Horb a. N.

"So schlecht ist Bio live eigentlich gar nicht"

von Peter Morlok

Für die beiden Lerngruppen der sechsten Klasse der Horber Gemeinschaftsschule standen gestern jeweils zwei Stunden spannende Naturbeobachtung auf dem Stundenplan.

Horb. Biologe Daniel Baumgärtner hatte das Ökomobil des Regierungspräsidiums Karlsruhe in der Nähe der Streuobstwiese auf dem Hohenberg, die von der Schule betreut wird, geparkt und war offen, für alle Fragen und Anregungen der Schüler.

Das rollende Naturschutzlabor "Ökomobil" bringt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Natur näher. Unter dem Motto "Natur erleben, kennen lernen und schützen" soll die Neugier geweckt, Zusammenhänge in der Natur begreifbar gemacht sowie Eigeninitiativen gefördert werden.

Keine leichte Aufgabe, gaben doch einige der Schüler gleich ungefragt zu, dass sie viel lieber ganz normalen Unterricht gemacht hätten als draußen in der freien Wildbahn nach Krabbeltieren zu suchen.

Doch irgendwann siegte auch beim größten Klassenzimmer-Hocker die Neugierde. "Wie sieht eine gefleckte Keulenschrecke aus? Gibt es so ein Tier überhaupt oder will uns der Chef von dem Ökomobil nur auf den Arm nehmen? Fragen, die man sich nicht beantworten kann, wenn man nicht nach dem Grashüpfer sucht.

Eine andere interessante Frage war natürlich auch, wie viel Beinchen ein Tausendfüßer hat. Echt tausend, oder ein paar weniger? Die Chance, sich diese Frage selbst zu beantworten, hatten die Schüler nun durch den Besuch des Ökomobils.

In der Theorie waren sie von Nabu-Mann und Lehrer Eckhard Kiefer bestens auf das Abenteuer "Streuobstwiese" vorbereitet, doch in der Praxis sieht‘s dann wieder ganz anders aus. "Igittigitt – ich lang doch keine echten Würmer an", erklärte eine der Schülerinnen recht deutlich, während den Jungs in der Klasse noch nicht ganz klar war, ob sie auf desinteressiert cool oder lässig interessiert machen sollten. Doch allein die Vorstellung, dass sie nach Kleinstlebewesen suchen, diese lebendig einfangen und später auch noch unterm Stereo-Mikroskop untersuchen und analysieren dürfen, wich nur ganz langsam einer gewissen Neugierde.

"Was würdet ihr lieber machen? Nach Flechten, Moose und Pflanzen suchen oder nach Kleinlebewesen", stellte Baumgärtner die Grundsatzfrage, mit der die Schüler selbst die Weichen für die zwei Stunden naturnahen Unterricht stellten. Spätestens als dann die vorlaute Antwort: "Ich würde am liebsten Französisch-Unterricht machen" kam, merkten die Schüler, dass sie es hier mit Profis zu tun hatten. Marina Bezin, die zusammen mit Katja Krokhateva eine Ökojahr beim RP Karlsruhe macht und mit vor Ort in Horb war, antwortete in perfektem Französisch, fügte an, dass es auch in Italienisch funktioniert und Kollegin Katja bei Bedarf gerne Russisch-Unterricht gibt.

Da war dann Bio in der Praxis die echt bessere Alternative. Daniel Baumgärtner bat die Schüler rein ins fahrbare Klassenzimmer "Ökomobil" – und die Herrschaften staunten nicht schlecht, was es hier alles auf kleinsten Raum gab. Vom Arbeitsplatz samt Mikroskop bis zum Rechner, der die Objekte direkt und live auf eine große Projektionsfläche werfen konnte, war alles da, was der zukünftige Jung-Biologe braucht. Nach einer kurzen Einführung zur Ausstattung und den vielen Möglichkeiten, die so ein fahrbares Labor bietet, ging es dann aber gleich raus in die freie Natur. Mit Kreuz- und Streckerspinne, mit Larven vom Laubkäfer und anderen Käferarten, mit dem plötzlich doch nicht mehr so ekeligen Regenwurm, mit Zikaden und verschiedenen Heuschrecken aber auch mit Schnecken aller Art kamen die Schüler später zurück ins Ökomobil. Sie schauten sich ihre Beute unterm Mikroskop genau an und stellten ihren Fang dann einzeln ihren Mitschülern vor.

"So schlecht ist Bio live eigentlich gar nicht", gab am Schluss dieser besonderen zwei Schulstunden einer der Schüler zu.