Horb a. N.

Für Eltern soll es mehr Mitspracherecht geben

von Jürgen Lück

Horb - Wo wird mein Kind wie lange nach den Sommerferien betreut? Diese Fragen beantwortet der Bedarfsplan für die Tagesbetreuung, der jetzt im Gemeinderat beschlossen wurde.

Die gute Nachricht gibt es von Oberbürgermeister Peter Rosenberger gleich am Anfang: Das nächste Mal können die Eltern noch mehr mitreden! Rosenberger: "Diesen Bedarfsplan haben wir aufgestellt – im Gespräch mit den freien Trägern und den Kindergarten-Leiterinnen. Das nächste Mal schalten wir noch einen Elternworkshop vor, damit wir noch genauer wissen, wo die Bedarfe sind."

Zwar werde extra das Online-Anmeldeprogramm "Little Bird" eingeführt, damit die Eltern ihre Kinder frühzeitig anmelden. Aber, so Nicole Schäfer von den Bürgerdiensten: "Die Eltern melden ihre Kinder meistens erst spät an. Wir verlassen uns deshalb nicht nur auf ›Little Bird‹, sondern sprechen mit Kita-Leiterinnen, Elternbeiräten und freien Trägern."

Doch was ändert sich zum Schuljahreswechsel?

Dießen

Im dortigen Kindergarten wird die Kleingruppe für die Ein- bis Dreijährigen weitergeführt. Mehrkosten, die schon im Haushalt eingeplant sind: 50 000 Euro.

Bittelbronn

Hier werden die verlängerten Öffnungszeiten fortgesetzt. Kosten: 28 000 Euro.

Mühringen

Dort werden fünf Plätze in altersgemischten Gruppen eingerichtet. Die Einrichtung ist derzeit nicht ausgelastet, der Bedarf an Kleinkindbetreuung steigt.

Altheim

Hier gibt es Personalabbau um 0,3 Stellen. Weil die insgesamt zwölf altersgemischten Plätze nie ausgelastet waren. Deshalb bleiben davon vier Plätze in der Ganztagesgruppe. Spart 13 500 Euro im Jahr.

Horb

Im Kindergarten St. Leonhard und Edith Stein werden zwei Ausbildungsplätze geschaffen, dazu die Haushaltshilfen im Stein-Kindergarten aufgestockt – weil mehr Kinder hier mittags essen. Die neuen Azubis kosten 27 000 Euro, die Haushaltshilfen 6500 Euro mehr. Dafür werden die beiden FSJ-Stellen gestrichen –­ spart 17 000 Euro im Jahr.

Nordstetten

Schäfer: "Hier gibt es Wartelisten bei den Ü3-Gruppen. Wir mussten schon eine Überbelegung beantragen!" Weil dazu die Öffnungszeiten (bisher maximal 7.30 bis 16 Uhr) nicht ausreichen, soll eine neue Kleingruppe für zwölf Kinder eingerichtet werden, die auch freitags nachmittags und bis 17.30 Uhr betreut werden. Wächst deshalb von 53 auf 60 Gesamtplätze. Mehrkosten: 85 000 Euro im Jahr.

Weil auch Gruppen verkleinert werden und andere Sparmaßnahmen greifen, muss die Stadt so unter dem Strich in diesem Jahr 34 000 Euro mehr ausgeben als geplant.

Das spannendste Thema für die Gemeinderäte –­ neben den Änderungen, die allgemein gelobt wurden: Wie entwickeln sich die Kosten und alles, was damit zusammenhängt?

Denn: Egal, ob freie Träger oder städtischer Kindergarten, der Staat (Land und Kommune) zahlt einen festen Betrag für das Personal. Die Elternbeiträge haben im Jahr 2015, so der Kinderbetreuungs-Bedarfsplan, lediglich 14,6 Prozent der Gesamtkosten gedeckt.

Margarete Rebholz (FD/FW): "Warum liegt die Auslastung bei der Kita-Betreuung lediglich bei 69,5 Prozent? Brauchen wird die Plätze, die übrig sind, noch auf Dauer?"

Schäfer: "Das sind die Schwierigkeiten bei der dezentralen Struktur. Derzeit haben wir 105 freie Plätze für Ü3. Dazu kommt: Die Kindergärten müssen eine Betriebserlaubnis beim Landesjugendamt haben. Nach dieser Betriebserlaubnis ergibt sich der Personalschlüssel. Deshalb sind Anpassungen hier nicht so schnell möglich. Unter dem Jahr kann man am Personal keine Änderungen vornehmen."

Joachim Milles (FD/FW): "Hier in den Unterlagen steht, dass es 234 freie Plätze gibt." Schäfer: "Das ist die Zahl zum 1. März. Die Eltern melden ihre Kinder meistens später an."

CDU-Fraktionschef Michael Kessler: "Wir haben einen Auslastungsgrad von 68 Prozent derzeit. Reicht das für den zukünftigen Bedarf?" Schäfers Antwort: "Es gibt noch Luft in den Kleinkindgruppen. Dazu kommt, dass viele Eltern ihre Kinder in der gewünschten Kita auf die Warteliste setzen lassen, anstatt in eine andere Einrichtung zu wechseln, wo Plätze frei sind. Die Zahl der U3-Kinder in der Betreuung ist jedenfalls angestiegen. Da merkt man, dass das Betreuungsgeld weggefallen ist."

Dieter Rominger-Seyrich (SPD): "Wie schwierig ist es, neues Kita-Personal für Horb zu finden?" Schäfer: "Wir konnten bisher alle freien Stellen zeitnah wieder besetzen. Wir sind gut aufgestellt –­ auch dadurch, dass die freien Träger jetzt Ausbildungsplätze schaffen."

Wie geht es jetzt weiter mit der Kinderbetreuung in Horb? Oberbürgermeister Rosenberger: "Bis auf den Anbau in Nordstetten ist die Phase der großen Investitionen in die Kitas vorbei. Wir justieren hauptsächlich im Bereich der Öffnungszeiten und den Gruppen nach. Die Dynamik der vergangenen Jahre ist deutlich abgebremst. Insgesamt zeigt sich, dass wir als Kommune gut aufgestellt sind."

Alle stimmten zu. Nur Rodolfo Panetta enthielt sich der Stimme.