Horb a. N.

Angst vor Bahnhofs-Pöbler sitzt noch tief

von (jl)

Horb/Rottweil - "Django" wird mit 1,2 Promille von der Polizei vom Bahnhof Horb mitgenommen und ins Landgericht nach Rottweil gebracht. Ein schweigsamer Arzt. Und eine Gaststätten-Bedienung, die nach der erneuten Begegnung mit dem "Bahnhofs-Pöbler" im Gericht zittert. In den letzten beiden Prozesstagen gegen Sascha K. am Mittwoch und Donnerstag gibt es kuriose, aber auch krasse Momente.

"Django" – Spitzname eines weiteren Mitglieds der Problem-Szene am Horber Bahnhof. Er sollte am Mittwoch um 13.30 Uhr erscheinen. Doch er ist nicht da. Eine Polizistin: "Den haben wir am Bahnhof gesehen. Sollen wir ihn holen?" Richter Münzer verhängt erst ein Ordnungsgeld gegen ihn (100 Euro oder zwei Tagessätze), dann lässt er ihn holen.

Die Polizistin steckt den Kopf in die Tür: "Wir haben 0,63 im Atemalkohol gemessen." Das sind ungefähr 1,2 Promille. Dann torkelt Django rein. Der Bahnhofspöbler soll ihm am 2. Oktober gegen 16.40 Uhr die Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Mühsam dreht "Django" (60) das Basecap vom Kopf. Er sagt: "Ich weiß gar nichts. Ich kenne keine Russen (der Angeklagte kommt aus Kasachstan, d. Red.). Wenn ich jemanden helfe am Bahnhof, tue ich das. Solchen Vollpfosten aber nicht. Bin ich jetzt Angeklagter oder Zeuge?"

Zeugin kämpft monatelang mit Trauma

Der Richter verkündet die Strafe, weil er nicht gekommen ist. Django: "Ich habe keine Kohle zum Herfahren. Ich bin ohne festen Wohnsitz, habe 13,60 Euro täglich." Der Richter weist ihn darauf hin, dass er auf Antrag eine Fahrkarte vom Gericht zugeschickt bekommt. "Django": "Das ist mir alles zu blöd. Ich laufe jetzt nach Horb."

Richter Münzer zieht sich die Robe aus und geht in die Geschäftstelle, lässt Django die Rückfahrkarte ausdrucken. Am nächsten Gerichtstag lässt der Richter das Polizeiprotokoll der Vernehmung von "Django" verlesen.

Der emotionalste Moment. Die Bedienung einer Gaststätte, die vom Bahnhofs-Pöbler angegriffen wurde, ist gerade raus aus dem Gerichtssaal. Ihre Hände zittern. Die Erinnerungen an den 23. Mai abends sind wieder ganz frisch. Damals hatte sie Sascha K. einen Stuhl weggerissen, den er sich genommen hatte. Er beschimpfte sie übelst, sie wehrte sich mit Pfefferspray (wir berichteten). Monatelang kämpfte sie danach mit dem Trauma, wie sie erzählt: "Dass ich angeklagt wurde wegen Körperverletzung, weil ich Pfefferspray eingesetzt habe, ist mir noch nie passiert. Monatelang konnte ich nicht mehr auf der Terrasse arbeiten!" In seinem Plädoyer weist Staatsanwalt Frank Grundke darauf hin, dass die Benutzung des Pfeffersprays durch die Frau uneingeschränkt dem Notfallrecht entspricht.

Der schweigsame Arzt. Er hatte den Bahnhofs-Pöbler auf Verwahrungs-Fähigkeit im Polizeirevier Horb untersucht. Am 2. Oktober soll Sascha K. in der Ausnüchterungszelle über die Sprechanlage die Polizisten als "Schlampe" und "Arschlöcher" beschimpft haben. Drei Polizisten bezeugten das vor Gericht. Nur der Arzt – auch vor Ort – sagt nichts: "Ich kann mich an nichts erinnern."

Hilfloses Kaufland: Dem Bahnhofspöbler wurde am 17. Juni 2015 ein Hausverbot erteilt. Dann verliest Richter Münzer noch ein "lebenslanges Hausverbot" des Discounters vom 29. Februar 2016. Der Marktleiter: "Er klaut bei uns regelmäßig. Deshalb gibt es jede Menge Hausverbote und Anzeigen wegen Hausfriedensbruch."