Horb a. N.

Dieses Schneewittchen bezaubert

von Jürgen Lück

Diese Kinder haben es gut:Am heutigen Dienstag in der Gutermann-Grundschule dürfen die Kids die Vor-Premiere von "Schneewittchen" erleben. Dem neuen Stück von Dorothea Jakubowskis Chamäleon-Theater.

Horb-Dettingen. Swen Richter, der diesmal gleich sieben (!) Zwerge spielt, sagt in einer der letzten Proben: "Ich bin schon gespannt, wie die Kinder reagieren. Bei Hänsel und Gretel gab es die verrücktesten Reaktionen, als die Hexe die Kinder in das Häuschen lockte."

Schneewittchen – das klassische Grimm-Märchen. Die sieben Zwerge – da denken manche sicher auch an den Otto-Film. Besetzt mit bekannten Komikern wie Atze Schröder, Christian Tramitz, Helge Schneider oder Ralf Schmitz.

Doro Jakubowski: "Es gibt in unserer Fassung skurrile Elemente, um dem Stück das Schwere zu nehmen. In dem Stück, das Andreas Schnell geschrieben hat, geht es um die Urfassung des Märchens. Die böse Frau ist nicht die Schwiegermutter, sondern die Mutter. Wir interpretieren das Stück so, dass es um das Potenzial der Liebe geht. Die das Stück auch am Ende auflöst."

Die Szenen, die im Atelier des Chamäleon-Theaters in Dettingen zu sehen sind: unterhaltsam, fesselnd, ergreifend, lustig, aber nicht klamaukig.

Elisabeth Kaiser diesmal als Schneewittchen. Mit schwarzen Haaren und tollem Märchenkleid, ist sie so, wie man sich Schneewittchen vorstellt. Und mit ihrer Stimme, die diesmal ganz sanft ist, besingt sie nicht nur den Soundtrack der Bühnenmusik, sondern sorgt für märchenhafte Töne live im Schauspiel.

Beispielsweise, als sie mit dem Zwerg "Hatschi" tanzt. "Hatschi"? Klar. Schauspieler Richter hat das H auf seiner Mütze nach vorne gedreht. Daneben die anderen Anfangs-Buchstaben der sieben Zwerge. Und die Zwergenmütze von Elisabeth hat dann ein fettes "Sch" für Schneewittchen – stylish gestaltet vom Empfinger Künstler Frank Surgalla.

Genial schon die erste Probeszene. Die böse Königsmutter alias Doro Jakubowski fragt den Spiegel alias Andreas Schnell, ob sie die Schönste im Land ist. Der Spiegel macht die blauen Lichter an seiner Paillettenjacke an, sagt zum Publikum: "Was sag ich jetzt? Soll ich riskieren, dass ich gefeuert werde?"

Schock, als der Jäger (auch Swen Richter) mit dem Messer auf Schneewittchen losgeht. Schauspieler Richter scherzt: "Eigentlich wollte ich auch Schneewittchen spielen. Aber das sieht dann so aus, als ob sie kurz vor der Entbindung steht."

Ist nicht nur wegen Richters nicht ganz so weiblicher Figur gut. Denn: Die Kaiser bringt sowohl das Mädchen- und Märchenhafte von Schneewittchen rüber, so wie Richter den kurios-skurrilen und sympathischen Part der sieben Zwerge ebenso wie beim Till Eulenspiegel als Bäcker oder Priester auf den Punkt bringt.

Und Doro Jakubowski bringt sowohl das Körpergefühl der sich schön fühlenden bösen Mutter auf die Bühne. Als auch das Dämonische, als sie Schneewittchen mit einem roten Tuch in den todesähnlichen Schlaf einwickelt.

Doch warum hat sich das Chamäleon-Theater diesmal für Schneewittchen als Kinderstück entschieden? Doro Jakubowski: "Gerade heutzutage mit der Sucht nach vielen Likes und Followern in den sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook ist das Thema der inneren und äußeren Schönheit hochaktuell. Die Königin lebt das als Symbolfigur vor." Das Schneewittchen: "Echte Schönheit kommt von innen. Der Schönheitswahn der Königin ist so übermächtig wie eine Psychose."

Und Elisabeth Kaiser erzählt von der Entstehung: "Doro und ich habe mit einer ziemlich abstrakten Performance angefangen. Das Überthema war: Jedes Atom tauscht sich mit anderen aus. Wir haben ein Wechselspiel performt: Sie lässt alles Böse aus sich raus und vergiftet mich mit ihrem Atem. Dann hat sie mich mit ihrem jetzt sauberen Atem wieder belebt. Das ist fast wie Schneewittchen."

Andreas Schnell: "Wir haben dann auf der CMT 15 Minuten performt. Aus dieser Viertelstunde ist dann ein großes Schneewittchen geworden." Doro Jakubowski: "So hatten wir einen Pool, aus dem wir unsere Inszenierung mit den verschiedenen Elementen entwickelt haben."

Und die erste Szenen, die der Schwarzwälder Bote sehen und fotografieren durfte, lassen nur einen Schluss zu: Diese Aufführung ist nicht nur für Kinder sehenswert!

Weitere Informationen: Schneewittchen. Premiere am Sonntag, 22. April um 16 Uhr im Gasthaus Adler in Dettingen. Ab 14.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen.