Hechingen

Nach Obertorplatz geht es jetzt um Krach

von Klaus Stopper

Hechingen - Nicht nur der Obertorplatz bewegt Hechinger Gemüter, auch der Verkehrslärm – speziell von der B 27 her – stört viele Einwohner. Am Donnerstag wird im Gemeinderat der Lärmaktionsplan vorgestellt, der Abhilfe schaffen könnte.

"Lärmaktionsplan Hechingen – Vorstellung Zwischenbericht und Aufstellungsbeschluss" steht direkt nach der Tiefgaragenentscheidung als siebter Punkt auf der Tagesordnung. Was sich dahinter verbirgt? Viele sind da neugierig, einer besonders, und deshalb wird er als Zuhörer die Gemeinderatssitzung besuchen: Wolfgang Kast. Er wohnt seit 25 Jahren in Stetten, und der Lärm sei von Jahr zu Jahr mehr geworden, hat er festgestellt. Ihn nervt vor allem der Krach von der B 27 her so sehr, dass er vor Wochen die Gründung einer Lärmschutz-Bürgerinitiative angekündigt hat.

Noch hat er das nicht in Angriff genommen. Er will erstmal abwarten, was die Stadt macht. Immerhin steht das Thema nun auf der Tagesordnung des Gemeinderats. "Jetzt schauen wir mal, was die Stadt unternehmen will", sagt er. Ein Tempolimit von 100 Stundenkilometer zwischen Ausfahrt Nord und Domäne wäre das Mindeste, was er erwartet. "In Balingen geht das auch, in vielen anderen Städten ebenso, wieso nicht in Hechingen?", fragt er.

Wenn er den Eindruck habe, dass die Stadt keine ausreichenden Maßnahmen gegen den Verkehrslärm in Angriff nehmen will, möchte Wolfgang Kast die Idee der Bürgerinitiative umsetzen. Er kennt eine ganze Reihe Anwohner aus dem Prinzling, die ebenso genervt vom Verkehrslärm sind wie er. Sie haben sich schon im Juli mit ihrem Protest öffentlich gemeldet.

Längst hat die Europäische Union eine Umgebungslärmrichtlinie erlassen, die im Jahr 2005 in deutsches Recht übernommen wurde. Sie schreibt vor, dass staatliche Behörden den Umgebungslärm ermitteln und Lärmkarten erstellen müssen. Auf Grundlage der Kartierungsergebnisse müssen die Kommunen dann Aktionspläne zur Lärmvermeidung oder -verminderung erstellen, sofern Grenzwerte überschritten werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden in Hechingen aber nur an ganz wenigen Stellen Überschreitungen gemessen. Was am Donnerstag also vorgeschlagen wird, darf mit Neugier erwartet werden.

Übrigens: Die von Hechingen aus stets bestaunte Kreisstadt Balingen ist schon einen Schritt weiter. Hier wurde im Oktober im Gemeinderat ein Lärmschutzaktionsplan beschlossen, der in der Stadt an einigen Stellen Tempo 30 vorschreibt. Derzeit wird untersucht, ob auf der B 27 innerorts nur noch 80 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf.

Zu hart? Würde ein Autofahrer auf der 20 Kilometer langen Strecke zwischen Balingen und Bodelshausen nur Tempo 80 statt 120 fahren, so würde er für diese Strecke genau fünf Minuten länger brauchen. Und anschließend auch im Stau stehen.