Hausach

Die Not der Waldgemeinden war groß

von Michael Hensle

1932 beklagte der Badische Bauernverein in einem Brandbrief, dass vielen Gemeinden die Mittel für den Mehlzukauf fehlen. Auch im Einbach war die Not damals groß.

Hausach. Im März 1932 schrieb der Badische Bauernverein einen Brandbrief an das Innenministerium in Karlsruhe: "Die besondere Notlage" von Gemeinden unter anderem im Amtsbezirk Wolfach, die nicht in der Lage seien, "ihren Eigenverbrauch an Brotgetreide selbst zu bauen", habe "außerordentlich bedrohliche Formen angenommen." Für den Zukauf von Brotgetreide fehlten jedoch "in vielen Fällen die nötigen Barmittel vollständig, sodass es Bauernfamilien gibt, die tatsächlich bereits seit Wochen fast ohne Brot sind".

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Ein sofortiges Eingreifen scheint uns nicht nur eine Pflicht des Staates in der Sorge um seine Staatsangehörigen, sondern auch ein Gebot staatspolitischer Klugheit zu sein. Radikale Strömungen gehen in einem Ausmaße durch die Bauernfamilien der notleidenden Gebiete, das geradezu beängstigend ist." Letztere Beobachtung erwies sich als prophetisch. In den Juli-Wahlen zum Reichstag wurde die Nazi-Partei zu stärksten Fraktion – die NSDAP erreichte über 37 Prozent.

Im Innenministerium war man sich der Notsituation offenbar bewusst. Es ließ über die Bezirksämter anfragen, "ob in der dortigen Gemeinde sich die geschilderte Notlage besonders bemerkbar macht und in welchem Umfang die Versorgung mit Mehl in Betracht kommen würde". Die Antwort aus dem Bürgermeisteramt Einbach war eindeutig: Von 118 Familien kämen 108 Familien mit etwa 730 Personen in Betracht.

Erste Lieferung mit 63 Zentnern im Juni

In Juni 1932 wurde der Gemeinde Einbach schließlich 63 Zentner verbilligtes Roggenmehl zugewiesen. Die Verteilung für die Gemeinden Einbach, Gutach, Niederwasser und Reichenbach erfolgte über die Bahnstation Hausach zu Händen von Bürgermeister Schuler in Einbach. Eingelagert wurde der Einbacher Anteil beim Vorstand des örtlichen Badischen Bauernvereins Hirschwirt Theodor Armbruster. Die Verteilung sollte die Gemeindeverwaltung vornehmen. Zuvor hatte diese jedoch die Lieferung zu bezahlen, die Staatskasse wollte nicht auf der Rechnung sitzen bleiben. Außerdem musste die Gemeinde noch einen Antrag auf Befreiung von Umsatzsteuer stellen, sonst wäre eine Steuerzahlung für das verbilligte Mehl fällig gewesen.

Zwischen Juni 1932 und April 1933 gab es drei Sendungsaktionen von verbilligtem Roggenmehl mit fast 150 Zentnern. Das Interesse daran war groß. Von der ersten Hilfsaktion profitierten 63 Familien beziehungsweise 541 Personen. Bei den beiden anderen Hilfsaktionen waren es um die 70 beziehungsweise 50 Familien.

Fast niemand verzichtete auf die Unterstützung

Das heißt, dass fast alle bäuerlichen Betriebe und rund zwei Drittel der Einwohnerschaft von Einbach die Hilfe in Anspruch nahmen. Ausweislich der erhaltenen Unterschriftslisten verzichtete fast niemand auf das verbilligte Mehl. "Die Not der Waldgemeinden" war wohl sehr groß, auch wenn sich einige selbst das staatlich subventionierte Mehl nicht leisten konnten.

Der Autor und Historiker Michael Hensle arbeitet derzeit das Stadtarchiv Hausach auf. Seit Anfang des vergangenen Jahres ist er fest bei der Stadt angestellt.