Horb a. N.

Hier steht Horbs erste Lern-Fabrik 4.0

von Jürgen Lück

Darauf haben Schüler, Eltern und Großeltern wohl sehnlichst gewartet: Gestern gab es einen Informationstag ohne Hindernisse in der Berufsschule Horb.

Horb. Rektor Joachim Lindner: "Die letzten beiden Jahre ist der Info-Tag wegen Wetterwarnungen ausgefallen. Deshalb sind wir froh, dass er dieses Jahr ohne Störungen stattfindet. Ich habe auch das Gefühl, dass mehr los ist als das letzte Mal vor drei Jahren."

Der gute Besuch in den Klassen, Laboren und der Küche zur Koch-Show zwischen den Gruppen "Brathähnchen" und "Spaghetti" – er ist extrem wichtig für die Berufsschule Horb. Lindner: "Das Statistische Landesamt geht von sinkenden Schülerzahlen in Baden-Württemberg aus. Diesmal haben uns die Statistiker versprochen, dass die Tendenz stimmt. Wir haben evaluiert, warum unsere Schüler sich für unsere Berufsschule entschieden haben. 70 bis 80 Prozent kommen durch die Empfehlung ihrer Freunde. Und klar –­ die nutzen natürlich auch den Schnuppertag, um unsere Schule kennenzulernen." Und gute Schülerzahlen sind wichtig für Lindner. In den letzten acht Jahren, so der Rektor, hatte die Berufsschule Horb zwischen 830 und 860 Schülern im Durchschnitt. Lindner: "Ich hoffe, dass wir wieder 850 Schüler zum Schuljahreswechsel haben. Es können aber auch nur 810 Schüler sein."

Lindner hat zwei Sorgenkinder

Lindner hat zwei Sorgenkinder: Sorgenkind 1: der Fachbereich Automatisierungstechnik. Lindner: "Die regionale Schulentwicklung durch das Regierungspräsidium. Es ist schwer, Klassen unter 16 Schülern zu bilden. Das Problem ist aber: Der Landkreis Freudenstadt mit Firmen wie Arburg, Lauffer oder Schmalz ist von Unternehmen geprägt, die Techniker brauchen. In den Unternehmen selbst ist die Auftragslage so gut, dass sie selbst keine Kapazität haben, ihre Facharbeiter zur Ausbildung als Techniker oder Meister sozusagen freizustellen. Wir wollen diesen Unternehmen weiterhin die Techniker der Zukunft liefern."

Sorgenkind Nummer 2: Der Schülerruf der Umwelttechnik am technischen Gymnasium der Berufsschule. Lindner: "Dieser Schulzweig hat den Ruf, schwer zu sein. Allerdings: Die Schüler, die ihn belegen, haben bessere Notenschnitte als beispielsweise die im Produktdesign. Dabei bekommt man im Schulzweig Umwelttechnik die Grundlagen von Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Chemie und anderem vermittelt. Wer nach dem Abitur in die technische Richtung gehen will, hat es damit entscheidend leichter!"

Doch die Berufsschule Horb hat diesen Trends was entgegenzusetzen.

Gestern gab es in der ehemaligen Kfz-Werkstatt die Premiere der "Fabrik 4.0". Lindner stolz: "Bisher waren die einzelnen Elemente nur in den jeweiligen Klassenzimmern. Heute arbeiten alle zum ersten Mal zusammen."

Rechts die Planer und Entwerfer: Sie machen mit CAD und Co. die Teile. Diese Teile werden an den beiden Maschinen dahinter gleich gestanzt, gepresst und geformt. Von den Zerspanungsmechaniker. Schräg gegenüber ist die Montage der "Fidget-Spinner." Daneben sitzen die Produktionsdesigner und machen die Verpackung. Mit 3-D-Drucker und Laser-Cutter.

Lehrer Ralf Brakopp: "Damit können wir hier komplett die Vorgänge der Industrie 4.0 abbilden. Dabei geht es darum, individuelle Werkstücke in kleinster Stückzahl in hoher Qualität für die Kunden zu fertigen. Die Bestellungen der Kunden kommen zu den Planern und Entwicklern. Die Produktdesigner können parallel gleich die geforderten Verpackungen fertig stellen. In den Maschinen werden die Teile hergestellt und gegenüber montiert. Im nächsten Jahr kommt noch ein automatisiertes Materiallager dazu, mit dem die Teile dann automatisch per Förderband an die richtigen Stelle zugeteilt werden. So können wir den kompletten Prozess digitalisieren und unseren Schülern vermitteln!"

Rektor Lindner: "Wir sind die erste Berufsschule im Kreis, die genau diesen Prozess der Industrie 4.0 abbilden: in unserer Fertigungsstätte. Es gibt auch fertige Systeme, die man kaufen kann. Doch die kosten 1,5 Millionen Euro und fertigen nur ein Produkt wie Handyschalen. Unser System hat ein Drittel gekostet. Und weil wir unsere eigenen Maschinen benutzen, sind wir hier in den Produkten flexibel."

Das ist wichtig auch für die Firmen im Landkreis. Lindner: "Die sind bei uns im Lernort organisiert. Wenn die sagen: Wir hätten gerne ein spezielles Produkt, an dem unsere Auszubildenden den Prozess lernen sollen, können wir das anpassen!"