Horb a. N.

Haben wir die Schwäne vertrieben?

von Jürgen Lück

Horb - Rätselraten um das Schwanenglück am Neckar: Wo sind die Schwaneneltern und ihre neun Küken ?

Das neue Schwanenglück. Am Sonntag schien es noch perfekt zu sein. Da sah man alle neun Küken und ihre Eltern friedlich auf dem Neckar schwimmen.

Leser des Schwarzwälder zeigten große Begeisterung. Eine Leserin fragte sogar, ob man die Vögel vor Überschwemmungen schützen könne. Rund um das Nest bildete sich täglich eine Traube von Neugierigen, um die süßen Küken zu beobachten. Gestern, kurz vor 17 Uhr. Das Nest, in dem letzten Donnerstag das letzte Küken geschlüpft ist, ist vollkommen leer. Zwar ist noch das rote Flatterband da, doch die Tafeln liegen zerbrochen an der Brücke.

Haben wir Menschen das Schwanenglück zerstört?

Schwabo-Leser Jörg Buschak: "Ich habe jeden Tag nach Feierabend die Schwanenfamilie beobachtet. Am Donnerstag habe ich das letzte, neunte Küken gesehen." Lilo Fradella, Pächter des Kiosk am Alten Freibad: "Die Leute fragen mich seit mehreren Tagen, wo die Schwäne sind. Dann kommen sie zurück und erzählen, dass das Nest leer ist. Ich habe die Schwanenfamilie seit Tagen nicht mehr gesehen."

An sich nichts Ungewöhnliches. Vielleicht war die Familie zwischendurch einfach mal auf "Badeausflug" neckar­aufwärts – denn immerhin war sie ja am Sonntag ja wieder da.

Was nun? Sind die Schwände jetzt endgültig fort? Lambert Straub ist Vorsitzender des Nabu Horb. Er sagt: "Es gibt dafür mehrere Erklärungen. Möglicherweise ist die Schwanenfamilie auf dem Neckar einfach unterwegs. Das wäre normal. Am Muttertag war am Alten Freibad jede Menge los: Stocherkahn-Fahrten, Brunch und Konzert. Vielleicht hat der Lärm die Vögel vertrieben."

Buschak vermutet etwas Ähnliches: "Zwar war die Stelle mit dem Schwanennest mit Warnhinweisen versehen, dass man die Vögel nicht stören soll. Aber da war immer jede Menge los. Vielleicht haben die Vögel dann einfach das Weite gesucht."

Der Schwarzwälder Bote hatte mehrfach über das Schwanenglück berichtet. Auch Radioreporter Bertram Schwarz von SWR 4 war vor Ort, um über das seltene Schwanenglück in Horb zu berichten. Naturschutzexperte Volkmar Rieber hatte gesagt: "Hoffentlich klappt es endlich dieses Jahr."

Denn: Erst zur Gartenschau im Jahr 2011 hat sich das erste Schwanenpaar in Horb am Neckar niedergelassen. Damals stürzten vier Junge das Wehr hinunter, nur eines konnte gerettet werden. Drei Jahre später dasselbe Drama. Im letzten Jahr gab es dann den Umsiedlungsversuch eines selbst ernannten Naturschützers. Er hatte das Nest auf die andere Fluss-Seite verlegt. Seine Erklärung damals: Die Schwäne sollten vor dem Hochwasser geschützt werden. Die verwirrten Eltern blieben damals auf der gewohnten Seite zurück.

Schwabo-Leser Buschak erinnert sich: "Das war wirklich ein Drama. Ich habe gesehen, wie die Eier verfault und ausgetrocknet am Ufer lagen. Ich hoffe, dass die Schwanenfamilie diesmal mehr Glück hat und vielleicht nur umgezogen sind."

Vielleicht weisen die zerbrochenen Warntafeln auch darauf hin, dass Vandalen die Tiere vertrieben haben. Das wäre natürlich das Schlimmste. Schneller Anruf bei der Polizei in Horb: Gibt es eine Anzeige? Haben die Beamten schon nach den Schwänen gefahndet? Oder nach möglichen Nestzerstörern? Die Anwort: "Nein. Uns ist nichts bekannt. Uns liegt keine Anzeige vor."

Immerhin: Der türkischstämmige Schwanen-"Pate" hat sie wohl aufgetrieben. Er sagt: "Ich bin mit dem Fahrrad Richtung Ihlingen gefahren. Sie haben sich dort niedergelassen. Erst abends kommen sie wieder ins Nest. Morgens verschwinden sie dann wieder."

Aber sind das wirklich die Horber Schwäne? Was haben Sie beobachtet, liebe Leserinnen und Leser? Rufen Sie uns an: Telefon 07451/90 03 26 oder schreiben Sie uns eine Mail: redaktionhorb@schwarzwaelder-bote.de