Horb a. N.

Vesperkirche: Rechtzeitig genügend Helfer an Bord

von Jürgen Lück

Horb - Ein brillanter Start für die 11. Vesperkirche im Steinhaus: Schwarze geben den Grünen eine Extra-Portion, über 100 Gäste schon beim Start. Und auch die Helfer-Krise ist keine mehr.

Der evangelische Pfarrer Michael Keller bringt es mit seinem Bibelwort aus Römer 12 bei der Eröffnungs-Andacht auf den Punkt, was die vielen Macher und Helfer der Vesperkirche antreibt: "Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann." Diakon Klaus Konrad: "Es gibt ein Wunder der Vesperkirche." Dann stimmen die Gäste "Ubi Caritas" an. Auf Deutsch: "Wo Liebe ist und Güte, da ist Gott."

Und dieser Segen – man kann ihn spüren. Gegen 12.15 Uhr kommt Wilhelm Acker an den Eingang, will sich noch als Helfer eintragen lassen. Grund: Das Orga-Team der Vesperkirche hatte am Donnerstag über die Medien einen Aufruf gestartet, dass noch gut 25 Prozent der Helfer fehlen – vor allem für die zweite Woche.

Presse-Aufruf war Gold wert

Dekanatsreferent Achim Wicker vom Orga-Team der Vesperkirche holt den Ordner mit den Helferlisten und sagt: "Der Presse-Aufruf war Gold wert. Wir haben inzwischen unsere Lücken bei den Helfern schließen können." Ulrike Eichkorn schaut in die Liste. Jeder Tag ist gut belegt. Man wolle auch zu viele Helfer vermeiden.

Sie fragt Acker dann, ob er auch am Freitag diese Woche Zeit hat. Der Mann nickt. Eichkorn: "Klasse. Dann kann ich an diesem Tag doch freimachen. Dort bin ich zu einem Geburtstag eingeladen."

Damit sind die Sorgen der Vesperkirche um die ehrenamtlichen Helfer also Vergangenheit. Kein Grund, dass das gemeinsame Essen im Steinhaus auf Krücken gehen muss. Dafür Caritas-Leiter Rüdiger Holderried. Er hatte sich beim Toben mit seinen Kindern einen Bänderriss zugezogen. Er grinst: "Lieber gehe ich an Krücken als die Vesperkirche!"

Dann geht es ans Essen. Und auch hier ist alles grün: Seit langer Zeit steht auch wieder CDU-Gemeinderat Michael Laschinger hinter den Tischen, um zu schöpfen. Der Schwarze darf dann auch Grün bedienen: Kreisrat Wolf Hoffmann kommt mit Ehefrau. Laschinger lacht: "Weil es auf Landesebene ja auch mit grün-schwarz klappt, habe ich ihm einen halben Knödel extra gegeben. Nachdem ich am Anfang als Spüler mitgeholfen habe, hat man mich bei meinem Wiedereinstieg dankenswerterweise zur Essensausgabe hochgestuft."

Gute Laune also. Auch an der Kaffee- und Kuchentheke. Ingrid Holzhauser und Margarete Peters präsentieren die handgemachten Torten mit Vesperkirchen-Motiv. Holzhauser hat ein offenes Buch gestaltet, Peters eine Kirche geformt. Mit Erdbeerfüllung im Biskuit.

Andrang für Besichtigung von Krippe riesig

Die Schoko-Buchstaben sagen: "11. Vesperkirche". Peters hat aber nicht nur gebacken. Sondern auch den Schwabo-Artikel über ihre wahrscheinlich größte Horber Krippe in Privatbesitz an die Steinhaus-Tür gepinnt. Peters: "Wir sind absolut glücklich. Nach dem Schwabo-Artikel war der Andrang für die Besichtigung unserer Krippe riesig. Deshalb verlängern wir die Besichtigungszeiten bis zum 2. Februar – Maria Lichtmess!" Das heißt: Einen Tag nach dem Ende der Vesperkirche kann man bei ihr in der Neckarstraße 42 noch die Krippe besichtigen.

Gelungen, hererwärmend und lecker. Ebenso wie der Rinderschmorbraten. Diesmal hat Koch Heiko Schwabe aus dem Pflegeheim Ita von Toggenburg nicht nur das leckere Fleisch vom Grünmettstetter Weiderind mitgebracht, sondern seine Tochter Pauline. Auch das kleine Mädchen hilft fleißig mit.

Es läuft also rund –­ schon beim Start. Und auch die neue Sitzordnung in Gruppen statt in Reihen funktioniert gut. Wicker macht gleich Fotos von seinem Smartphone, sagt: "Wir haben jetzt zwar zehn Plätze weniger, aber es funktioniert gut. Auch die Helfer, die das Essen an den Tisch bringen, kommen nach meiner Beobachtung gut durch."

Und was macht der Fahrdienst? Diesmal war er zum ersten Mal am Sonntag im Einsatz. Holte die Gäste aus Rexingen und Rohrdorf ab. Hat das den traditionell schleppenden Sonntags-Start der Vesperkirche gepusht? Holderried: "Nein. Darum geht es uns auch gar nicht. Der Fahrer hat diesmal drei Personen abgeholt."

Mehr Gäste, als erwartet

Trotzdem wurden es dann zum Start in die Vesperkirche mehr als die erwartete 80 bis 90 Gäste. Denn: Kurz, bevor Holderried und Wicker das Abschlusslied um 13 Uhr anstimmen, stürmt noch eine Gruppe das Steinhaus. Klar, dass sie auch noch ihr Mahl bekommen. Dekanatsreferent Wicker schaut um 13.05 Uhr auf die Gästezählung: "98 Gäste und zehn Kinder –­ das ist doch ein prachtvoller Start."

Und ab heute geht es dann richtig los im Steinhaus: Von 11 bis 14 Uhr gibt es wieder leckeres Essen und Gespräche. Caritas-Leiter Holderried hatte zur Eröffnung gesagt: "Unser Wunsch ist: Schauen sie, dass niemand alleine sitzen muss." Dies wird schon ab heute kein Thema mehr sein.

Übrigens: Der Fahrdienst der Vesperkirche holt Interessierte gerne daheim ab. Holderried: "Das Handy des Fahrers ist noch nicht freigeschaltet. Wer abgeholt werden möchte, sollte am Montag bis 10 Uhr bei uns in der Caritas anrufen!" Die Telefonnummer dafür lautet: 07451/55 14 20.