Hechingen

Bewerbungen sind in Tabelle aufgelistet

von Klaus Stopper

Hechingen. Sie ist mit Sicherheit die schillerndste Figur im Quartett der Bewerber und Bewerberinnen um das Hechinger Bürgermeisteramt. Denn sie will eigentlich Bundeskanzlerin werden.

Tübingen kennt sie, aber in Hechingen war sie noch nie, und sie hat auch nicht vor, demnächst die Stadt zu besuchen, es sei denn, man würde sie zur Bürgermeisterin wählen. Sie begründet das mit Terminproblemen. In über 30 Kommunen und Landkreisen kandidiert sie aktuell.

So fand das Gespräch mit ihr am Telefon statt. Erster Eindruck: Die 1969 geborene Frau ist höflich, kommt aber schnell zu der Sache, die ihr wirklich auf den Nägeln brennt: Kampf gegen Korruption und vor allem Kampf gegen Jugendämter, die ihrer Ansicht nach in großer Zahl Eltern ihre Kinder entziehen. Mit ihren Kandidaturen will sie Aufmerksamkeit für dieses Problem erzeugen, aber sie würde durchaus die Ämter auch antreten, falls sie gewählt würde, "denn ich habe gemerkt, dass man ohne Macht nichts ausrichtet."

Aber würde sie wirklich im Falle einer Wahl nach Hechingen kommen? "Natürlich", versichert sie. Für ihre aktuelle Dreizimmerwohnung in Sindelfingen läuft ohnehin ein Zwangsräumungsverfahren, auch ihre 80-jährige Mutter würde sie nach Hechingen mitbringen.

Und traut sie sich das Amt einer Bürgermeisterin zu, wenn sie sich vor Ort gar nicht auskennt? "Für die Finanzen und so habe ich ja einen Kämmerer", meint sie selbstbewusst, und was sonst so in der Stadt geschehen würde, darüber ließe sie die Einwohner entscheiden. "Ich würde mit allen im Gespräch sein, mir die Leerstände in den Geschäften anschauen, mit vielen Leuten reden", meint sie und verweist auf die schon etwas zurückliegende Zeiten ihrer Berufstätigkeit, als sie bei Daimler Sekretärin war, davon 15 Jahre im Personalbereich.

Und das muss man Fridi Miller lassen: Organisiert ist sie. Dank einer akribisch ausgefüllten Tabelle weiß sie genau, wo sie gerade kandidiert und wann dort gewählt wird. Und auch ihre Bewerbungen erledigt sie gut strukturiert. Sie studiert Stellenausschreibungen, lässt ein paar zusammenkommen und bestellt die dafür notwendigen Unterlagen im Sammelpack bei der Stadt Sindelfingen. Jede einzelne kostet zwar 20 Euro, aber das ist ihr der Kampf für ihre Ziele wert. Die Bewerbungsschreiben sind Serienbriefe, die nur mit der jeweiligen Adresse versehen sind.

Klar braucht so etwas Zeit, aber die hat sie offensichtlich. Sie sitze ohnehin den halben Tag am Laptop, um ihre Protestschreiben und Gerichtsklagen zu verfassen, erzählt sie. Als Hauptfeind hat sie dabei die Sekte Scientology auserkoren, die ihrer Ansicht enorme Macht ausübt.

Und wenn sie mal entspannen wolle, gehe sie gerne in die Sauna oder abends gelegentlich in die nächstgelegene Kneipe, in der gute Musik laufe und in der sie am Handy dann ihre Korrespondenz erledige. "Kontakt mit Leuten brauche ich gar nicht so viel", sagt sie.