Hausach

"Gebäude predigt mehr als Predigt"

von Charlotte Reinhard

Besonders Schätze wollen Herbert Kumpf, Claudia Roloff und Hartmut Rapp heben: Die Kirchen des Kinzigtals. Mit Hilfe der Kirchenraumpädagogik soll bei einer Exkursion ein neuer Zugang zu den Gotteshäusern gefunden werden.

Hausach. Einen Bezug zu den Kirchen finden, entdecken, hinschauen – darum soll es bei einer kirchenpädagogischen Exkursion gehen, die Hartmut Rapp, Schuldekan Herbert Kumpf und Pfarrerin Claudia Roloff leiten. Was genau es mit Kirchenpädagogik auf sich hat und wie eines solche Exkursion ablaufen kann, erklärt Kumpf anhand der Hausacher Kirche. "Man stolpert nicht einfach hinein, man nähert sich von außen an, umrundet das Gebäude", sagt er. Dabei könne zum Beispiel auffallen, dass der Turm der Kirche unten vier- und oben achteckig ist. Später im Innenraum falle dann auf, dass auch das Taufbecken sowie die Kanzel acht Ecken aufweisen. "Da kann man dann fragen ›was fällt uns dazu aus der Bibel ein?‹. Das kann zum Beispiel sein, dass acht Menschen mit der Arche gerettet wurden", sagt Kumpf.

Das langsame Antasten an die Kirche führe dann über den Vorraum weiter in den Innenraum. Dort könne man zum Beispiel jedem Teilnehmer eine Kerze in die Hand geben und jeder suche sich dann einen Platz, an dem er sich wohlfühlt. "Warum ist das mein Platz?", könne er sich dann fragen. "So kommen die Leute den eigenen Dingen auf die Spur", so Kumpf. Es dürfe auch ausprobiert werden, zum Beispiel, indem man das Pult verstelle und wie es sich an verschiedenen Stellen im Raum anfühlt, wenn man dahinter spricht. Alle Sinne sollen angesprochen werden, Erinnerungen an Kirchenerlebnisse wie die Taufe oder Konfirmation geweckt werden. "Es gibt in jeder Kirche etwas, mit dem man arbeiten kann. Manchmal predigt das Gebäude mehr als der Prediger. Das nimmt man vielleicht auch eher mit als das Wort. Die Kirchenraumpädagogik ist also sozusagen die Reaktion auf das Wortlastige", meint der Dekan.

"Die Leute entdecken die Dinge selber, die Erfahrung soll sie stärken und ihnen Spaß machen", so Kumpf. Gerade für die Ehrenamtlichen sei ihre Arbeit in der Zeiten von Kirchenverkleinerungen, Einsparungen und Reduzierungen momentan frustrierend. Da könnten solche Erlebnisse belebend wirken.

Um das bloße Abhaspeln von der Geschichte einer Kirchen geht es also nicht, sondern um das persönliche Erleben. Dennoch würden auch Hintergründe zu dem Gebäude mit einfließen. "Aber so, dass alle damit etwas anfangen können", sagt Kumpf. Menschliche Geschichten wie die der Kriegsgefangenen, die auf dem Dachstuhl der Gutacher Kirchen versteckt wurden, stünden dabei im Vordergrund. "Geschichten, die die Leute mit den Räumen verbinden", fasst er zusammen.

Insgesamt sollen an dem Exkursionstag sechs evangelische Kirchen im Kinzigtal besucht werden: Die Hausacher, Hornberger, Gutacher, Schiltacher, Wolfacher und Haslacher. Katholische Gotteshäuser hätte Kumpf gerne mitaufgenommen, doch es sei den Fahrtwegen geschuldet, dass nicht mehr Kirchen besucht werden können. Die, die erkundet werden, wurden laut Kumpf ein Stück weit nach Zufall, aber auch nach räumlichen Distanzen sowie inhaltlichen Kriterien ausgewählt.

Der Schuldekan spinnt die kirchenpädagogische Exkursion schon jetzt ein bisschen weiter. So könne er sich vorstellen, sie in Verbindung mit den Radwegen in der Ortenau durchzuführen. Also sie zum Beispiel die Distanzen per Fahrrad zurückzulegen und in einem Flyer die Kirchen an den Radwegen aufzuführen und zu erklären. "Aber ob das zustande kommt, ist noch völlig offen", so Kumpf.

Weitere Informationen: Die Kirchenraumpädagogik ist die Lehre von der Vermittlung des Sinngehalts von Kirchengebäuden. Sie entwickelt eigenständige methodisch-didaktische Konzepte, um Besucher von Kirchen an die technische, ästhetisch-künstlerische, symbolische und nicht zuletzt spirituelle Dimension heranzuführen.

INFO

Drei Exkursionen im Ortenaukreis

Im Ortenaukreis finden drei kirchenraumpädagogische Exkursionen statt: Am Samstag, 29. April, im Kinzigtal, am Samstag, 20. Mai, in der Region Kehl und am Samstag, 24. Juni, in der Region Lahr. Im Kinzigtal ist Treffpunkt mit einem Frühstück um 9 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Hausach. Danach werden sechs evangelische Kirchen erkundet: Die Hausacher, Hornberger, Gutacher, Schiltacher, Wolfacher und Haslacher. Teilnehmer können alle besuchen oder nur zu ausgewählten dazustoßen. Die Teilnahmegebühr beträgt für Führungen, Kaffee und einen Mittagsimbiss pauschal zehn Euro. Anmeldung werden per E-Mail an eeb.ortenau@kbz.ekiba.de oder unter Telefon 0781/24018 entgegen genommen.