Horb a. N.

Nach Verbrechen in Nordstetten: 50-köpfige Sonderkommission eingerichtet

von Florian Ganswind und Jürgen Lück

Horb - Ein bekannter Horber Geschäftsmann ist zwischen Freitagabend und Samstagmorgen getötet worden. Davon geht seit Kurzem die Polizei aus. Deshalb hat sie eine 50-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Straße für Straße suchen die Polizisten ab. Sie schauen über jeden Gartenzaun. Auch an den Papiercontainern in der Josef-Hezel-Straße bleiben sie stehen und suchen Zentimeter für Zentimeter nach irgendetwas ab. In dem rund 2500 Einwohner zählenden Nordstetten spricht sich die Nachricht schnell rum. In der Weikersthalstraße, einer ruhigen Wohnstraße im Dorf, ist etwas Schlimmes passiert. Ein 57-jähriger Immobilienberater und -investor, der in Horb gut bekannt ist, ist getötet worden.

Als am Samstagmorgen um 10 Uhr der 57-Jährige gefunden wurde, war das noch nicht so klar. In der Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft heißt es: "Der herbeigerufene Notarzt stellte den Tod des Mannes fest. Nach ersten Feststellungen blieb die Todesursache unklar." Am Leichnam sind also wohl keine äußeren Spuren. Doch irgendetwas stimmt nicht. Eine Obduktion wird angeordnet, die dann am Dienstag zu dem Ergebnis kommt, das ein Tötungsdelikt vorliegen muss. Doch von einem Tatverdächtigen fehlt wohl bisher jede Spur. Deswegen wird auch schnell von der Sonderkommission ein Hinweistelefon (unter der Telefon Nummer 0741/477-108) geschaltet. Das sei nicht ungewöhnlich, wenn es in einem Tötungsfall zum Anfang keine Hinweise gibt, erklärt Frank Grundke, Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft Rottweil.

Man hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. Das Opfer lebte zuletzt zurückgezogen. Immer wieder hatte er in den vergangenen Jahrzehnten mit bekannten Bauprojekten in Horb auf sich aufmerksam gemacht, aber vor allem auch in den neuen Bundesländern viel investiert. Zuletzt, so heißt es, habe er von den Mieteinnahmen seiner 400 Wohnungen und Immobilien gelebt. Er sei, so sagt sein Umfeld, gesundheitlich stark angeschlagen gewesen. Seit Jahren schwächte ihn die Krankheit COPD, eine chronische Erkrankung der unteren Atemwege. Auch Nachbarn sagen, er habe wenig Kontakt gehabt. Manche berichten, dass er nicht immer ein einfacher Zeitgenosse gewesen sei.

Mit der Ortsverwaltung war er vor einigen Jahren wegen eines Bauprojekts angeeckt. Doch es gab auch die andere Seite des 57-Jährigen. Er engagierte sich für kulturelle und soziale Aktionen in der Stadt. Zur genauen Todesursache will die Staatsanwaltschaft keine konkreten Angaben machen – "aus ermittlungstaktischen Gründen". So viel ist klar: Es gab keine Stich- oder Schussverletzungen, auch Würgemale hat es wohl nicht gegeben. Es muss also wohl eine Tötung ohne äußere Gewalt gewesen sein.

Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil hat noch im Laufe des Dienstags eine 50-köpfige Sonderkommission eingerichtet. Für die Ermittler ist besonders wichtig: "Wer hat im Zeitraum von Freitagabend bis Samstagmorgen im Bereich der Weikersthalstraße verdächtige Wahrnehmungen oder Beobachtungen gemacht. Auch scheinbar unbedeutende Feststellungen können für die Ermittler von entscheidender Bedeutung für die Aufklärung des Verbrechens sein."