Horb a. N.

Zehn-Minuten-Hilfsfrist bleibt bei Einsätzen in Horb gewährleistet

von Jürgen Lück

Horb. Der Spagat der freiwilligen Feuerwehr –­ Ehrenamtliche, die retten. Aber auch normal arbeiten. Sie hat zu einer Umorganisation bei den Rettern geführt. Feuerwehrkommandant Markus Megerle stellte im Ausschuss für Verwaltung und Technik den Jahresbericht 2017 der freiwilligen Feuerwehr vor.

Doch nicht das neue Feuerwehrzentrum war die wichtigste Änderung im vergangenen Jahr, sondern die Anpassung der sogenannten "Alarm- und Ausrückordnung".

Megerle: "Bei Alarmen im Stadtgebiet werden immer die Einsatzkräfte von Bildechingen dazu alarmiert. Bei Alarmen aus dem Industriegebiet Heiligenfeld immer Kameraden aus Talheim."

Warum? Einer der Gründe: Nach der Alarmierung müssen die freiwilligen Feuerwehrleute in fünf Minuten am Feuerwehrhaus sein, damit das erste Löschgruppenfahrzeug innerhalb von zehn Minuten an der Brandstelle ist. So verlangen es die Feuerwehrvorschriften des Baden-Württembergischen Innenministeriums.

Bis zur Änderung der Ausrückordnung wurden nur die Feuerwehrleute aus Horb-Stadt alarmiert. Megerle: "Es wurde immer schwieriger, während der Tagesverfügbarkeit genügend Feuerwehrleute zum Feuerwehrhaus zu bekommen." Allein für einen Löschzug braucht es 21 Mann. Weil viele außerhalb arbeiten oder es nicht schaffen, innerhalb von fünf Minuten am Feuerwehrhaus zu sein, wurde die Ausrückordnung geändert.

199 Einsätze leistete die Feuerwehr 2017

Megerle: "Wir alarmieren jetzt 100 Feuerwehrleute, um 30 innerhalb der fünf Minuten-Frist am Feuerwehrhaus zu haben. Im Heiligenfeld werden 140 Feuerwehrleute alarmiert, um 40 herzubekommen. Mit der Einbeziehung der Kameraden aus Bildechingen und Talheim können wir die zehn Minuten Hilfsfrist weiterhin gewährleisten –­ andere Kommunen haben da wesentlich mehr Probleme!" Eine gute Lösung für die Sicherheit von uns allen. Wie steht es sonst um die Feuerwehr? Im Jahr 2017 gab es 778 Angehörige, davon 494 Aktive. Darunter sind 16 Frauen.

Die Jugendabteilung hat 142 Mitglieder – auch 16 Mädchen. Von der Jugendfeuerwehr sind 20 in die Einsatzabteilung übergetreten. Megerle: "Diese Quote ist im Landesvergleich gut."

Im vergangenen Jahr leistete die freiwillige Feuerwehr 199 Einsätze. 29 Brände, 80 technische Hilfsleistungen und 46 Fehlalarme. Elf Personen wurden aus lebensbedrohlicher Lage gerettet, eine Person wurde tot geborgen.

Megerle: "Durch die ausgetrockenete Vegetation gibt es immer mehr Flächenbrände. Die nehmen immer mehr zu."

Sogar beim Geld ist die freiwillige Feuerwehr vorbildlich. Achim Weinstein: "Das Jahresbudget wird mit einem Defizit von 65 000 Euro abschließen. Das sind 10 000 Euro weniger als letztes Jahr."

Dafür gibt es einen Grund: Die Erträge sind mit rund 81 000 Euro knapp 27 000 Euro höher ausgefallen als erwartet. Weinstein: "Wir haben durch kostenpflichtige Säureeinsätze allein 51 000 Euro eingenommen. Und durch die Wartung des Atemschutzes für die Gemeinde Empfingen und die Fischer-Werksfeuerwehr gab es auch ein Plus."

Auch gut: Seit 2017 haben alle Aktive der Feuerwehr neue Einsatzjacken. Sie wurden seit 2011 nach und nach gekauft. Gesamtkosten: 146 000 Euro. Peter Zimmermann, Ex-Ortsvorsteher von Bildechingen und VTA-Mitglied: "Ich habe die alten Jacken und Schuhe von der Feuerwehr bekommen und in meine alte Heimat nach Serbien geschickt. Dazu sechs Atemschutzgeräte. Die Feuerwehr dort ist vorher mit Turnschuhen zu den Einsätzen gegangen. Dazu herzlichen Dank an die Feuerwehr und die Stadt Horb!"