Haslach i. K.

Motivation und Selbstbewusstsein

von Christine Störr

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal stellt der SchwaBo sie in einer losen Artikelfolge vor. So bietet sie mit ausgelagerten Arbeitsplätzen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zur inklusiven Teilhabe auf dem Ersten Arbeitsmarkt.

Haslach. Für den Haslacher Lebensmittelkaufmann Wunnibald Lehmann ist es eine Grundeinstellung und eine Selbstverständlichkeit, auch Menschen mit Handicap im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu beschäftigen. Seit mehr als 30 Jahren betreibt er selbstständig Edeka-Märkte und hat schon immer eng mit dem Jugenddorf in Offenburg zusammengearbeitet.

"Als ich vor zwölf Jahren den Markt in Haslach übernommen habe, begann die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe", blickt Lehmann zurück. Seit April gibt es nun ein neues Projekt, bei dem sich Frank Fritsche in die Pflege der Außenanlage und der Parkplätze einbringt. Es hatten sich zwei weitere Beschäftigte der Lebenshilfe für die Stelle interessiert, aber einmal sei es körperlich zu anstrengend gewesen und das andere Mal wäre das Interesse an der Gartenarbeit doch nicht groß genug gewesen.

"Mit Fritsche haben wir eine Person gefunden, die ihre Aufgabe mit einer Hingabe erfüllt, dass alle Parteien zufrieden sind. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen", betont Martin Schmid, der pädagogische Leiter der Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Für einige Werkstatt-Beschäftigte hätte ein sogenannter ausgelagerter Arbeitsplatz einen sehr hohen Stellenwert, um die Fähigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unter Beweis zu stellen. "Das steigert nicht nur ihr Selbstwertgefühl, sondern sorgt durch die Abwechslung auch für mehr Motivation bei der Arbeit: innerhalb und außerhalb der Lebenshilfe", weiß Schmid aus Erfahrung. Eine Voll-Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt würde dagegen für viele Werkstatt-Beschäftigte eine Überforderung bedeuten, außerdem gingen damit wertvolle Sozialkontakte innerhalb der Lebenshilfe-Werkstatt verloren.

Für Fritsche bedeutet das konkret, von montags bis freitags eineinhalb Stunden lang die Edeka-Anlagen unterstützend zu bearbeiten. Angeleitet wird er dabei von Gabriele Armbruster, die das Projekt federführend betreut.

Aufgabe macht viel Freude

Beim Besuch des Schwabo ist Fritsche gerade dabei, verwelkte Blätter aus den Steinen zu entfernen. "Ich muss die Steine herausnehmen, die Blätter aussortieren und die Steine dann wieder zurücklegen", erklärt er und ist dabei sichtlich stolz auf die bis dahin ordentlich bearbeitete Fläche. Die Aufgabe bereite ihm sehr viel Freude, betont Fritsche, er komme sehr gerne zum Arbeiten her.

Während sein Projekt noch ganz neu ist, arbeitet Hannelore Mengell schon sehr viel länger bei Lehmann. Sie hilft donnerstags, freitags und samstags in der Bearbeitung des Leerguts, ab Juli wird sie für zwei weitere Tage im Betrieb sein.

Sarah Schmider absolviert ihre Lehre zur Verkäuferin über das Offenburger Jugenddorf und ist an drei Tagen im Markt. An der Kasse und bei den Zeitschriften hat sich Heiko Schmider intensiv eingearbeitet, er ist über den Kommunalverband Jugend und Soziales für 32 Stunden in der Woche angestellt.

Wenn sie auch nicht alle zur Lebenshilfe gehören, gilt für alle gleichermaßen: Die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes richtet sich nach den persönlichen Fähigkeiten der Beschäftigten. Die Lebenshilfe bespricht die Ausgestaltung der Außenarbeitsplätze für ihre Beschäftigten eng mit den Betrieben, unterstützt und begleitet ihre Mitarbeiter und steht den Betrieben als Ansprechpartner zur Verfügung.

Eine Prognose zur Entwicklung der Arbeitsplätze für die kommenden Jahre sei schwierig, erklären Berthold Schätzle (technischer Leiter) und Martin Schmid (pädagogischer Leiter) seitens der Lebenshilfe-Werkstätten. Unisono sagen sie: "Nichts ist so beständig wie der Wandel." Es gelte, innovativ zu bleiben, bestehende Arbeitsangebote kreativ auszugestalten und neue Alternativen zu erschließen.