Horb a. N.

Haugenstein-Frieden ist zum Greifen nah

von Jürgen Lück

Horb - Bei der Versammlung der Haugenstein-Eigentümer im geplanten Restaurant neben dem Favorit-Lebensmittelmarkt wurde deutlich: Der Vertrag der Stadtwerke wird wohl akzeptiert.

Yasha Yilmaz verwaltet das Gebäude Nummer 33. Der Eigentümer: "In meinen Augen ist das die beste Lösung. Es ist der einzige Weg, um aus dem Vertrag mit Osbelt rauszukommen. Und wir haben die Ansprechpartner vor Ort."

Der neue Wärmeliefervertrag von den Stadtwerken. Jeder Eigentümer soll ihn unterschrieben bis zum 27. März zurückschicken. Am 28. März will OB Peter Rosenberger das Konzept im Gemeinderat vorstellen. Dann will die Stadt das Heizkraftwerk kaufen.

So sieht der neue Vertrag aus: Der Grundpreis pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr sinkt von 15,31 Euro netto auf 11 Euro netto. Der Preis für die Heizkosten pro Kilowattstunden steigt allerdings um 21 Prozent gegenüber dem Osbelt-Vertrag – von 4,77 Cent auf 5,8 Cent.

Trotzdem, so rechnen die Stadtwerke in einem Schreiben an alle Eigentümer vor, sinkt die jährliche Gesamtbelastung pro Gebäude mit vier Wohnungen um 1465 Euro netto. Brutto sind das 1743 Euro.

Dazu kommt noch die Zählergebühr von 4,49 Euro netto im Monat. Dazu wird die Übergabetechnik pro Gebäude neu gemacht. Bei diesen Kosten in Höhe von 8000 Euro übernehmen die Stadtwerke 2000 Euro, die Eigentümergemeinschaft 6000 Euro. Wer das nicht wünscht, der zahlt einen höheren Grundpreis: Statt 11 Euro sind dann 15 Euro netto fällig.

Die Stadtwerke wollen insgesamt 750 000 Euro – ohne den Kaufpreis für das Heizkraft von Andreas Osbelt – investieren. 650 000 Euro für die komplette Erneuerung des Fernwärme-Rohrnetzes. Das soll 15 Prozent Energieverlust sparen. Für 100 000 Euro soll ein Blockheizkraftwerk eingebaut werden damit auf dem Haugenstein auch Strom erzeugt werden kann.

Wer von den Haugenstein-Eigentümern den Strom dann auch von den Stadtwerken bezieht, bekommt noch einmal zehn Prozent Rabatt auf den Grundpreis. Der ist aber gering -– er beträgt bei einem Eintarifzähler 33 Euro netto. Heißt: Drei Euro gespart.

Ist der neue Wärmeliefervertrag billiger als die alten Konditionen? Alexander Gette ist Hausverwalter auf dem Haugenstein. Er sagt: "Wir haben die Anlage, die die Stadt bei den anderen Gebäuden einbauen will, schon mit der Eigentümergemeinschaft in Haus fünf im November umgesetzt. Das Ergebnis: Obwohl die Heizperiode demnächst zu Ende geht, ist der Verbrauch um gut 25 Prozent gesunken."

Er erklärt auch, was die neue Anlage macht. Gette: "Im alten System wurde die Fernwärme mit 90 Grad Vorlauftemperatur durch die Häuser eins zu eins durchgeleitet. Durch das neue System wird geprüft, wie hoch die Temperatur im Heizkreislauf ist. Wenn sie unter auf beispielsweise 57 Grad Vorlauftemperatur sinkt, dann werden quasi die drei fehlenden Grad aus der Fernwärme von außen nachgeheizt."

Die Stadtwerke wollen zusätzlich noch durch die neuen, isolierten Fernwärmeleitungen schon vor dem Haus 15 Prozent sparen. Im alten System – so die Energiebilanz der Stadtwerke in der Präsentation für die Eigentümerversammlung – hat es einen absoluten Netz- und Systemverlust von 1,45 Millionen Kilowattstunden gegeben. Das sind 43 Prozent! Auch gut: Der Fernwärmevertrag hat lediglich eine Laufzeit von zehn Jahren – Osbelt hatte 20 Jahre Vertragslaufzeit.

Insofern hängt die Skepsis der Eigentümer über die neuen Verträge von den Stadtwerken nur noch an Details. Einer wollte wissen, ob unbedingt gleich die teure Neuverlegung der Rohre sein muss. Der Eigentümer: "Ich hätte dafür lieber einen geringeren Grundpreis." Argumentation: Wenn die 650 000 Euro für die neue Leitungen wegfallen, kann auch der Preis sinken.

