Horb a. N.

Anzeigetafeln bleiben vorerst außer Betrieb

von Tim Geideck

Bahn-Chaos in Horb: Eine Stellwerkstörung führte am Freitag zu Zugausfällen und Verspätungen. Dazu setzt ein Netzwerkfehler derzeit die Anzeigetafeln außer Gefecht. Und: Erst frühestens ab Montag können wieder Fahrkarten im Horber DB-Reisezentrum verkauft werden.

Horb/Eutingen. Wenn Fahrgäste den Horber Bahnhof betreten, geht der Blick meist automatisch nach rechts oben. Dort nämlich ist die zentrale Anzeigentafel installiert, die genau darüber informiert, welcher Zug an welchem Gleis abfährt und ob er pünktlich ist. Am gestrigen Freitag spuckte der blaue Kasten den ganzen Tag aber nur einen einzigen Satz aus: "Bitte Lautsprecherdurchsagen beachten!" Der Grund: Durch einen Netzwerkfehler ist die Technik ausgefallen. Auch die Anzeigetafeln an den Bahnsteigen funktionieren daher nicht mehr.

Dabei wären aktuelle Informationen gestern durchaus nützlich gewesen, denn wegen einer Stellwerkstörung in Eutingen wurde der Fahrplan kräftig durcheinandergewirbelt. Laut Angaben der Bahn fielen vier Züge aus, sechs weitere Züge hatten eine Verspätung von jeweils durchschnittlich 20 Minuten.

Betroffen von dem Netzwerkfehler ist auch das Reisezentrum im Horber Bahnhof. Ein Bahn-Sprecher bestätigt auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten: "Unsere Verkaufsmitarbeiter können zur Zeit keine Tickets aus ihrem Rechner verkaufen."

Hier hat die Bahn jedoch eine pragmatische Lösung gefunden: Die Mitarbeiter beraten Fahrgäste dennoch im Horber Reisezentrum, suchen die gewünschten Zugverbindungen per Handy oder Tablet heraus, gehen mit den Kunden anschließend zum Fahrkartenautomaten und unterstützen beim Kauf. Denn: Die Fahrkartenautomaten sind von dem Netzwerkfehler nicht betroffen.

Auch auf den Ausfall der Anzeigentafeln hat die Bahn reagiert. "Unser Fahrdienstleiter in Horb macht Durchsagen für unsere Fahrgäste, somit ist die Fahrgastinformation gewährleistet, insbesonders bei einem eventuellen Gleiswechsel von Zügen", versichert der Bahn-Sprecher.

Bis wann der Netzwerkfehler behoben ist, kann die Bahn noch nicht sagen. Fest steht aber: Am Wochenende müssen Reisende in Horb weiterhin auf die Anzeigetafeln verzichten. Der Bahn-Sprecher erklärt: "Leider können unsere Techniker die Störung an der Netzwerktechnik voraussichtlich erst im Laufe des Montags nächster Woche beheben."

Eutinger Bahn-Ärger

Inzwischen nimmt die Bahn auch Stellung zu den Beschwerden vieler Fahrgäste aus Eutingen. Dort halten die ­Züge in Richtung Stuttgart seit der Fahrplanumstellung nicht mehr stündlich, sondern nur noch alle 120 Minuten. Alternativ können Reisende die aus Karlsruhe und dem Murgtal kommende S-Bahn nutzen und dann in Bondorf umsteigen, wo die Züge in Richtung Stuttgart weiterhin stündlich halten.­ Allerdings bleiben zum Umsteigen in Bondorf nur sieben Minuten – und die Beschwerden häufen sich, dass der Anschluss oft verpasst werde, weil die S-Bahn Verspätung hat. Auch der Horber Landtagsabgeordnete Timm Kern (FDP), der sich inzwischen eingeschaltet hat, kritisiert: "Weil die S-Bahn durch das Murgtal muss, ist sie oft zu spät."

Der Bahn-Sprecher räumt nun ein: "Wenn die S-Bahn mehr als sieben Minuten Verspätung aus dem Murgtal mitbringt, wird es in Bondorf schwierig." Die Gründe für die Verspätungen der S-Bahn, die für die Fahrt von Karlsruhe nach Bondorf stolze drei Stunden benötigt, seien laut Bahn "unterschiedlich". Zugkreuzungen im Bahnhof Baiersbronn seien etwa ein Grund.

Laut dem Bahn-Sprecher seien kleinere Verspätungen der S-Bahn unproblematisch: "In der Regel fährt der Eutinger Fahrdienstleiter die verspätete S-Bahn von Eutingen bis nach Bondorf vor, macht damit dem Intercity 2, der auch als Regionalexpress unterwegs ist, eine kleine Verspätung und lässt ihn hinter der S-Bahn nach Bondorf fahren. In Bondorf können dann die Fahrgäste wie vorgesehen von der S-Bahn in den Intercity 2 umsteigen." Wenn die Verspätung der S-Bahn zu gravierend ist, sehe das jedoch anders aus: "Leider können die Intercity-2-Züge nicht unbegrenzt auf verspätete S-Bahnen aus dem Murgtal warten. In Stuttgart wären sonst die Einfahrt in den Bahnknoten und die Anschlüsse ins bundesweite Netz gefährdet."