Horb a. N.

Nicht viele haben Zeit für ein faires Frühstück

von Peter Morlok

Mit gemeinsamen, fairen Frühstücken setzen Menschen ein Zeichen für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt. Am Samstagvormittag fand diese Veranstaltungsreihe, bei der faire Bezahlung, soziale Arbeitsbedingungen und umweltfreundliche Anbauweisen im Fokus der Überlegungen stehen, auch wieder in Horb statt.

Horb. Eingeladen hatten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde Horb zum ökumenischen "Fair Frühstücken" in das evangelische Gemeindezentrum auf dem Hohenberg. "Bisher machten wir dies immer an einem Mittwochvormittag", erinnerte Pfarrerin Susanne Veith im Rahmen ihrer Begrüßung. "Doch in diesem Jahr wollen wir mal probieren, ob samstags mehr Leute Zeit finden, gemeinsam zu frühstücken."

Ein Versuch, der nicht wirklich klappte, denn auch an einem Samstagvormittag mussten sich die Organisatoren das Zeitkonto der Mitchristen mit anderen Terminen teilen. So sah man überwiegend Hauptamtliche und ältere Personen an drei Tischen sitzen.

Im Foyer war neben einem Tisch voller Angebote aus dem Weltladen ein Frühstücksbuffet aufgebaut, das wirklich Lust auf mehr machte. Von der selbst gemachten Marmelade, über Honig bis zu Backwaren aus ökologischem Anbau oder vom heimischen Bäcker, aber auch herzhaftes vom Metzger um die Ecke, war dort alles zu finden, was einen Start in den Tag angenehm machte.

Dazu konnte man naturreine Säfte, Kakao, Tee und fair gehandelten Kaffee trinken, sich mit Müsli und Käse(zubereitungen) und sogar geräucherte Regenbogenforellen aus dem Neckar stärken und sich so seine Gedanken zum nachhaltigen Umgang mit den Dingen des täglichen Lebens machen.

Geiz ist nicht immer geil, sondern gerade bei Lebensmitteln ist falsche Sparsamkeit oft sogar recht ungesund und in den allermeisten Fällen unsozial, so das Credo der Überlegungen. Irgendjemand zahlt immer den Preis, bis Billigware in den Regalen steht. Und meist zahlen die Ärmsten der Armen diesen Preis.

Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der sich noch kurz vor Beginn der Klausursitzung des Gemeinderats Zeit nahm, um die "Frühstücker" zu begrüßen, betonte, dass man sich mit einer großen Vielzahl an Lebensmittel, die rund um Horb produziert werden, eindecken könnte. "Wir sind zwar als Fair-Trade-Stadt mit einigen Schwierigkeiten gestartet", gab er zu, "doch wir sind hier schon einen Schritt weiter."

Nachhaltigkeits-Label wie den "Grünen Gockel" oder ähnliche Zertifizierungen seien als Orientierung für die Verbraucher sehr wichtig, hob er hervor. Er sah dieses ökumenischen "Fair-Frühstück" als eine wichtige symbolische Geste an, denn die Organisatoren seien für ihn die Treiber, die Multiplikatoren für dieses wichtige Anliegen nach außen.

Wie man mit kleinen, teils auch spielerischen Aktionen den fairen Handel in den Köpfen junger Leute verankert, das zeigten Bettina Gerster, Religionslehrerin an der Grundschule Talheim sowie Jugend-Dekanatsreferentin Elisabeth Wütz auf. Wütz berichtete in ihrem Impulsreferat über die "WELTfairÄnderer" in Horb.

Dieses BDKJ-Projekt (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) fand im vergangenen Juni in Horb statt und lud Schüler, Eltern, Lehrer und alle Beteiligten der entwicklungspolitischen Bildungswoche zum Verweilen und Begegnen ein. Kirche, Jugendarbeit und Schule gestalteten gemeinsam das erlebnisorientierte Themen-Programm dieser nachhaltigen Bildungsarbeit. Bettina Gerster schilderte den Weg der Steinachtalschule zu ihrem Wunschziel "Fairtrade-School." Sie möchten dieses Zertifikat erreichen, denn fairer Handel im Schulalltag schaffe bei Schülern Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung.

Und da gerade die jungen Leute gerne zu sich und der Welt fair sein möchten, soll in der Realschule eine "Fair-O-Mat" aufgestellt werden, in dem es nur Snacks und Süßigkeiten aus nachhaltigem, fairen Anbau angeboten werden.

Es sind kleine Schritte auf dem Weg zu fairem Handel, doch wenn viele Menschen diese kleinen Schritte machen, dann kann auch etwas Großes erreicht werden, so das Fazit nach zweieinhalb Stunden fairem frühstücken.