Horb a. N.

Verbrechen in Nordstetten: Todesursache bleibt unklar

von Jürgen Lück und Florian Ganswind

Horb-Nordstetten - Ein Kapitalverbrechen schockt Horb: Ein 57-jähriger Geschäftsmann wurde in Nordstetten getötet. Es ist der bekannte Immobilien-Investor Michael Riecher. Er galt als sehr vermögend.

Die Polizei ermittelt mit einer 50-köpfigen Sonderkommission, wer den Horber Geschäftsmann Michael Riecher in seinem Wohnhaus in der Weikersthalstraße in Nordstetten getötet haben könnte. Ein Kriminalexperte sagt: "Allein die Größe der Sonderkommission lässt darauf schließen, dass es bisher noch keine heiße Spur gibt."

Die Todesursache gibt Rätsel auf. Erschossen oder erstochen wurde Riecher nicht. Als der Notarzt am Samstag um 10 Uhr die Leiche Riechers untersucht, gibt es zunächst kein klares Ergebnis. Die Todesursache ist unklar. Die Polizei wartet zunächst das Obduktionsergebnis ab. Und das bringt am Dienstag ans Licht: Riecher wurde getötet. "Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir die genaue Todesursache zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt geben", erklärt Frank Grundke, Pressesprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft Rottweil.

Die Polizei fängt am Dienstagabend an, den Tatort zu sichern. Die Spurensicherung vor Ort. Am Mittwochmorgen legen sie dann richtig los und durchkämmen den ganzen Ort. Die anderen Ermittler befragen nicht nur alle Nachbarn, sondern andere Kollegen suchen sogar die Gehwegränder der Scheibenbußstraße ab. Sie schauen in jede Mülltonne, auch die Container in der benachbarten Josef-Hezel-Straße inspizieren sie. Die Spurensuche dauert stundenlang. Sogar die Baustelle für die Hochbrücke wird grob abgesucht. Hat der oder die Täter Beweisstücke entsorgt? Oder sogar Tatmittel?

Vor dem Haus von Riecher markiert unterdessen die Spurensicherung in weißen Ganzkörperanzügen mehrere Spuren mit Nummern auf dem Rasen vor dem Souterrain-Eingang. Das spricht dafür, dass man auf der Suche nach einem oder mehreren Besuchern von Riecher ist.

Auch hinter der Eingangstür werden die Beweise gesichert. Die Garage, in der der schwarze Jaguar steht, ist geöffnet. Zwei Ermittler kümmern sich hier um die Spurensuche.

Obwohl Riecher vermögend gewesen sein soll, sieht sein Haus eher schlicht aus. Keine Mauer drumherum, die die Blicke auf die Villa verhindern soll, keine ferngesteuerten Garagen, die die Nobel-SUVs oder Oldtimer vor den Blicken der Besucher schützen sollen.

Nachbarn berichten, dass Riecher zurückgezogen lebte

Die Nachbarn sagen, dass der Immobilien-Investor zurückgezogen gelebt habe. "Wir haben ihn kaum mehr gesehen. Er hatte auch keinen großen Kontakt zu uns. Er war hier bei uns auch nicht sonderlich beliebt", sagt ein Nachbar.

Riecher stammt aus Nordstetten. Sein Elternhaus befindet sich gegenüber von der ehemaligen Gaststätte "Schäpfle" in der Ritterschaftsstraße. Mit der Ortsverwaltung lag er vor einigen Jahren im Clinch, weil er bei der Sanierung der Ritterschaftsstraße auf Extra-Wünsche wie einer Mauer bestand. Sein Elternhaus hatte er an eine Flüchtlingsfamilie vermietet.

In dem Haus, das die Polizei gestern durchsuchte, hat der Immobilien-Geschäftsmann nicht nur gewohnt. Im Keller waren seine Geschäftsräume. "Das Büro war sehr organisiert – wie er auch!", sagt ein Freund von ihm.

Riecher war zuletzt gesundheitlich stark angeschlagen. Er erzählte dem Schwabo-Reporter vor einigen Jahren, dass er mit dem Rauchen aufgehört hatte und danach beim Lungenfacharzt war, der die Diagnose COPD im vierten Stadium festgestellt habe. Das ist das Endstadium der Lungenkrankheit. Die Lungenfunktion liegt damit 70 Prozent unter dem Normalwert – Folge des jahrelangen Zigarettenkonsums von Riecher.

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Deshalb sucht sie schon früh die Hilfe der Bevölkerung. Zur Klärung des Verbrechens hat die Sonderkommission ein Hinweistelefon unter der Telefon Nummer 0741/477-108 geschaltet.

Für die Ermittler besonders wichtig: Wer hat im Zeitraum von Freitagabend bis Samstagmorgen im Bereich der Weikersthalstraße verdächtige Wahrnehmungen oder  Beobachtungen gemacht. "Auch scheinbar unbedeutende Feststellungen können für die Ermittler von entscheidender Bedeutung für die Aufklärung des Verbrechens sein", so Polizei und Staatsanwaltschaft.