Horb a. N.

Opfer und Zeugen fehlen bei Prozess

von Helen Moser

Horb- Im Prozess wegen einer Körperverletzung in Horb ist bisher nur eine Strafe ausgesprochen worden: ein Ordnungsgeld gegen den Geschädigten, der nicht zur Verhandlung erschienen ist. Das Urteil gegen den Angeklagten soll nächste Woche fallen.

Zwei Faustschläge ins Gesicht soll der Geschädigte bei einer Auseinandersetzung im August 2018 kassiert haben, und musste sich mit einem Jochbeinbruch sowie einem Hämatom in ärztliche Behandlung begeben. In Folge dieses Vorfalls muss sich ein 21-Jähriger vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung verantworten. Doch als Richter Albrecht Trick den Geschädigten am Dienstag in den Zeugenstand rufen wollte, war dieser nicht vor Ort, um den Vorfall aus seiner Sicht zu schildern.

Von vier Zeugen waren lediglich zwei erschienen – ein Cousin und ein Kumpel des Angeklagten, die in ihrer Schilderung weitgehend mit dem übereinstimmten, was auch der Angeklagte zu berichten hatte. Ja, er gebe zu, dass er den Geschädigten zweimal ins Gesicht geschlagen habe, sagte der 21-Jährige, der momentan in Rottenburg inhaftiert ist, zu allererst. Trotzdem habe sich die ganze Sache ein bisschen anders zugetragen als der Geschädigte den Vorfall später bei der Polizei geschildert habe.

Es habe damit angefangen, dass der Geschädigte auf einen seiner Freunde losgegangen sei, ihn "auf den Boden geschmissen und runtergedrückt" habe: "Da bin ich dazwischen gegangen." Er bestreitet nicht, dass er ihn dann im Rahmen der Auseinandersetzung zweimal ins Gesicht geschlagen habe, sehr wohl aber, dass der Geschädigte in Folge der Schläge zu Boden gegangen sei. Danach hätte er keinen Kontakt mehr zu seinem Kontrahenten gehabt – und auch, dass die Faustschläge diesen ernsthaft verletzt haben, will er erst später durch die Polizei erfahren haben.

Er sagte zudem aus, dass er an dem fraglichen Abend Alkohol in Form von Wodka konsumiert habe. Und wie viel? "Ein paar Becher", aber übermäßig betrunken sei er nicht gewesen. Auch der erste Zeuge, ein 19-jähriger Freund des Angeklagten, sagte aus, dass dieser zwar betrunken, aber "nicht sturzbesoffen" gewesen sei. Und auch die Auseinandersetzung – er spricht von einer Diskussion – zwischen dem Geschädigten und einem anderen Kumpel der beiden bestätigt er. Der Angeklagte sei dann dazwischen gegangen, woraufhin ihn der Geschädigte am Kragen gepackt habe. "Im Affekt" – so habe es auf ihn gewirkt – habe der Angeklagte dann zugeschlagen. "Wie oft?", will Trick wissen. Da sei er sich nicht mehr sicher, "aber ich tendiere zu einem Schlag."

Ein 19-Jähriger aus Horb, der als zweiter Zeuge befragt wurde, ist sich hingegen sicher, dass der Angeklagte zweimal zugeschlagen hat. Davon sei der Geschädigte aber nicht zu Boden gegangen und Nasenbluten habe er auch keines beobachten können. Auch er schildert eine Auseinandersetzung zwischen dem Geschädigten und einem anderen Freund. Im Gegensatz zu den anderen sagt er aber aus, dass er zusammen mit dem Angeklagten versucht habe, den Konflikt zu schlichten. "Aber der hat immer wieder Stress angefangen." Zu den Schlägen sei es dann gekommen, weil der Geschädigte den Angeklagten gepackt habe. Später sei der Geschädigte gegangen, "und damit war eigentlich alles gegessen". Auch er habe nicht mitbekommen, dass der Geschädigte danach noch einmal versucht hätte, Kontakt aufzunehmen.

Als vierter Zeuge neben dem Geschädigten und den beiden, die erschienen sind, war außerdem jener Kumpel des Angeklagten geladen, der zuerst eine Auseinandersetzung oder Diskussion mit dem Geschädigten gehabt haben soll. Dieser ist momentan in der Jugendarrestanstalt in Rastatt inhaftiert, wo die Vorladung – das berichtete Trick – untergegangen sei. Um die beiden verbleibenden Zeugen zu hören und ein Urteil zu fällen, wird die Verhandlung am Dienstag, 19. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt. Um sicherzustellen, dass er dann auch erscheint, wird der Geschädigte zu diesem Termin von der Polizei vorgeführt. Außerdem hat Trick bereits wegen unentschuldigten Fehlens ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro verhängt.