Haslach i. K.

Von Schlumpfeis und Ja-Sagern

von Christine Störr

Die "Slammer" reisen gerne. Das ist beim dritten Haslacher Quasselstrippen-Poetryslam deutlich geworden. Junge Poeten aus Kempten, Ofterschwang und Sigmaringen brachten ihre Texte in den Kastenkellers, wo das Publikum sie bewertete.

Haslach. Das Team des Haslacher Jugendhauses hatte zusammen mit dem Kastenkeller-Team zum dritten Dichter-Wettstreit in die Hansjakob- stadt eingeladen. "Es gibt eine deutschlandweite Facebook-Gruppe der Slammer, in der Events eingestellt werden. Wer von den Poeten Interesse hat, meldet sich einfach an", erklärte Initiator und Teilnehmer Maximilian Tanzer. Die Teilnehmer würden sich dann meist erst abends kennen lernen, wie das auch mit Mirjana Muck und Manuela Nühlegg aus dem Allgäu, Marcel Siedersberger aus Sigmaringen und Lucy Bosch aus Haslach der Fall war.

Lucy Bosch übernimmt die Moderation beim Dichterwettstreit

Mit ihrem Text über das Schreiben mit einer Blockade und "so viel im Kopf – aber doch nichts drin", begrüßte Lucy Bosch die Gäste außer Konkurrenz. Ihr oblag die Moderation des Abends, bei dem äußerst unterschiedliche Texte zu hören waren. Nach Auslosung der Reihenfolge galt die erste Runde dem Warmreden der vier Teilnehmer, eine Bewertung erfolgte erst in Runde zwei und im Finale.

Mit einem Text an ihre Freundin stellte sich Mirjana Muck als erste dem Publikum und zog als Fazit: "Vielleicht bist du eine Kugel Schlumpf- eis in einer Welt, die Schokoladeneis bevorzugt." Auch für Marcel Siedersberger war das Thema Freunde wichtig. Er erklärte: "Zwischen Bekannten und Freunden liegen Welten, denn Bekannte hat man viele – doch Freunde nur selten."

Max Tanzer verwirrte die Gäste verbal mit seinem Mitmach-Text – der gar keiner war und in dem er die Verwirrung zur taktischen Strategie des täglichen Lebens erklärte. Manuela Nühlegg beendete die Aufwärmrunde mit ihrem Lieblingsthema "Essen", das sie geschickt mit der Liebe verband: "Kalte Liebe ist eine Lüge – aber kalte Lasagne ist ein Traum."

Anschließend wurden im Publikum Punkte-Tafeln verteilt, mit denen die nachfolgenden Texte bewertet wurden. Äußerst berührend schilderte Mirjana Muck ihre Erlebnisse und Eindrücke aus der Ausbildung zur Altenpflegerin. Da wurde der alte Ledersessel zur einzigen Konstante, dessen Leder so faltig war wie die Haut der Bewohnerin. "Körperlich zu schwach und im Kopf zu stark, um das Leben endgültig ziehen zu lassen", las sie in die Stille des Kastenkellers. "Ich will nicht, dass an meinem Grab das ungelebte Leben am meisten trauert", bilanzierte sie mit brüchiger Stimme und sicherte sich damit einen Platz im Finale.

Das Publikum entscheidet, wer das Rennen macht

Krasser Kontrast dazu war Marcel Siedersbergers Rap-Slam, der in atemberaubender Geschwindigkeit und stringentem Rhythmus über das Scheitern seiner Liebe vortrug: "Meine Worte sind der Stift und das Blatt der Beat."

Max Tanzer erklärte dann gleich zu Beginn: "Ich komme heute nicht ins Finale, weil ich nur zwei Texte dabei habe. Deshalb hören Sie am besten weg und schauen gar nicht hin." Dass sich sein Text dann mit dem gesellschaftlichen Wegschauen in fast allen Lebensbereichen befasste, stimmte nachdenklich. Manuela Mühlsegg sprengte verbal ihr Korsett der gesellschaftlichen Konvention: "Wir alle sind Ja-Sager und Bausparer und ehe wir uns versehen, landen wir im Ersatzteil-Lager. Wir verkrampfen beim Gedanken frei zu sein!" Die Publikums-Wertung sicherte auch ihr einen Platz im Finale. Schade war eigentlich nur, dass nicht sehr viel mehr Zuhörer zum Dichterwettstreit gekommen waren.

Im Finale des dritten Poetry-Slam-Abends in der Hansjakobstadt standen sich Mirjana Muck und Manuela Nühlegg aus dem Allgäu gegenüber. Mirjana Muck machte sich für eine lebenswerte Welt in der Zukunft stark und endete: "Lasst uns die Möglichkeit nicht verpassen, unseren Nachfahren eine lebenswerte Welt zu hinterlassen." Gewonnen hatte am Ende Manuela Nühlegg mit einem Punkt Vorsprung und ihrem berührenden Vortrag zur Frage nach Prinzessin oder Monster. "Das gute Mädchen ist böse geworden. Die Nacht kommt und zeigt dir meine dunkle Seite, ich bin ein Monster, das Monster auf deiner Haut."