Hechingen

Stahl-Brücke gegen Provisorium ausgetauscht

von Klaus Stopper

Hechingen - Wenn tausende Tonnen Stahl scheinbar federleicht über der Zollerburg schweben, dann ist das ein außergewöhnlicher Anblick. Der Austausch der Eisenbahnbrücke beim Heiligkreuzfriedhof über das Wochenende war aber nicht nur in dieser Hinsicht spektakulär.

Das buchstäbliche Himmelfahrtskommando fand am Samstagmorgen gegen 10.30 Uhr statt. Da begann der massive Stahlkörper mit seinen über zehn Tonnen Gewicht seine kurze Flugreise. Seit 1933 hatte er beim Heiligkreuzfriedhof die Straße überspannt, nun wurde er von einem Riesenkranwagen auf einen Tieflader gehievt. Endstation der Reise war die Firma Möck in Tübingen, wo das Teil abgewrackt wird.

Aber auch die Stein- und Betonbauwerke, auf denen der Stahlträger bislang geruht hatte, werden abgerissen. Sie wurden bereits 1876 gebaut und waren ebenso wie die Brücke nun völlig marode.

Dass von Montag an trotzdem wieder Züge über diese Baustelle fahren können, ist eine technische Meisterleistung der Bahn und der Spezialfirma Brodbeck. Die hat hier vergangenes Jahr bereits seitlich am Bahndamm Rampen für die Bagger gebaut und riesige Stahlstangen in den Boden gerammt, die den Bahndamm stabilisieren und die auch die Fundamente für eine Behelfsbrücke darstellen.

Solche Austauschbrücken in allen möglichen Längen hat die Bahn tatsächlich in einem großen Lager für ihre Bauprojekte bereitliegen, erklärte ein Experte vor Ort. Die, die nun in der Nacht von Samstag auf Sonntag von zwei Spezialkranen auf ihren Platz gesetzt wurde, war schon an vielen anderen Stellen in Deutschland im Einsatz.

Ob sie jemals vor einer so fantastischen Kulisse wie der der Zollerburg ihren Dienst versehen hat, ließ sich nicht herausfinden. Die Burg im Hintergrund macht diese Baustelle jedenfalls mit Sicherheit zu einer der schönsten in ganz Deutschland. Genießen können die Bauarbeiter diesen Anblick nun bis zum Herbst. In dieser Zeit werden sie direkt neben dem Gleis praktisch auf der grünen Wiese eine Eisenbahnbrücke bauen. Sind sie damit fertig, wird die Behelfsbrücke wieder abgebaut und zurück ins Lager gefahren, wo sie überholt und für neue Einsätze vorbereitet wird. Und dann wird wieder in einer Hochdruck-Bauphase die neue Brücke an ihren endgültigen Platz gesetzt.