Horb a. N.

Ahldorf: Bürgerinitiative Hau und Holzwiese bekommt Unterstützung

von Schwarzwälder Bote

Horb-Ahldorf - Holger Zimmermann, Mitinitiator des Mini-Rock-Festivals, ehemaliger FD/FW-Stadtrat und Projektentwickler, spricht sich gegen ein Gewerbegebiet auf dem Gelände Hau und Holzwiese bei Ahldorf aus.

In einem offenen Brief an die Stadtverwaltung argumentiert Zimmermann, dass er die Schutz- und Umweltziele höher bewertet als kommerzielle Ziele oder den kommerziellen Mehrwert.

Für Zimmermann ist das Areal "ein Juwel, ein Ort der Entspannung". Er schildert: "Ich kann (...) nur jeden einladen, ein paar Stunden dort zu verbringen. Der Ort steht allen Horbern offen und wird, so kann ich zumindest aus persönlicher Erfahrung berichten, auch von Horbern unterschiedlicher Stadtteile genutzt. Das macht zumindest mal nachdenklich, ob es nicht bessere Alternativen gibt, als diesen Ort für ein Gewerbegebiet zu nutzen."

Die Nähe zur Autobahn, so Zimmermann weiter, ist zwar ein gewichtiges Argument, das für die Fläche spreche. Durch die neue Hochbrücke werde jedoch das bestehende Industriegebiet Heiligenfeld deutlich besser an die Autobahn angebunden, wodurch Fahrtzeit und Wegstrecke deutlich reduziert würden. "Insofern erscheint mir die Erweiterung dieses Gebiets als erste schlüssige Wahl für weitere Industrie- und Gewerbeflächen. Die höheren Aufwände für ansiedelnde Betriebe aufgrund des Wasserschutzgebietes fallen aus meiner Sicht nicht besonders ins Gewicht, wenn man bedenkt, auf wie viele Jahre eine Ansiedlung angelegt ist. Der Wasserschutz kann heute problemlos durch technische Maßnahmen sichergestellt werden."

Eine weitere Ansiedlung von Betrieben im Heiligenfeld hätte keinerlei neue oder geänderte Auswirkung auf Wohngebiete, argumentiert Zimmermann. Die bestehenden Wohngebiete seien ausreichend weit entfernt, um etwa durch anfahrende Lkw beeinträchtigt zu werden. Damit diese Aussage in vollem Umfang gelte, müsse politisch auf die entsprechende Variante der Hohenberg-Umfahrung hingewirkt werden, die für eine Entlastung der heute schon belasteten Wohngegenden etwa auf dem Hohenberg sorgen könne.

Zimmermann: "Dieser ganzheitliche Blick für die städtische Entwicklung ist aus meiner Sicht wichtig, um eine solide Entscheidung im Sinne der Gesamtstadt treffen zu können. Das ist es auch, was ich an anderer Stelle als ›Strategie für unsere Stadt‹ eingefordert habe: Alle Maßnahmen gemeinsam müssen Hand in Hand wirken, zueinander passen, um unsere Stadt für die Zukunft gut aufzustellen. Eine Einzelfallbetrachtung von Positionen sorgt dafür, dass die dafür investierte Energie verpufft. Sucht man in der Tat einen Standort näher an der Autobahn, dann muss das Gewerbegebiet Hohenmühringen direkt an der Autobahnauffahrt gen Stuttgart mit in die Überlegungen einbezogen werden. Dessen Erschließung war direkt über den Autobahnzubringer geplant, unter anderem gab es gar Überlegungen, dort einen Autohof mit anzusiedeln und diesen als ›Tor zum Schwarzwald‹ zur Vermarktung der Region zu nutzen. Dieses Gebiet hat die dafür notwendige Fläche. Gleichzeitig waren Überlegungen im Raum, dort Tagungsmöglichkeiten anzubieten. Obwohl ich damit gegen mein eigenes Geschäftsmodell mit dem ›#projektraum42‹ argumentiere, muss ich anerkennen, dass sich daraus gerade in Verbindung mit dem digital hub spannende Entwicklungschancen ergeben."

Dass eine Erschließung vor Jahren nicht gelungen ist, ist für Zimmermann kein Argument, es nicht erneut zu probieren: "Mit Axel Blochwitz und Joachim Patig sind noch mindestens zwei Kenner des Vorhabens bei der Stadtverwaltung aktiv, ganz abgesehen von Stadträten, die noch im Gremium sind. Dieses Gebiet erfüllt die Umweltziele auf den ersten Blick besser, zumindest muss dort – so mein Kenntnisstand – kein Wald abgeholzt werden. Aus Sicht der Bürger gab es zu den Zeiten, als dieses Vorhaben diskutiert wurde, meines Wissens keinen Widerstand, eher Zustimmung. Dass Lärmschutzmaßnahmen auch hier notwendig werden, ist wiederum unbestritten."

Insgesamt fragt sich Zimmermann allerdings, inwieweit Industrie- und Gewerbeansiedlungen die passende strategische Option sind. Er verweist auf seine Vorschläge zur Stadtentwicklung: "Wer sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt, wird Zeit und Energie eher in andere Zielgruppen investieren. So ist Horb aus meiner Sicht nach wie vor höchst attraktiv für die Vielzahl der freischaffenden Experten, die als hoch bezahlte Berater und Programmierer Firmen in deren Entwicklung unterstützen. Diese Menschen können ihre Kinder in Natur und bei niedriger Kriminalitätsrate aufwachsen sehen und haben gleichzeitig dank der Lage Horbs einen exzellenten Zugang gen Stuttgart, gen Zürich und zu den unzähligen Hidden Champions im Schwarzwald. Diese Menschen benötigen jedoch keine Gewerbeflächen, sondern eher freizügige Baugebiete, die Arbeiten und Wohnen leicht kombinierbar machen. Ebenso eine gute Gesundheitsversorgung, Kindergärten, einen effizienten, unkomplizierten Nahverkehr. Und schnelle Internetverbindungen, in die Stadt und Stadtwerke inzwischen stark investieren."

Zimmermann hält es für unwahrscheinlich, dass sich künftig neue Gewerbebetriebe ansiedeln, die Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringen. Allenfalls Logistikzentren, die kaum Nutzen für eine Stadt bringen, kämen infrage. Zimmermann: "Man kann unterstellen, dass ein interkommunales Gewerbegebiet in Zusammenarbeit mit Empfingen bereits einen großen Teil des Bedarfs abdeckt, sollten überhaupt neue Flächen nötig sein. Vielleicht sind kreative Lösungen in bestehenden Gebieten, nicht nur aus Umweltschutzgründen, insgesamt die bessere Investition?"