Horb a. N.

Geiler Bock, Stroh und Handy-Frust

von Jürgen Lück

Ho rb. Die bunten Porträts der Kopow-Bracke (eine Hunderasse) von Anneliese Hermes hängen neben den Farbexplosionen von Wolfgang Hehl. Der grinst: "Ich bin zwar eher ein Katzen-Typ, aber farblich passen die Bilder perfekt zusammen!"

Maler Udo Braitsch ist als einer der Ersten fertig mit der Hängung. Berät noch die anderen sechs Kollegen. Er sagt: "Bei der Vernissage am Sonntag darf ich sprechen. Ich habe schon das Buch ›Künstler beschimpfen Künstler‹ aus dem 2001-Verlag herausgesucht. Da find’ ich bestimmt was Passendes."

Das verspricht einen stimmungsvollen Auftakt für die Herbstausstellung zum 25. Jubiläum des Kunstvereins Oberer Neckar.

Und so stimmungsvoll wirken auch jetzt schon die Werke während der Platzierung im Kloster.

Smartphone-Frust von Martina Hehl, Glas-Zaubereien von Margrit Seeger, Geile Böcke und Hirsche von Anneliese Hermes, Stroh-Kunst von Stoppelfeldern aus Talheim von Kathleen Kilchenmann, Stahltürme von Jürgen Knubben, Farbrausch von Wolfgang Hehl und die faszinierenden Stillleben von Braitsch.

Ein Mix, der für jeden was dabei hat. Beispielsweise der "Smartphone Frust". Heißt eigentlich "Zweisam/Einsam" und ist eine Skulptur von Martina Hehl. Die Künstlerin: "Nachdem meine Skulpturen bisher die Innenschau gemacht haben, geht es jetzt um Kommunikation." So schauen die beiden großen Büsten im Flur die Besucher an. Und bei der Smartphone-Skulptur schaut er auf das Handy, während sie den Besucher mit leerem, traurigem Blick auf die Knie schaut. Daneben liegen Drucke auf dem Boden. Anneliese Hermes: "Ich verkaufe die "tollen Hirsche" für 50 Euro. In einer limitierten Auflage von 50 Stück." Die Drucke und die Bilder an der Wand: Flott, explosiv, dynamisch. Wie auch der "Geile Bock". Hermes: "Der Ausdruck ist bei den Jägern ein No-Go. Aber ich finde, das passt."

Nebenan checkt Margrit Seeger ihre gläsernen Menschen in Kreuzform. Seeger: "Kreuze –­ das mag ich eigentlich gar nicht. Dann muss man zu Menschen eigentlich Kreuze sagen –­ Kopf und Körper sehen so aus." Doch ihre Werke verzaubern nicht nur so groß, sondern auch in Klein. In den Fenstern sorgen flügelartige durchscheinende Objekte für "Jede Menge Gesprächsstoff", so ein Titel.

Daneben wird es dann erdig. Kathleen Kilchenmann hat rote Erde aus Italien mit Stroh von Talheimer Stoppelfeldern kombiniert. Dazu geometrische Strukturen wie die Felder von oben. Grandios auch: Das "Grundwasser"-Bild. Oben Meer, darunter Maulbeerrinde und weiter unten sickern rote Flüssigkeits-Rinnsaale in die gelbe Grundwasserschicht.

Nur auf den ersten Blick düster wirken die Stillleben von Udo Braitsch. Spiegelwand, Kristalle und das Eintauchen in das Licht und die Reflexion – sie machen die Werke zum doppelten Hingucker und spiegelt die meditative Versenkung des Malers in die Analyse des Gesehenen wieder. Braitsch: "Ich habe die Gegenstände genau im Auge. Dazu höre ich Musik von Bruckner –­ für die Atmosphäre im Bild. Dabei fasziniert mich die Lauterkeit der Musik –­ ich muss bei den Bildern bei der Wahrheit bleiben."

Alle sind da bei der Hängung – nur der Rottweiler Bildhauer Jürgen Knubben nicht. Wolfgang Hehl lacht beim Gruppenbild: "Dafür ist seine Skulptur für ihn mit auf dem Foto."

Weitere Informationen: Vernissage "Herbstausstellung". Kunstverein Oberer Neckar. Sonntag, 16. September, 11 Uhr. Ende: 21. Oktober