Ein Argument, was bei der Mehrzahl der anwesenden Eigentümer nicht gut ankam. Eigentümerin Claudia Endres: "Was ist, wenn die Leitungen in dieser Zeit kaputt gehen? Dann müssen die Eigentümer bestimmt dafür zahlen. Ich denke, man sollte gleich alles neu machen."

Zweiter großer Diskussionspunkt: Was ist im Vertrag mit enthalten? Endres schreib die Fragen auf, die die Eigentümer noch beantwortet haben wollen: "Sind in der Umrüstung der Häuser mit Übergabestationen auch die Wärmemengenzähler mit drin?" Frage zwei: "Wie ist der Grundpreis, wenn die Häuser ein Zweirohr-System haben?"

Haugenstein-Sprecher Thielmann brachte noch ein weiteres Angebot der Stadt in die Diskussion ein: "Das Rathaus hat auch angeboten, die Hausverwaltung insgesamt zu übernehmen. Was denkt Ihr darüber?" Yilmaz beispielsweise antwortete: "Ich mache die Hausverwaltung selbst." Ein anderer schlug vor: "Das kann doch Alexander Gette machen." Thielmann: "Diese Entscheidung sollte also auf später verschoben werden." Der Haugenstein-Sprecher sagte zu, die offenen Fragen mit Stadtwerke-Chef Eckhardt Huber zu klären.

Eigentümer Yilmaz bilanzierte: "Ich glaube, schlechter als unter Osbelt kann es nicht werden. Die Stadt muss nicht einsteigen – sie ist als Retter da."

Seite 2: Die wichtigsten Details des Stadtwerke-Angebots

Die Stadtwerke wollen die Fernwärme-Versorgung auf dem Haugenstein vom bisherigen Besitzer Andreas Osbelt kaufen. Vorbedingung: Die Eigentümer unterzeichnen die neuen Versorgungsverträge.

Hier die wichtigsten Details des Angebots:

Laufzeit

Der Wärmeliefervertrag läuft über 10 Jahre. Kündigungsfrist: Neun Monate vor Ablauf.

Grundpreise

Wenn die Wohnungseigentümergemeinschaft die neue Hausübergabeanlage selbst bezahlt, sind 6000 Euro fällig. 2000 Euro ist Zuschuss von den Stadtwerken. Dann beträgt der Grundpreis netto je Quadratmeter Wohnfläche 11 Euro. Mit Mehrwertsteuer 13,09 Euro. Laut der Beispielrechnung der Stadt aus dem Jahr 2015 lagen die Gesamtkosten für ein Gebäude mit vier Wohnung bei 10437 Euro brutto. Nach der Umrüstung können die Eigentümer insgesamt 1743 Euro aufgrund dieser Daten sparen. Pro Wohnung (vier pro Gebäude) belaufen sich die Heizkosten dann auf 181 Euro pro Monat. Osbelt verlangt derzeit 229 Euro pauschal pro Monat. Gespart unter dem Strich im Monat: 48 Euro. Im Jahr: 576 Euro. Wer als Eigentümer nicht investiert, zahlt einen Grundpreis von 17,85 Euro brutto pro Quadratmeter und Jahr. Hier ergeben sich dann – nach dem Rechenmodell der Stadtwerke – monatliche Kosten von 217 Euro. Macht eine Ersparnis von 12 Euro monatlich oder 144 Euro jährlich.

Stadtwerke-Chef Eckhardt Huber hatte bei der Eigentümerversammlung gesagt, dass man durch die neue Übergabestation auch die Möglichkeit hat, durch Nachtabsenkung und bessere Regelungsmöglichkeiten individuell weiter sparen kann.

Hydranten

Die Feuerwehr hatte festgestellt, dass die Hydranten bis auf einen auf dem Hohenberg nicht funktionieren. Die müssen für 3500 Euro pro Stück erneuert werden. Wenn die Stadt das übernimmt, wäre eine einmalige Ablöse in Höhe von 850 Euro pro Gebäude fällig. Hausanschlüsse Im letzten Jahr hat es schon Rohrbrüche auch bei der Kaltwasserversorgung gegeben. Hier bieten die Stadtwerke an, die Hausanschlüsse mit den Fernwärmeleitungen gleich zu erneuen. Kosten: 150 Euro pro Meter zwischen Abzweig Hauptleitung und Gebäudeaußenkante.