Konzept eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen auf der Strecke Stuttgart-Singen. Durch den Stundentakt werden die Verbindungen auf dieser Strecke mehr als verdoppelt. Und dazu wird es für viele Fahrgäste sehr attraktiv sein, auf dieser Strecke zum Nahverkehrstarif den neuen IC fahren zu können."

Der neue IC 2 ­ist laut Bohle darauf ausgelegt, das neue Konzept der Bahn umzusetzen. Ein Zug, der mit maximal 160 km/h Höchstgeschwindigkeit den IC-Verkehr an noch mehr Stationen als bisher ermöglichen soll. Bohle sagt: "Er ist Teil unserer Kunden- und Angebotsoffensive, auch in mittleren Städten den Komfort des Fernverkehrs anbieten zu können."

Minister Hermann zeigt in Böblingen auf das Flugfeld: "Ein neues Viertel mit Wohnungen und Gewerbe mit bis zu 5000 Menschen. Die haben jetzt direkten IC-Anschluss!" Damit das möglich wird, hatte das Land seine Nahverkehrsmittel in die neue "Interims-Lösung" gesteckt. Der private Bahnunternehmer Abellio hat sich vor der Vergabekammer Münster allerdings erfolgreich gegen die Vermischung von Nahverkehrsubvention und Fernverkehr gewehrt. Ist das eine verbotene Quersubvention, weil die Bahn ja den Fernverkehr eigenwirtschaftlich betreiben muss?

Bohle meint dazu: "Nein. In dieser Entscheidung wurde die Vergabe von Regionalisierungsmitteln zu diesem Zweck ausdrücklich bestätigt. Es wurde lediglich die fehlende Ausschreibung zurückgewiesen." Und Hermann pflichtet bei: "Laut EU-Recht geht das nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die waren hier auf der Verbindung gegeben. Im Übrigen geben wir hier nicht mehr Geld aus als vorher für den Nahverkehrszug auf dieser Strecke."

Ministeriumssprecher Edgar Neumann konkretisiert die Bedingungen später: "Der Ausgleichsbetrag ist abhängig von der Anzahl der Reisenden. Die Landesregierung geht von einem Einsparpotenzial in Höhe von maximal rund drei Millionen Euro im Jahr gegenüber dem Fall aus, dass das Land für die im Integrationsmodell erbrachten Nahverkehrseistungen selbst ein regionales Zugangebot bestellen würde."

Das Ministerium betont auch, dass zum Fahrplanwechsel nicht nur der brandneue IC alle zwei Stunden fahren wird. Auch die Nahverkehrszüge, die alternierend in den übrigen Stunden fahren, werden mit brandneuem Material (Single-Deck-Züge von Bombardier) bestückt sein. Hermann freut sich: "Das wird für alle Fahrgäste auf dieser Strecke ein riesiger Unterschied zu dem, was hier in den letzten Jahren gefahren wurde."

Das neue Interims-Konzept: Auf Seiten der Gäubahn-Anlieger hatte es Kritik an den Verbindungen gegeben. "Ich denke, dass es in 90 Prozent aller Fälle gelungen ist, die weiteren Anschlüsse weg von der internationalen Fernverkehrsstrecke Stuttgart-Zürich gut zu lösen", glaubt Hermann. Bohle ergänzt: "Wir halten den jetzigen Fahrplan für sehr stabil. Dabei haben wir uns für Betriebsqualität entschieden." Dem pflichtet Hermann bei: "Derzeit kann man nicht viel am Fahrplan verbessern. Nach der Fertigstellung von S 21 werden wir durch die andere Anbindung des Flughafens noch mal an die Fahrpläne herangehen."

Der neue IC 2 – noch bis zum 2. Juni fährt er täglich auf der Strecke zwischen Stuttgart und Singen. Vorteil: Hier gilt auch das Nahverkehrsticket. Bohle berichtet: "Der Testbetrieb läuft reibungslos."

Zweites großes Thema auf der Fahrt: der Ausbau der Gäubahn zur "internationalen Fernverkehrsstrecke Stuttgart-Zürich", wie sie jetzt offiziell heißt. Der Minister wendet sich an Bohle: "Wir werden über die Wichtigkeit des Ausbaus sprechen. Wir sind froh, dass wir die 550 Millionen Euro im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans haben." Hermann hatte sich auch für die Neigetechnik ausgesprochen. Bohle verspricht: "Natürlich sind wir als Betreiber für eine Verschnellerung der Strecke und für den Ausbau. Der Einsatz von Neigetechnik – das ist Zukunft und wird ein Teil unserer Gespräche mit Land und der Schweizer Bahn sein."

Bisher hatte die Bahn den Einsatz von Neigetechnik abgelehnt. Genannter Grund: Alle namhaften Hersteller würden die Technik nicht weiterentwickeln. Bohle: "Es gibt sicherlich auch noch Lösungen dazwischen."

IC-Komfort im Doppelstock zum Nahverkehrspreis. Ein Manko gibt es noch: Zwar hat der neue IC 2 Repeater für WLAN. Bohle: "Die Einführung auf der neuen Verbindung zwischen Stuttgart und Zürich werden wir bis Ende des Jahres aber nicht schaffen. Auf Dauer wird aber auch die Gäubahn davon profitieren!"