Horb

Bürgermeister-Kandidat will noch mal durchstarten

von Jürgen Lück

Horb/Stuttgart - "Rede ich zu schnell?" – Das ist der dritte Satz von Ralph Zimmermann. Der Ministerialrat mit den fröhlichen Augen – Anzug, Krawatte, engagiert, freundlich.

Zimmermann hat es im Wirtschaftsministerium geschafft. Vater von drei Kindern, Beamter auf Lebenszeit. Er ist 48 – und will jetzt Bürgermeister in Horb werden. Mit Matthias Kreutzer (37) und Philipp Rochold (55) ist er der dritte Kandidat, der hofft, in der Gemeinderatsitzung am Dienstag in geheimer Wahl die meisten Stimmen zu kriegen.

Das "La Commedia" – die Lokalität vom Renitenz-Theater in Stuttgart. Zimmermann wählt einen Weißwein, schnuppert das Aroma. Im Ministerium nebenan an der Theodor-Heuss-Allee hat er Karriere gemacht: Ministerialrat, stellvertretender Abteilungsleiter.

Aktuelles Projekt: die "Cloud Mall". Ein hochsicheres Programm für Mittelständler zu schaffen, damit sie ihre Firmenanwendungen in der Datenwolke erledigen können, ohne Angst um die Betriebsgeheimnisse zu haben. Dazwischen: eine neue Bundestagsdrucksache mit der Bitte um Stellungnahme. Kann Baden-Württemberg da mitgehen? Und vieles mehr. Zimmermann: "Du kannst den Tag nicht planen. Es kommt immer was rein, und du kannst erst gehen, wenn du das Gefühl hast, das meiste abgearbeitet zu haben. Es ist eine mordsmäßige Palette."

Zimmermann wohnt in Durmersheim (Landkreis Rastatt). Morgens um 4 Uhr klingelt der Wecker. "Meistens schaff ich es, den Wecker schon vor dem Klingeln in der Hand zu halten. Damit meine Frau nicht geweckt wird." Drei Kinder, alle über 20. Gassi-Gehen mit dem Hund, dann rein ins Auto und mit dem Zug von Karlsruhe aus ins Ministerium.

Doch warum will er jetzt Bürgermeister in Horb werden? Zimmermann: "Mein Schwiegervater hat eine Streuobstwiese angelegt. Die Bäume dort haben schon 100 Zentimeter Stammumfang. Vor knapp sieben Jahren haben wir als Familie eine neue angelegt. Wenn ich bedenke, dass ich nie erleben werde, dass die Obstbäume so groß und prächtig werden, wie bei meinem Schwiegervater, da habe ich mir schon Gedanken gemacht über die Endlichkeit des Lebens. Auch über meine Arbeit im Ministerium. Die ist toll und macht mir wirklich Spaß. Doch hier arbeitest du immer mit Intermediären – also mit Vermittlern aus Wirtschaft, Forschung oder der Verwaltung. Der Kontakt zum Bürger – dass dir einer auf die Schulter klopft und sagt: ›Das war gut.‹ Oder sagt: ›Zimmermann, das nächste Mal besser‹ – das fehlt mir. Ich habe mir überlegt, war es das schon oder sollte ich noch Mal neu durchstarten?"

Er hat sich für das Durchstarten entschieden. Und versucht es in Horb. Obwohl er weiß, dass er dann auch seinen Blickwinkel ändern muss. Zimmermann: "Bei der Breitbandförderung war immer Hausmeinung des Ministeriums, dass die Förderung des Ausbaus da greifen sollte, um Lücken der  vorhandenen Netzanbieter in Verhandlung mit denen zu schließen. Im Gegensatz zum ehemaligen Ministerium für Ländlichen Raum, was den Breitbandaufbau der Kommunen befürwortet hat. Wir waren da eher skeptisch, weil wir Zweifel haben, ob die Kommunen die neuen Netze auf Dauer in Schuss halten können. Und ob sie sich damit nicht finanziell übernehmen. Wenn ich jetzt Bürgermeister in Horb werde, wüsste ich schon, welche zuständigen im Ministerium ich anrufen müsste, um Fördermittel zu generieren."

Eins ist ihm klar: Wenn er gewählt wird, dann zieht er so schnell wie möglich nach Horb. Zimmermann: "Das ist kein Nine to Five-Job. Man muss vor Ort leben, einkaufen, erleben und fühlen – sonst bleibst du in Horb nur das fünfte Rad am Wagen. Bisher kenne ich Horb nur aus einer gewissen Flughöhe. Es wird für mich einen erheblichen Bedarf geben, mich da einzuarbeiten und -leben. Denn es steht nicht alles in den Akten drin."

48 Jahre, acht Jahre Bürgermeister. Und dann Oberbürgermeister – wie beispielsweise Jan Zeitler? Zimmermann: "Nein. Ich betrachte die Bewerbung für den Bürgermeister in Horb nicht als Sprungbrett, sondern als Erfüllung. Ich habe das Gefühl, die Gemeinderäte haben viele gute Ideen und Impulse, wie man Horb voranbringen kann. Ich stelle mir vor, dabei zu helfen und vielleicht die richtigen Hebel mit umzulegen und Transmissionsriemen zu sein. Das würde mich reizen."

Ist man als Ministerialer nicht völlig abgehoben? "Ich halte mich für Bodenständig. Wir machen als Familie sehr viel zusammen. Die erden mich dann schon. Dazu gehe ich gerne Gassi mit meinem Hund – vier Kilometer. Wenn der Regen auf den Hut tropft, dann weißt du, wer du wirklich bist."

Doch was passiert, wenn er für die FDP im Wahlkreis Rastatt in den Bundestag gewählt wird? "Das kommt jetzt etwas blöd zusammen. Die oberste Priorität hat Horb für mich. Ich habe kandidiert, obwohl ich wusste, dass die Chancen nicht so groß sind. Ein Direktmandat dort ist eher unwahrscheinlich. In der Landesliste bin ich auf Platz 26 – ich glaube nicht, dass ich auf diese Weise in den Bundestag komme. Falls doch, würde ich das Amt nicht annehmen."

Wie sieht Zimmermann seine Chancen, Bürgermeister in Horb zu werden? "Meine Erfahrung ist, dass das ganze Leben vom Zufall abhängt. Man kann nichts planen. Ich habe die Gemeinderäte von Horb ins Herz geschlossen. Es würde mich freuen, wenn sie meine Liebe erwidern und mit gutem Gefühl entscheiden können: Der Zimmermann hat ein Gen, welches in Horb reinpassen würde."

Seite 2: Freizeit

Laster?

"Ich habe bis vor fünf Jahren zwei Päckchen Zigaretten geraucht. Dann habe ich aufgehört. Ich esse und ich koche gerne."

Sport?

"Früher habe ich Handball und Altherren-Fußball gespielt. Inzwischen wird das durch Wandern ersetzt."

Musik?

"Die höre ich gerne. Tanzen mag ich nicht so. Da schlägt meine Frau immer die Hände über dem Kopf zusammen."