Horb a. N.

Mini-Rock: Vorfreude mit Wehmut

von Jürgen Lück

Horb - Viele freuen sich schon aufs Mini-Rock-Festival vom 2. bis 4. August, doch dieses Mal rockt die Trauer mit: Die Mini-Rocker ziehen nach 14 erfolgreichen Festivaljahren den Schlussstrich. Warum so plötzlich, wo doch im März noch Aufbruchstimmung herrschte und ein neues Leitungsteam aufgestellt wurde? Am Geld liegt es wohl kaum, hieß es doch seinerzeit noch, das Festival 2017 sei mit mehr als einer halben Million Euro eines der erfolgreichsten gewesen. Das Mini-Rock-Team erklärt Hintergründe.

Aus den Erfahrungen auch anderer Ehrenamtlicher ist zu erkennen, dass von der Stadt mehr Unterstützung und ein zentraler Ansprechpartner erwartet wird. Ist das auch das Gefühl des Mini-Rock-Vereins?

Wir würden eine andere Formulierung wählen. Natürlich gab es viele Gespräche mit Vertretern der Stadt, wir bedanken uns auch von Herzen für die Unterstützung der vergangenen Jahre, aber leider haben wir in jüngster Zeit das Gefühl, dass sich eine gewisse "Die werden das schon hinkriegen"-Einstellung eingeschlichen hat. Dabei braucht es neben dem Bewusstsein für die Probleme dieser Projekte eine Einstellung, selbst die Probleme lösen zu wollen.

Fehlt es im Rathaus an einem zentralen Veranstaltungsmanagement, das beispielsweise den ehrenamtlichen Veranstaltern oder den kommerziellen Dienstleistern gewisse Dinge wie das Sicherheitskonzept abnimmt?

Veranstaltungen sind häufig komplexe Vorhaben. Besonders dann, wenn sie eine Größenordnung wie die Ritterspiele, das Mini Rock Festival oder auch einen Marathon erreichen. Das Genehmigungsverfahren wird dann umfangreich und die zu erfüllenden Auflagen werden unübersichtlich. Hilfreich wäre eine Art "Behörden-Coach", der den Veranstalter in Verwaltungs- und ordnungsrechtlichen Fragen begleitet und insbesondere Lösungen mitentwickelt. Dass es zig Gesetze und Verordnungen gibt, ist den Veranstaltern bekannt; wie man praxistaugliche und vernünftige Lösungen findet, lässt der Gesetzgeber offen – hier braucht es konkrete Hilfe. Für die Entwicklung von Sicherheitskonzepten spricht man hier von einem "einheitlichen Ansprechpartner".

Warum fehlt ein zentraler Ansprechpartner bei der Stadt?

In Sachen Sicherheit gibt es Frau Kronenbitter. Sie macht einen guten Job. Aber wie gesagt gibt es weitere elementare Fragen: Gelände und Flächennutzung, Vermarktung, Kooperationen usw., usw., weswegen eine koordinierende Stelle, die aktiv mit den Veranstaltern zusammenarbeitet, eventuell von Vorteil ist.

Trotzdem gab es viele öffentliche Bekenntnisse zum Mini-Rock-Festival, beispielsweise von Oberbürgermeister Rosenberger

Wir sind wirklich dankbar für den öffentlichen Support. Aber Bekenntnisse helfen nicht dabei, ein Gelände umzuplanen, helfen nicht dabei Mehrkosten aufzufangen oder Sicherheitskonzepte zu erstellen. Wenn man als Verwaltung sieht, dass das Ehrenamt in einer der wichtigsten Veranstaltungen der Stadt strauchelt, dann ist es aus unserer Sicht die Mühe wert, proaktiv den Planungsprozess zu begleiten. Wir durften mit unserem damaligen Stadtplaner Penck in den Jahren 2009 und danach eine derartige Zusammenarbeit schon erfahren. Der Mann hat sich mit uns hingesetzt und hat mit uns Lösungen gesucht, hat Karten gewälzt, hat Zeit investiert. Er war so etwas wie ein weiteres Teammitglied. So macht die Arbeit mit den Behörden Spaß.

Ist es euch zu mühsam, sich erst durchzufragen?

Beispiel Hochbrücke: Hier war schon früh absehbar, das es zu Konflikten kommen wird. Bauherr ist der Bund, vertreten durch das RP Karlsruhe. Im Oktober des vergangenen Jahres haben wir die ersten Anfragen an die Stadt gestellt, was wann wo von wem getan wird, wer Ansprechpartner ist, wer Auskünfte erteilen kann. Wir haben klar und deutlich unsere Gesprächsbereitschaft kommuniziert. Das Ergebnis ist, das bis heute lediglich Planunterlagen aus dem Jahr 2015 vorliegen, die wir uns selber aus dem Internet besorgt haben. Es gibt keinen veröffentlichten Entwurf eines Bauzeitenplans, geschweige denn, dass das RP jemals mit uns direkt in Kontakt getreten ist. Wen wundert es da, wenn in der Gesellschaft keine Akzeptanz für Großprojekte besteht und keines dieser Vorhaben im gesetzten Rahmen gelingt?

Wie hat das eure Arbeit aufgehalten?

Im Wesentlichen war es die fehlende Klarheit. Als wir im Februar nichts ahnend in die Besprechung mit Verwaltung und Polizei gegangen sind, gingen wir von einer "Routine"-Vorbesprechung aus. Dass uns ein Teil der Grundlage für das Festival entzogen wurde (Teil der Campingfläche), als wir bereits im Vorverkauf waren, war ein herber Schlag. Eine Klärung sollte binnen vier Wochen herbeigeführt werden. Das war nicht im Ansatz der Fall. Einige Wochen stand die Frage im Raum, ob 2018 überhaupt stattfinden kann. Die reguläre Planung für das Festival führt ein ehrenamtliches Team schon an Grenzen. Dann kommt so ein Paket an Arbeit und Belastung ungeplant hinzu. Da bleiben andere Themen auf der Strecke, müssen anders organisiert werden, Aufgaben neu verteilt werden, gegebenenfalls externe Partner ins Boot geholt werden. Nichts davon geschieht von alleine und muss getan werden. Das hält auf.

Wird Horb durch den Wegfall des Festivals unattraktiver für die Kids?

Junge Menschen im ländlichen Raum zu verankern, ist schwer. Subkultur im ländlichen Raum aufzubauen und wachsen zu lassen, ist noch schwerer. Das Mini Rock Festival war hier eine Art Anker. Der hat sich gelöst. Beispielsweise haben über Jahre bei uns Bands aus der Region auf der Bühne gestanden, die sich mit uns vernetzt haben, für die das MRF eine Plattform war. Für viele, uns eingeschlossen, war das Festival außerdem eine Art Klassentreffen, an dem auch Weggezogene den Weg auf sich nehmen, um sich gemeinsam in Horb zu begegnen.