Hausach

Landwirte sprechen ihre Probleme an

von Christine Störr

Hausach - Die Kreisversammlung des Badischen landwirtschaftlichen Hauptverbands hat im Hausacher Käppelehof und auf dem Hof Schmider in neuer Form stattgefunden. Am Beispiel des Vollmershofes wurden aktuelle Themen mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) diskutiert.

Ulrich Schmider stellte den Berufskollegen und politischen Vertretern seinen Betrieb vor, den er zum Jahresende 1999 übernommen hatte. Von seinen 13 Hektar bewirtschaftetem Grünland wäre "alles fast eben", scherzte er, denn kurz unterhalb des Käppele gilt es, überwiegend Steillagen offen zu halten. Etwa ein Hektar seiner Fläche hat eine Hangneigung von 50 Prozent, knappe sieben Hektar weisen eine 35 prozentige Neigung auf und auch der Rest liegt bei über 25 Porzent.

Mit der Mutterkuhhaltung will Ulrich Schmider seinen Beitrag zur Offenhaltung leisten, obwohl die Bewirtschaftung des Betriebes im Nebenerwerb mehr als schwierig ist. Das eigentliche Hofgebäude sei fast 150 Jahre alt, die ehemalige Situation sei für Mensch und Tier nicht mehr zeitgemäß gewesen.

Neubau oder Aufgeben

"Wir mussten die Entscheidung treffen, einen neuen Stall zu bauen, oder ganz aufzuhören", erklärte Schmider. 2008 habe er sich dann in Richtung Außenklimastall beraten lassen und mit entsprechender Förderung und sehr viel Eigenleistung das Projekt schließlich geschultert. "25 Prozent Förderung gab es vom Land, die Güllegrube und das Mistlager waren bereits vorhanden. Sonst wäre der Bau nicht zu schaffen gewesen", war der Landwirt sicher.

Seit Januar dieses Jahres haben Silvia und Ulrich Schmider ihren Betrieb auf Bio umgestellt und beim Kontrollverband in Nagold angemeldet. "Für uns ändert sich eigentlich nichts – außer dem Papierkram", resümierte Schmider, viele der Vorschriften würden seit Jahren sowieso schon eingehalten.

Für den BLHV-Kreisvorsitzenden Ulrich Müller zeigte sich am Beispiel des Vollmershofes, dass nicht die Zahl der Tiere ausschlaggebend für eine Förderung sein dürfte, sondern die Idee, die hinter einem Förderantrag stecke. "Authentischer könnte es nicht gezeigt werden", befand Müller. Die Förderungen müssten auf die künftige Wertschöpfung der Betriebe abzielen, um für die nachfolgende Generation Anreize zur Hofübernahme zu schaffen.

Für Schlepper gesperrt

Doch den Landwirten brannten viele Themen unter den Nägeln, so beispielsweise die ausgebaute Straße Richtung Offenburg, die für Schlepper nicht mehr zugelassen ist.

"In der Rheinebene werden aber viele Flächen für Winterfutter und Einstreu herangezogen. Jetzt müssen die Landwirte über Ortenberg und Ohlsbach fahren – da muss sich schnell etwas ändern", forderte Müller. In diesem Punkt sagte Bundestagsabgeordnete Kordula Kovacs (CDU) ihre Unterstützung zu.

Das BZ-Verfahren bezeichnete der Kreisvorsitzende als großen Segen für den Wald und die Flur, dass aber keine Grenzfeststellungen mehr bezahlt werden und der Landtausch nur noch in der gesamten Lagerbuchfläche möglich sei, wäre nicht gut. Dazu meinte der Landwirtschaftsminister allerdings, der Grenzstein sei ein Instrument von Vorgestern und kostet mittlerweile mehrere hundert Euro." Die Pfähle mit einer Ungenauigkeit von bis zu 15 Zentimetern seien die Alternative.

Abgrenzung ist Nachteil

Für Landwirt Paul Buchholz (Mühlenbach) stand fest, dass die Gebietsabgrenzung zur Steillagenförderung ein großer wirtschaftlicher Nachteil für die Betriebe der Region sei. "Was landschaftlich reizvoll ist, ist äußerst schwierig zu bearbeiten", sagte er. Er plädierte für die volle Ausschöpfung des Rahmens der EU-Vorgaben und forderte das Heraufsetzen der Bewirtschaftungsgrenze auf 30 Hektar.

Problemfall Bürokratie

"Wenn die kleineren Betriebe die immensen Bürokratie-Auflagen nicht erfüllen müssten, wäre das eine enorme Erleichterung", erklärte Buchholz. Bei De-Minimis-Beihilfe und Ausgleichszahlung sei eine größere Differenzierung notwendig, in Sachen Gülleausbringung gelte es, den Seitenverteiler am Pumpfass unbedingt zu erhalten.

In diesem Punkt gab Hauk den Landwirten Recht, das müsse unter dem Nachhaltigkeitsaspekt gesehen werden.

Wie schwierig es die Landwirte im Außenbereich haben, wurde längstens beim Thema Antragstellung deutlich.

"Wir stehen wieder kurz vor ›Fiona‹, aber ohne leistungsfähiges Internet hat es der Außenbereich mehr als schwer", befand Bernhard Kohmann (Hausach): "Die Letzten werden abgehängt." Peter Hauk erwiderte: "Was unsere Vorfahren mit dem Wasser und dem Strom geschafft haben, das werden wir doch wohl mit dem Glasfaser schaffen."

Am Ende zeigte sich der Minister "heilfroh über diesen offenen Austauch, um zu wissen, was vor Ort los ist."