Hechingen

Der Immobilienmarkt hat Potenzial

von Schwarzwälder-Bote

Von Klaus Stopper

Hechingen. Der Hechinger Immobilienmarkt hat Potenzial nach oben, das berichtete am Donnerstag in der Hechinger Gemeinderatssitzung Professor Alfred Ruther-Mehlis. Allerdings sind Anstrengungen notwendig, damit es aufwärts geht.

Der Professor arbeitet an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen und verfügt über eine breite Datenbasis zum Immobilienmarkt. Bürgermeisterin Dorothea Bachmann hatte ihn auf Wunsch des Gemeinderats eingeladen, als Experte Entwicklungen aufzuzeigen.

Was tun angesichts einer älter werdenden Gesellschaft und allgemein verödender Innenstädte? Noch etwa zehn Jahre werde die Nachfrage von jungen Familien nach Baugrundstücken anhalten, dann sei angesichts sinkender Geburtenzahlen Feierabend auf diesem Gebiet, so seine Prognose.

Das günstige Hechinger Potenzial sieht der Professor darin, dass hier die Hauspreise und Mieten niedrig sind. 6,5 bis 8 Euro Miete pro Quadratmeter sind üblich, ein Haus kostet hier im Schnitt 300 000 Euro, deutlich weniger als in Stuttgart oder Tübingen. Angenehmer Nebeneffekt für die Stadt: Die Hechinger haben mehr Geld für Konsum in der Tasche, weil sie nicht alles in Wohnkosten stecken müssen. Eine Chance für den Einzelhandel.

Die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist vorhanden

Bei Gewerbeflächen sehe es ähnlich aus. Die Nachfrage sei da, überwiegend von Unternehmen aus der direkten Umgebung. Hier müsse eine Stadt Flächen in Vorrat haben, um bei Anfragen reagieren zu können. Für Wohnen und Gewerbe aber gelte, dass ständig in die Qualität investiert werden müsse. Breitbandverkabelung, gute Schulen, Bereitstellung von attraktivem Wohnraum und von gute Gewerbeflächen seien Grundlagen. "Weiche Standortfaktoren gibt es nicht, die sind knallhart", erklärte Ruther-Mehlis. Eine Stadt müsse darauf achten, wie in der Innenstadt Baulücken geschlossen werden können.

Durch aktives Eingreifen sei es auch möglich, zerstückelte und unattraktive Innenstadtbereiche insgesamt in attraktive Wohnlagen zurückzuverändern.

Ob sich die Schließung von Baulücken in der Stadt auch finanziell lohne, sei sehr vom Einzelfall abhängig, erklärte er. Unwägbar seien vor allem die Kosten des Rückbaus von Vorgängerbauten, falls im Gebäude oder im Boden Rückstände lagern.

Auch die Erschließung von Gewerbegebieten sei für viele Gemeinden erst mal ein Zuschussgeschäft, weil die Kosten kaum über Verkaufspreise hereingeholt werden können. "Hier ergeben sich aber Zusatznutzen durch Steuern der Beschäftigten und der Betriebe und durch mehr Attraktivität für die Stadt durch neue Einwohner". Das müsse unbedingt in einem Zusammenhang gesehen werden.