Horb a. N.

Augen offen halten und runter vom Gas

von Florian Ganswind

Ein Schritt auf die Fahrbahn, eine kurze Unaufmerksamkeit, eine falsche Gefahrenabschätzung: Zu Schulbeginn gibt es einige neue, kleine Verkehrsteilnehmer, die sich in einer neuen Welt erst noch zurechtfinden müssen. Nach dem Sommerferien sollten Autofahrer daher besonders aufmerksam sein.

Horb. Schulleiterin Sabine Peter, Wolfgang Kronenbitter, Fachbereichsleiter Recht und Ordnung, und Karl Müller, beim Polizeipräsidium Tuttlingen für den Kreis Freudenstadt zuständiger Verkehrserzieher, stehen vor der Gutermann-Grundschule. Ständig rollt der Verkehr an ihnen vorbei. "Das ist eine schwierige Verkehrssituation für Kinder hier", sind sich alle einig. Auch an anderen Schulen gibt es knifflige Situationen auf den Schulwegen.

Kinder sollen und wollen selbstständig und sicher mobil sein, betonen die drei beim Pressetermin. Besonders in den nächsten Tagen, nachdem die Schule wieder begonnen hat, stellt dies nicht nur die Kinder, sondern alle Verkehrsteilnehmer vor besondere Herausforderungen.

"Im vergangenen Jahr wurden bei Schulwegunfällen mehr als 600 Kinder- und Jugendliche in Baden-Württemberg verletzt", informiert Kronenbitter. Dieses Risiko sei gerade jetzt am Beginn eines neuen Schuljahres besonders hoch.

Dabei könne jeder Verkehrsteilnehmer durch rücksichtsvolles und aufmerksames Verhalten zur Sicherheit auf dem Schulweg beitragen. "Halten Sie vor allem im Umkreis von Schulen und in Wohngebieten stets die Augen offen und nehmen Sie den Fuß vom Gas, so dass Sie jederzeit bremsbereit sind." Diesen Appell richtet Wolfgang Kronenbitter zum Schulbeginn an die motorisierten Verkehrsteilnehmer und Radfahrer.

Die kleinen Verkehrsteilnehmer sind nicht in der Lage den Verkehrsraum so zu überblicken wie Erwachsene dies tun, schätzen Geschwindigkeiten noch falsch ein und verhalten sich, gerade auch in Gruppen auf dem Schulweg, manchmal unberechenbar. Rücksicht und Toleranz sind deshalb in besonderem Maß erforderlich, um gefährliche Verkehrssituationen zu entschärfen oder zu vermeiden.

Polizei und städtischer Vollzugsdienst werden zu Schuljahresbeginn im Umfeld von Schulen, an Bushaltestellen und auf dem Schulweg schwerpunktmäßig Verkehrskontrollen durchführen. Nicht nur die Geschwindigkeit, sondern neben dem Parkverhalten der "Elterntaxis" werden auch das Anlegen der Sicherheitsgurte und die Kindersicherung im Fokus der Aufmerksamkeit stehen.

Ohne Sicherung entspricht ein Aufprall mit 50 km/h einem Sturz aus dem 3. Stock auf Beton, ein Aufprall mit 15 km/h kann für das Kind bereits tödlich sein, es hat zumindest ein siebenfach höheres Risiko tödlicher oder schwerster Unfallverletzungen. Anschnallen ohne kindgerechten Kindersitz kann böse Verletzungen an Bauch oder Hals verursachen.

Immer wieder seien gefährliche Situationen zu beobachten, erzählt Kronenbitter. "Gestern habe ich gesehen, wie eine Mutter an der Gutermann-Grundschule ihr Kind zur Fahrbahnseite rausgelassen hat. Wäre das Kind zu weit auf die Straße gegangen, hätte etwas Schlimmes passieren können." Gerade die Elterntaxis bereiten an der Schule an der Kernstadt Kopfschmerzen. "Da hier sowieso nicht so viel Parkfläche existiert, wird auch beispielsweise der Bürgersteig zum Schulparkplatz stark befahren. Wenn die Kinder zum Bus wollen, rennen sie aus der Schule und registrieren das gar nicht", schildert Schulleiterin Peter. Polizist Müller ist auch Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht. Er sagt: "Erwachsene sind Vorbilder. An Ampelanlagen sollen an Schulwegen die Hinweise "Beispiel geben - bei Rot stehen – bei Grün gehen" Erwachsene daran erinnern, wie wichtig ihr eigenes vorbildliches Verhalten für die Kinder ist. Kronenbitter ist es wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmer die Verkehrssicherheitsarbeit von Polizei, Verkehrsbehörde, Schulen und Kindergärten unterstützen. "Rechnen Sie auch mit unvernünftigem Reaktionen von Kindern und verhalten Sie sich so, dass alle Kinder unbeschadet ihr Ziel erreichen", ist seine dringende Bitte.

Sabine Peter, Wolfgang Kronenbitter und Karl Müller geben noch einige Tipps für die Eltern der Schulanfänger  Eltern können durch regelmäßiges Üben die Sicherheit ihrer Kinder im Straßenverkehr verbessen, indem sie gemeinsam den Schulweg abgehen, das richtige Verhalten kommentieren und auf Gefahrenpunkte, wie Querungsstellen aber auch unübersichtlichen Ausfahrten auf Gehwegen, hinweisen.

 Man sollte immer die gleiche Strecke laufen und auch markante Orientierungspunkte mit einbeziehen.  Erst nach der Radfahrausbildung in der dritten und vierten Klasse sollten Kinder allein mit dem Rad am Straßenverkehr teilnehmen.

 Die gelben Warnwesten, die an alle Erstklässler verteilt werden, sollten unbedingt getragen werden. "Auch bei gutem Wetter sorgen die Westen dafür, dass die Kinder besser wahrgenommen werden", so Karl Müller.

 Der Verkehrserzieher schlägt auch vor, dass Eltern ihre Kinder lieber etwas länger zu Fuß auf dem Schulweg begleiten sollten. "Man merkt dann, ob das Kind sicherer wird und Gefahren besser einschätzen kann."