Horb a. N.

Marmorwerk: Muss harter Alkohol auf Partys sein?

von Jürgen Lück und Florian Ganswind

Horb - Der Wirbel um die "1-Euro-Wodka"-Party im Marmorwerk. Das Rathaus erklärt jetzt, dass man ganz in Ruhe mit dem Verein reden will. Auch im Gemeinderat am Dienstagabend waren die Vorkommnisse im "Haus der Jugend" Thema.

Im Verwaltungs- und Technischen Ausschuss wurde heftig diskutiert. Martin Raible (ULH): "Man sollte überprüfen, ob Frau Weschenmoser als erste Vorsitzende des Vereins geeignet ist. Insbesondere nach diesen Vorfällen, der 1-Euro-Wodka-Party und der Tatsache, dass im Film des Vereins Alkohol konsumiert wird. Es gibt vorbildliche Jugendliche in vielen Vereinen, wo es keinen Alkohol für die Jugendlichen gibt."

Auch Gerhard Munding (CDU) fragte nach: "Mich würde interessieren, wer beim Verein verantwortlich dafür ist, ob harter Alkohol ausgeschenkt wird?" Bürgermeister Zimmermann, der mit einer Stellungnahme die Diskussion startete, antwortete: "Das ist letztendlich der Vorstand des Vereins." Thomas Mattes, Fraktionsvorsitzender der SPD: "Ich finde es ein Gebot der Fairness, dass man mit Frau Weschenmoser spricht und nicht in Abwesenheit über sie schimpft. Ich möchte dazu alle Seiten hören." Michael Keßler, CDU-Gemeinderatsfraktions-Vorsitzender: "Man sollte den Fall aufarbeiten, bevor man verurteilt. Es gehört zur Transparenz, dass dann hier in den Gremien darüber berichtet wird!"

Fakt ist: Es ergeben sich einige Fragen aus dem, was in den letzten Tagen geschehen ist. Ein Image-Video. Eine Party mit Wodka zum Taschengeldpreis. Und bei dieser Party randalieren alkoholisierte Jugendliche. Die Polizei rückt an, erst der Polizeihundeeinsatz kann die Situation beruhigen (wir berichteten).

Vorsitzende Viviana Weschenmoser hatte eingeräumt, dass Fehler passiert seien. Normalerweise seien mehr Vereinsverantwortliche vor Ort. Auch sei Wodka & Co. zu Billigpreisen nicht im Sinne des Vereins. Der harte Alkohol, also Hochprozentiges soll aber bleiben, war ihr Statement am Dienstagabend.

In anderen Jugendräumen und Jugendclubs der näheren Umgebung ist das allerdings nicht der Fall. Gerd Hufschmidt ist seit vielen Jahren Geschäftsführer vom Youz in Nagold. "Bei uns wird kein harter Alkohol ausgeschenkt, damit haben wir auch gute Erfahrungen gemacht. Das ist bei uns schon 25 Jahre so. Wenn man das richtige Alter erreicht hat, ist Bier zu bekommen, doch alles im kontrollierten Rahmen." Hufschmidt sagt auch, dass man zwar aufpassen müsse, dass man nicht immer mehr Sachen verbiete und führt das Beispiel Rauchen auf, aber harter Alkohol habe in einem Jugendhaus nichts zu suchen. Youz Nagold ist auch ein Verein, allerdings übernimmt er im Gegensatz zum Marmorwerkverein die gesamte Jugendarbeit der Stadt und erhält dafür eine Summe. Dafür gibt es in Nagold keine Jugendreferentin. "In Nagold funktioniert dieses Modell sehr gut."

Auch im Jugendclub Sulz gibt es laut dem Vorsitzenden Kevin Vidovic keinen harten Alkohol. "Bei uns gibt es meistens nur Bier und zu besonderen Anlässen auch mal Hugo oder Korea (Wein und Cola gemischt)." Die Jugendlichen würden das auch alle so akzeptieren. "Nach dem Generationswechsel musste sich das erst einmal wieder entwickeln." Die Stimmung sei auch ohne harten Alkohol gut. Abwechslung ist die Devise: " Bei uns gibt es Themenabende, Konzerte und wir engagieren uns beim Neckarstrand. Die Zielgruppe des Sulzer Jugendclubs sei die Altersspanne von 13 bis 20 Jahre.

Auch die Empfinger Jugendreferentin Maria Vitale hält nichts vom harten Alkohol in Jugendräumen. "Ich habe auch nicht gehört und gesehen, dass beim Empfinger JKV harter Alkohol ausgeschenkt wird."

Mittlerweile hört sich Weschenmoser etwas nachdenklicher an, was das Thema harter Alkohol angeht? "Der Verein sagt hierzu bislang ja, wir nehmen aber die Stimmen der Öffentlichkeit mit und besprechen das Thema erneut. Trotzdem: es ist gesellschaftliche Realität, dass Schnaps ab 18 konsumiert werden kann.

Das Stadtjugendreferat hat sich zu dieser Frage noch nicht geäußert. Man wolle sich zunächst mit dem Verein austauschen. Der Stadtsprecher macht aber klar: "Beim Thema harter Alkohol wird es sicher Redebedarf geben."

Kommentar: Verantwortung

Von Florian Ganswind

Der Verein hat die umstrittene Party im Marmorwerk organisiert und nicht das Stadtjugendreferat. Das steht außer Frage. Dennoch kann die Stadt nicht behaupten, dass sie mit den Vorgängen im Verein nichts zu tun habe. Dafür gibt es zu viele Verbindungsstränge, die bis in den Vorstand hineinreichen. Hier geht es nicht nur um eine rein private Party eines x-beliebigen Vereins. Alles, was im Marmorwerk passiert, hat etwas mit der Jugendarbeit der Stadt zu tun. Auch der Verein hat seit Jahrzehnten eine Verpflichtung übernommen, für die Jugend der Stadt Verantwortung mitzuübernehmen. Deshalb darf der Vergleich mit anderen Jugendclubs wie Nagold und Sulz erlaubt sein. Harter Alkohol hat dort nichts zu suchen. Der Spaß kommt trotzdem nicht zu kurz. Es kommt auf die richtige Mischung an – und damit ist nicht Wodka mit Orangensaft gemeint.