Horb a. N.

Baustart auf dem Waldner-Areal

von Jürgen Lück

Horb - In genau einer Woche startet der Bau für eins der umstrittensten Gebäude in Horb: Am Donnerstag, 19. Juli, lädt BDP aus Stuttgart zum Spatenstich auf dem Waldner-Areal.

Knapp vier Jahre nach langen Diskussionen, Klagen und Baustopps ist es nun so weit: Die BDP mit Sitz in Stuttgart gibt jetzt den Startschuss für das 7,7 Millionen Euro-Projekt "Am Reibegäßle". Insgesamt sollen hier 36 Wohnungen entstehen: 13 Eigentumswohnungen und 23 Wohnungen für betreutes Wohnen. Ein BDP-Mitarbeiter: "Die Bauarbeiten werden zeitnah nach dem Spatenstich starten."

Das Ende einer fast unendlichen Geschichte. Das Gebäude: Vor allem bei den Anliegern von Anfang an umstritten, weil es ihnen einfach zu groß war. Fassadenlänge 40 Meter, Höhe 15,50 Meter. Das hatte auch Gerhard Munding (CDU) bei der ersten Vorstellung des geplanten Gebäudes im Herbst 2014 im Städtebau- und Sanierungsausschuss kritisiert: der Bau sei zu massiv an dieser Stelle.

Beschwerde wegen Verstoß gegen die Stadtgestaltungssatzung

Damals wurde dann Beschwerde beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingelegt – unter anderem wegen Verstoßes gegen die Stadtgestaltungssatzung. Im März 2015 verhängte das Regierungspräsidium dann einen Baustopp.

Der Gemeinderat änderte dann die Stadtgestaltungssatzung. Im März vor einem Jahr legte dann der Investor von BDP, Tochter der niederländischen Rabo-Bank, eine neue Planung vor. Damals betonte Antonius Kirsch, Niederlassung der BPD aus Stuttgart, dass ein komplett neuer Entwurf gemacht wurde. Kirsch sagte damals: "Wir haben eine neu gegliederte Fassade, die Elemente der neuen Gestaltungssatzung übernommen hat. Das Gebäude ist in der Tat einen Meter niedriger als das rechte Bestandsgebäude. Insgesamt wurde das Gebäude um 50 Zentimeter gekürzt. Die Erker wurden kleiner gemacht, das zentrale Treppenhaus um über 1,50 Meter nach unten gezogen. Die Attika-Brüstungen wurden um 30 Zentimeter gedrückt, die Attika-Höhe des Hauptdachs bleibt erhalten." Damals wurde dem neuen Entwurf bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung zugestimmt.

Eine Woche später der nächste Skandal: Beim Abriss des ehemaligen Olympia-Kinos im August 2016, den Besitzer Kurt Waldner kurzerhand angeordnet hatte, wurden offenbar Fledermäuse getötet. Der Landkreis Freudenstadt hatte Strafanzeige gestellt. Im Juni 2017 dann der Prozess vor dem Amtsgericht Horb. Richter Albert Trick schlug einen Vergleich vor: Der Abbruchunternehmer zahlt 1700 Euro an den Weißen Ring. Und übernimmt seine Anwaltskosten. Kurt Waldner wurde damit sozusagen freigesprochen.

Im November 2017 erteilte das Rathaus dann die Baugenehmigung. Die Einwände der Anlieger wurden abgewiesen. Trotzdem legte ein Anwohner Rechtsmittel ein. Christian Bok beantragte im Februar 2017 beim Verwaltungsgericht Karlsruhe, dass der Bau nicht begonnen werden darf, ehe über die Widersprüche bei der Stadt und beim Regierungspräsidium entschieden werden.

Im April wurde der Durchbruch für den Bauplanung verkündet

Im April diesen Jahres verkündet dann Horbs Baurechtsamtsleiter Wolfgang Kronenbitter den Durchbruch: "Die Baugenehmigung ist erteilt. Der Bau dürfte sofort losgehen. Der Antrag auf Aussetzung des Sofortvollzugs wurde vom Verwaltungsgericht zurückgewiesen. Die Widersprüche der Anlieger gegen das Bauvorhaben wurden – auch nach der Prüfung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe – zurückgewiesen. Baurechtlich kann mit dem Bau begonnen werden. Auch in der möglichen Widerspruchsfrist von zwei Wochen gegen diese Entscheidungen ist nichts eingegangen."

Inzwischen haben wohl auch die Anwohner resigniert, wie zu hören ist.