Haigerloch

Die Kunst des Umdenkens in der Unternehmensführung

von Ina Frank

Haigerloch. "Wenn Wirtschaft Kommune trifft, ist das durchaus eine Art Date, bei dem sich die Beteiligten kennenlernen", sagte Haigerlochs Bürgermeister Heinrich Götz. So ein "Date" fand am Mittwoch im Bürgerhaus in Haigerloch statt, als die Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen mit ihrem Veranstaltungsformat "Wirtschaft trifft Kommune" zu Gast war. Es sei ein wichtiges Anliegen der IHK, in den Kommunen präsent zu sein, erklärte IHK-Vertreterin Petra Brenner. Das Veranstaltungsformat "Wirtschaft trifft Kommune" gebe es in 54 der 66 Kommunen der Region Neckar-Alb.

Thema des Abends war "Management 4.0", ein Begriff mit "großem futuristischen Klang", wie Götz es nannte, den Unternehmen aber als Chance sehen sollten. Schließlich habe Haigerloch eine bunte Mischung an Firmen, von kleinen, lokalen bis großen, weltweit tätigen Konzernen.

Einen Vortrag dazu, welche Veränderungen "Management 4.0" für Unternehmen bringe, hielt anschließend Thomas Ginter, Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Obwohl es kaum um den Wirtschaftsstandort Haigerloch an sich ging und Ginter oft auch kritisch und leicht provokativ gegenüber den Unternehmern auftrat, fesselte er das Publikum.

"Meine Hypothese ist, dass wir alle schlafen", sagte Ginter, nachdem er einige Ökonomen vorgestellt hatte, die ihre "beste Zeit" vor Jahrzehnten hatten, nach deren Prinzipien aber noch heute gearbeitet werde. Besonders hob Ginter – naheliegend – die Digitalisierung hervor, die mache nirgends Halt, "ob Sie in Haigerloch sitzen oder im Silicon Valley." Dadurch seien die Probleme heutzutage nicht mehr kompliziert, sondern komplex.

Die Erklärung, wie sich das unterscheide, hatte Ginter auch gleich parat. Komplizierte Dinge könne man bei Problemen zerlegen, um sie zu verstehen – so wie ein Auto. Komplexes hingegen würde man zerstören, wenn man es zerlege, einen Mensch zum Beispiel.

Ginter riet den Unternehmern, bei komplexen Problemen wieder mehr auf Intuition zu setzen – und zwar nicht nur auf die eigene. Vielmehr sollte man so viele Mitarbeiter wie möglich mit einbeziehen. Sich an Kennzahlen wie dem Umsatz zu orientieren, sei schön und gut, reiche aber heutzutage nicht mehr aus.

Einige der Haigerlocher Gäste hatten dann doch noch ein paar Fragen. Funktioniert das denn auch für kleine Betriebe? Ginter war überzeugt: Ja, und man können die Mitarbeiter ja viel besser einbinden. Einen Unternehmer, der nach eigener Aussage schon eine "Projektgruppe" eingeführt habe, aber natürlich auch die Produktion aufrechthalten muss, beruhigte Ginter: Schon Kleinigkeiten würden reichen, um die Mitarbeiter zu motivieren. Natürlich könnten nicht alle kreativ in Projektgruppen arbeiten.

Zum Abschluss richtete Jürgen Greß, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Zollernalb, noch einige Worte an das Publikum. Nach dem ausführlichen theoretischen Input, auch zum Thema Fachkräftemangel, hatte er schließlich noch etwas Erfreuliches aus der Praxis zu berichten: Immer mehr Jugendliche würden sich wieder für Ausbildungen im Handwerk interessieren.