Horb a. N.

Kinderlachen und die Digital-Premiere

von Jürgen Lück

Das Maskottchen "vgfle" traut seinen Ohren nicht: Da sollen die Kids zur Entspannung Tischtennisbälle in Becher werfen, doch die Grundschüler sind ganz schön auf Zack. Einer ruft: "Super. Wir spielen Bier-Pong". Doch Alkohol gibt es natürlich nicht. Dafür andere "berauschende Neuigkeiten".

Horb. Die 183 Kinder wuseln mit orangenen Westen überall zwischen Bahnhof, Vorplatz und dem Projektraum 42 herum. Fröhlich wird die 54 Jahre alte Diesellok hochgestiegen, die AVG-Regionalstadtbahn erobert oder mit Feuereifer die Fahrpläne studiert und der Fahrpreis nach Konstanz (einfach, ohne Rückfahrt) mit Hilfe des Tablets oder des Fahrkartenautomaten errechnet.

Für Horbs Verkehrsplanerinnen Nina Ledermann und Lidia Melito eine Premiere. Und sie haben gleich doppelt lachen: Denn oben über dem "Pong"- Spiel ist die Echtzeitanzeige für die Bahnanschlüsse endlich aktiv. Ledermann: "Die haben heute morgen hier schon fleißig montiert. Es ist natürlich toll, dass jetzt die Fahrgäste gleich vom ZOB aus sehen können, in wie viel Minuten der nächste Zug wohin abfährt."

Das Rathaus hatte die 100 000 Euro teure Anlage im Juni installieren lassen. Damals verkündete Stadtsprecher Christian Volk noch, dass es unklar sei, ob die Ankunftszeit der Busse wirklich in Echtzeit angezeigt werden kann. Doch vgf-Chef Frank Schweizer hatte vor gut einer Woche zugesichert, dass sein Verkehrsverbund nur einen Adapter anschaffen müsse, damit die seit anderthalb Jahren gelieferten Echtzeitdaten in das System eingespeist werden können (wir berichteten). Das ist laut Stadtsprecher Christian Volk noch nicht passiert. Volk: "Die Abfahrtszeiten der Bahn können hierbei bereits in Echtzeit abgebildet werden. Die Zeiten der Busse sollen ebenfalls noch in Echtzeit folgen, sobald alle Busunternehmen ihr System umgerüstet haben und die Daten entsprechend zur Verfügung stellen." Das System hat 100 000 Euro gekostet. 50 Prozent davon zahlt das Land.

Vor dieser Anzeigetafel steht Norman Weiß, Disponent von Schweizer. Sicherheitstraining für die Schüler, und auch das Maskottchen steigt mit ein. Noch winken die Kinder fröhlich. Dann fährt der Bus an und macht vor dem Einkaufszentrum eine Vollbremsung. Weiß: "Wir fahren dort höchstens zehn bis 15 km/h. Doch die Vollbremsung ist wirklich eindrücklich für die Kinder, weil sie so hautnah mitkriegen, was passieren kann, wenn man sich nicht ordentlich festhält. Man merkt, dass davon etwas hängen bleibt. Nach dem Nahverkehrstag geht es in den Bussen deutlich gesitteter zu."

11.05 Uhr, Gleis 2. Drei Kinder stehen vor dem historischen Triebwagen. Einer pfeift, der andere hebt die Kelle. Abfahrt für eine 45-minütige Tour. Ebru Mutlu von der Nahverkehrsgesellschaft Baden Württemberg: "Bei dieser Fahrt wollen wir den Kindern zeigen, was alles hinter dem Nahverkehr steht. Wir erklären die Lok, die Triebzüge und auch, was die Signale bedeuten. So wollen wir den Kindern zeigen, dass man nicht nur mit dem Auto von A nach B kommen kann, sondern auch mit dem Nahverkehr."

Und wie man sieht, sind alle Kinder mit vollem Eifer dabei. Egal, ob beim Fahrplanstudium in Papierform, am Automaten oder auf dem Tablet. Doch wer beim Entspannungsteil als Grundschüler frech "Bier Pong" sagt, der fällt natürlich der (Bahn-) Bundespolizei auf. Da heißt es erst mal unter der neuen Echtzeit-Anzeige: Rein in den Polizeibus, Fingerabdrücke abgeben. Eine Polizistin lächelt: "Das ist natürlich nur für den eigenen Fingerabdruck-Pass. Damit wollen wir den Kindern einen Einblick in unsere Arbeit geben!"

Malte darf dann im Polizeiwagen sitzen, die Kelle in die Hand nehmen. Seine Schulkameradin darf die Lautsprecherdurchsage machen. Und eine Kollegin lässt die Kinder den Schlagstock in die Hand nehmen: "Wenn man sich mal verteidigen muss."

Interessante Einblicke also rund um Bus und Bahn. Und das gibt es wohl nur in Horb. Ebru Mutlu von der Landesnahverkehrsgesellschaft: "Aus anderen Gemeinden im Ländle kennen wir keinen solchen Nahverkehrstag. Uns macht das auch mal Spaß, rauszukommen und den Kindern den Nahverkehr nahe zu bringen!"

Da kann Horb also nicht nur auf die neue, endlich funktionierende Echtzeitanzeige der Zugankunft stolz sein. Sondern auch auf den Nahverkehrstag.