Horb a. N.

Langeweile kommt keine Sekunde auf

von Michael Oehler

Damaris Müller ist bereits die Dritte, die derzeit an der Roßbergschule ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableistet. Schulleiter Joachim Straub befürchtet jedoch, sie könnte vorerst die Letzte sein. Für das kommende Schuljahr sind noch keine FSJ-Bewerbungen bei ihm eingegangen.

Horb. Vergangenes Jahr hatten sich gleich drei Kandidaten auf die FSJ-Stelle an der Roßbergschule, einer Förderschule für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Förderbedarf, beworben. "Die hätte ich am liebsten alle genommen, leider haben wir aber nur eine Stelle zur Verfügung", sagt Schulleiter Joachim Straub. Scheinbar orientieren sich die jungen Leute in diesem Jahr anders, meint Straub.

Dabei habe ein FSJ viele Vorteile: "Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, Lehrer zu werden, ist es wichtig auch schon mal in den Beruf reinzuschnuppern", sagt Schulleiter Straub. Dies kann FSJlerin Damaris Müller nur bestätigen: "Man bekommt hier einen enormen Einblick in den Lehrerberuf", weiß die 18-Jährige aus Hopfau. Und dieser Einblick habe ihr sehr gut gefallen – vor allem an der Roßbergschule. "Die Schule ist sehr familiär", gerät Müller in wenig ins Schwärmen. "Ich wurde von Anfang an aufgenommen wie eine Kollegin. So war es einfach, mich in die Aufgaben einzufinden."

Und Aufgaben hatte Müller das ganze Jahr über genug. "Mir war keine Sekunde langweilig", erzählt sie lachend. Direkt morgens in der ersten Stunde geht es jeden Morgen los. Da ist Müller zur Unterstützung des Lehrers in der ersten und zweiten Klasse eingeteilt und übernimmt dabei immer wieder andere Aufgaben. "Ich habe auch mal Teile der Klasse übernommen", erzählt sie. Wenn Schüler nicht immer alles auf Anhieb verstanden habe, sei sie oftmals mit einer kleinen Gruppe separat noch einmal den Stoff durchgegangen.

Mittags war Müller täglich beim Kochunterricht dabei und hat anschließend während des Mittagessens die Aufsicht übernommen. Nachmittags standen dann AGs und soziale Gruppen auf dem Tagesplan. Besonders die Boulder-AG, das Klettern in Absprunghöhe, hatte es Müller dabei angetan. "Vor meinem FSJ hatte ich das Bouldern noch nicht ausprobiert." Aber es mache riesig Spaß, sagt die 18-Jährige.

Doch nicht nur Sportangebote betreut Müller mit. "Wir haben auch viele andere AGs", erzählt Straub. Werk-AG, Zirkus-AG oder Imker-AG stehen neben vielen anderen auf dem Wochenplan. "Da kann sich jeder nach seinen Interessen einbringen. Auch der FSJler", sagt Straub.

Insgesamt sei der FSJler in verschiedene Aufgabenbereiche eingebunden. 50 Prozent mache die Unterrichtsbetreuung aus, 20 Prozent der Kochunterricht zur Mittagszeit. Weitere 20 Prozent seien für den Nachmittagsbereich eingeplant. "Und 10 Prozent hilft man dem Hausmeister am Freitagnachmittag", fasst Straub die Tätigkeiten zusammen.

Neben der praktischen Tätigkeit an der Schule bietet das FSJ auch noch 25 Bildungstage in Form von Seminarwochen und Einzeltagen. "Da lernt man viel über die Rechte und Pflichten im FSJ, aber immer auf den Bedarf am Einsatzort zugeschnitten", erzählt Müller. Der Austausch mit den anderen Freiwilligen habe ihr dabei besonders viel Spaß gemacht. Das verantwortliche Wohlfahrtwerk organisiere auch sogenannte Tandem-Tage, an denen sich die FSJler gegenseitig besuchen und in andere Einsatzstellen hinschnuppern können.

Während des Freiwilligen Jahres bekommen die FSJler zudem ein Taschengeld. Fahrtkosten und Essensgeld werden auch erstattet. "Aber für das Geld macht man es ja nicht", sagt Müller. Besonders wertvoll sei für sie gewesen, dass sie lernen musste sich als Lehrperson auch von den Schülern abzugrenzen. Die ältesten Schüler seien ja gerade einmal zwei Jahre jünger als die 18-Jährige selbst. Müller jedenfalls hat es an der Roßbergschule so gut gefallen, dass sie sich auch in Zukunft an einer Schule sieht. Für die Zeit nach ihrem FSJ hat sie sich für ein Studium der Sonderpädagogik beworben.

Schulleiter Straub hofft nun, dass sich für das kommende Schuljahr noch ein Interessent für die freie Stelle findet. "Schnellentschlossene können auch gerne noch in den kommenden Tagen bis zum Schuljahresende vorbeischauen, und sich selbst ein Bild vom Schulbetrieb machen", sagt Straub.

Weitere Informationen: Interessierte können sich auf der Homepage unter www.rossbergschule-horb.de weiter über die Schule informieren. Auskünfte gibt es bei Schulleiter Joachim Straub unter Email schulleitung@rossbergschule-horb.de und Telefon 07451/5 370 80. Straub nimmt auch die Bewerbungen entgegen.