Horb a. N.

"Zachers Mühle" bald in Neckarstadt

von Jürgen Lück

Horb - Die Zachersmühle ist ein bekanntes Ausflugsziel im Landkreis Göppingen. Doch bald dreht sich "Zachers Mühle" auch in Horb. Joachim Zacher investiert in das neue Wasserkraftwerk am Mühlkanal. Wie er dazu kam, hat Zacher unserer Zeitung berichtet.

Zacher ist eigentlich Verwaltungsmensch. Arbeitet beim Regionalverband Neckar-Alb in Mössingen. Wohnt in Stuttgart. Doch wie kommt er zur Wasserkraft? Und dann noch nach Horb?

Zacher holt eine DIN A4-Broschüre aus der Tasche: "Im Jahr 2011 habe ich mich im Rahmen der Regionalplanung über alle potenziellen Wasserkraftstandorte in der Neckar-Alb-Region beschäftigt. Dabei wurden alle Standorte im Mündungsbereich erfasst. So ist in mir die Idee gereift, selbst auf Wasserkraft zu setzen. Im Rahmen der Gartenschau 2011 bin ich dann auf Horb gekommen."

Das Spannende dabei: In den von Zacher untersuchten Mündungsbereichen gibt es lediglich ein bis zwei Fallmeter und einen Wasserdurchlauf von zwei bis drei Kubikmetern. Zacher: "Das konnte bisher energetisch nicht sinnvoll genutzt werden."

So stieß der Verwaltungsmensch dann auf die Firma BEW Power in Wien. Die hat ein Patent auf die Lamellenturbine. Zacher: "Die Lamellen in der Turbine wirken wie ein Hebel, so das die Wasserkraft optimal übertragen wird."

Also ging er in die Planung. Bekam im Jahr 2014 die wasserrechtliche Genehmigung vom Landratsamt Freudenstadt. Im gleichen Jahr hatte der Wasserkraft-Investor auch eine Landesförderung beantragt. Zacher: "Fördervoraussetzung ist, dass mit den Baumaßnahmen erst begonnen werden darf, wenn das Verfahren abgeschlossen ist." Im Dezember 2016 besucht er den Hersteller und lässt sich mit dem riesigen Wasserrad fotografieren. Sagt: "Das ist reiner Edelstahl mit einem Zentimeter Dicke –­ so lange ich lebe, wird das halten."

Doch weil die EU eine Doppelförderung verbietet, hat das Land im Frühjahr dieses Jahres beschlossen, Zachers Lamellenturbine nicht zu fördern. Die Absage kam im Mai. Begründung: Die Leistung liegt unter dem Schwellenwert von 100 Kilowatt Leistung. Das 3,60 Meter große Wasserrad soll 21 Kilowatt Strom erzeugen –­ so viel wie 40 Vier-Personen-Haushalte verbrauchen.

Was tun? Das Projekt beerdigen? Zacher: "Ich habe allen jahrelang erzählt, dass ich das mache. Ich habe mich durchgerungen, das Projekt durchzuziehen. Auch ohne Förderung ist das eine gute Sache und mein persönlicher Beitrag zum Klimaschutz. Den Mühlkanal gibt es schon viele hunderte Jahre, und den Standort für die Lamellenturbine wird es auch die nächsten 200 bis 300 Jahre geben. Da kann man nichts falsch machen."

Und durch die Neu-Konstruktion des Mühlkanals für das Flusskraftwerk an der Inselspitze herrschen auch am anderen Ende beste Bedingungen. Zacher: "Damit ist die Wassermenge garantiert, pro Sekunde fließen gut 1,9 Kubikmeter Wasser durch den Mühlkanal. So ist eine hohe Jahresauslastung zu erwarten –­ auch, wenn der nächste Sommer so trocken wird wie der vergangene."

Doch wo kommt die neue "Zachers Mühle" genau hin?

Der Investor: "Sie wird unterhalb des historischen Zuppinger Wasserrades installiert. Und zwar auf der gegenüberliegenden Seite. Die Steine für den Fischaufstieg werden genommen, um den Auslauf des historischen Wasserrades mit einer Mauer abzutrennen."

Die Lamellenturbine wird so neben der jetzigen Böschung eingebaut, dass die obere Hälfte zwar aus dem Wasser schaut, aber noch knapp unter Höhe des Fußweges ist. Zacher: "Die Technik wird in die Böschung eingebaut und mit einem Pultdach versehen. Vom Neckarweg her wird sich das ganz unauffällig in die Böschung einfügen."

Der Baubeginn soll im Januar nächsten Jahres sein. Ostern soll sich "Zachers Mühle" dann drehen.

Der Investor stolz: "Das wird eine doppelte Premiere: Mein erstes Wasserkraftwerk und die erste Lamellenturbine, die sich in Deutschland drehen wird."