Horb a. N.

Ihlinger surfen auf dem Minimum

von Lena Straub

Rund die Hälfte der Ihlinger wartet immer noch auf das digitale Zeitalter. Eine Grundsatzentscheidung des Innenministeriums in Baden-Württemberg könnte das ändern, denn die Telekom blockiert weiter den Breitbandausbau.

Horb-Ihlingen. Die eine Hälfte der Ihlinger surft ohne Probleme durchs Internet, die andere Hälfte – im Oberdorf – ist praktisch noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Grund dafür ist, dass die Telekom aus "wirtschaftlichen Gründen" den Verteilerkasten (KVZ) in der Toggenburgstraße nicht betreiben will, wie bei einer Werbeveranstaltung des Unternehmens im vergangenen Jahr deutlich wurde. Die Stadt Horb hatte sich der Situation in Ihlingen annehmen und den Breitbandausbau angehen wollen, so wie sie das in vielen anderen Ortschaften bereits erfolgreich erledigt hat. Doch die Telekom lässt die Stadt nicht an ihren KVZ.

Damit gab sich Eckhardt Huber, Chef der Horber Stadtwerke, nicht zufrieden. Er versuchte ein Verfahren bei der Bundesnetzagentur einzuleiten. Auf Anfrage unserer Zeitung teilt ein Stadtsprecher dazu mit: "Sowohl von Seiten der Stadt als auch von Seiten des Anbieters, der den DSLAM (für den Betrieb von DSL benötigte Infrastruktur) in Ihlingen neben den KVZ in der Toggenburgstraße betreiben würde, wurde die Bundesnetzagentur (BNetzA) angeschrieben, um die Freigabe des Zugangs für diesen KVZ bei der Telekom durchzusetzen, nachdem die Telekom den Antrag auf Zugang abgelehnt hatte."

Doch der gemeinsame Antrag wurde von der Bundesnetzagentur abgelehnt. Daraufhin habe die Stadt bei der Schiedsstelle angerufen, von der ebenfalls eine Ablehnung erteilt wurde. Weiter heißt es von der Stadt: "Da es nach Auskunft des Innenministeriums in Baden-Württemberg noch weitere vergleichbare Fälle gibt, soll nun versucht werden, die Angelegenheit grundsätzlich über das Innenministerium zu klären und von dort aus nochmals auf die BNetzA zugegangen werden, um hier einen Zugang zu erreichen." Das heißt, eine Grundsatzentscheidung müsste her, damit geklärt wird, wie es in Ortschaften wie Ihlingen weitergehen soll, wenn der Telekom ein Ausbau "nicht lukrativ genug erscheint", wie es Ihlingens Ortsvorsteher Hans-Albrecht Dietz in der jüngsten Sitzung am Mittwoch formulierte.

Die Situation sorge in Ihlingen insbesondere zu Beschwerden bei den Anliegern, bei denen eine Breitbandversorgung mit 50 MBit/s nicht erreicht werde, so der Stadtsprecher. Eine Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 MBit/s für alle Bürger zu schaffen, ist das Ziel der Bundesregierung für alle Bürger bis 2018. Für die Hälfte aller Ihlinger wird dieses Ziel nicht erreicht. Bürger im Oberdorf hätten Ortsvorsteher Dietz informiert, dass sie abends teilweise nicht mal 1 MBit/s zur Verfügung hätten. Selbst das Versenden von E-Mails mit Anhang sei für sie so nicht möglich.

Dietz hatte das Aufreger-Thema im Ortschaftsrat Ihlingen noch einmal angesprochen, um auch die Räte über den neuesten Stand der Dinge aufzuklären. "Es ist schon ein Unding, dass die Stadt den Ausbau übernehmen muss, den eigentlich die Telekom zu leisten hat. Mir fehlen sämtliche Worte, wenn es um dieses Thema geht", so Dietz abschließend.