Gutach

Der Neue hat "Lust auf Schwarzwald"

von Matthias Dorn

Der neue evangelische Pfarrer Dominik Wille ist mit einem Festgottesdienst in der Gutacher Dorfkirche in sein Amt eingeweiht worden. Dass die Ordination nicht in Karlsruhe stattfand, wurde ausdrücklich gelobt.

Gutach. Dekan Frank Wellhöner wertete Willes Entscheidung, diese Zeremonie in der Gutacher Dorfkirche stattfinden zu lassen, als bewusstes Zeichen für den Ländlichen Raum. Immerhin verzichtete Wille damit auf die Ordination durch den Landesbischof in Karlsruhe. "Sie haben Lust auf Schwarzwald", stellte der Dekan mit einem Schmunzeln fest.

Gruppenleiter aus der Heimat als "Trauzeuge"

Danach präzisierte Prälatin Dagmar Zobel die Berufung in das Amt als Pfarrer auf Probe in der öffentlichen Wortverkündung und der Sakramentsverwaltung. Als "Trauzeugen" für das Sakrament der feierlichen Ordination hatte sich Wille vier Menschen ausgesucht, die ihn in unterschiedlichen Lebensphasen auf seinem Entscheidungsweg für den Pfarrerberuf begleitet hatten. Allen voran Ludwig Müller aus seiner Odenwälder Heimatgemeinde Binau, der als Gruppenleiter den jungen Dominik Wille in der Katholischen Jugend (KJG) unter seine Fittiche genommen hatte.

Ruhigen Schrittes erklomm der junge Pfarrer nach der Segnung die Wendeltreppe hinauf zur Kanzel. Oben angekommen hielt Wille einige Sekunden lang inne, dann löste sich mit einem Schmunzeln die Anspannung und es schien, als sei hier jemand nach 14 Jahren theologischer Studien an einem Zielpunkt angekommen.

In seiner ersten Predigt setzte sich Wille mit seinem Ordinationsspruch auseinander. "Und nun geh hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst". Wille verband die alttestamentarische Schrift aus dem Buch Exodus mit einer Erfahrung, die er im Dienst als Feuerwehrmann gemacht hatte. Nach der Alarmierung "allein am B-Rohr", vollgepumpt mit Adrenalin und bei rasendem Puls wie ein Bungee-Springer nur einen Schritt vom Abgrund entfernt habe ihn die Berufung zum Mitwirkenden im Reich Gottes erreicht und jetzt stehe er hier und schaue auf "seine" volle Peterskirche mit Gläubigen aus Hausach und Gutach herab.

Die Gutacher müssen sich den Pfarrer teilen

Für den Hausacher Kirchengemeinderat sprach Werner Kadel die Begrüßungsworte. Wille könne sich in der ehemaligen Hausacher Diaspora auf eine aufgeschlossene, wagemutige und experimentierfreudige Gemeinde freuen. In Verbindung mit der Gutacher Gemeinde und im Spannungsfeld der Ökumene warteten berufliche Erfahrungen in konzentrierter Form auf den neuen Pfarrer. Auch Rosemarie Armbruster zollte für die Gutacher Kirchengemeinde ihren Respekt. Zum ersten Mal in der Gutacher Kirchengeschichte "müssten" die Bürger jetzt den Pfarrer mit einer zweiten Gemeinde teilen. Dafür beherrsche der Neue das Orgelspiel. Sie habe ihn selbst auf dem Weg zum Friedhof Ende August beim frühmorgendlichen Musizieren überrascht.

Auf dem Weg hinüber zum Gemeindezentrum empfing die Gutacher Trachtenkapelle den neuen Pfarrer mit flotten Polka-Klängen und unterwanderte damit den weiteren Festplan, der eigentlich weitere Grußworte seitens der weltlichen Gemeinden vorgesehen hatte. Ungezwungen wurden viele gute Gespräche geführt. Auch aus Bad Krozingen, wo Wille sein Vikariat geleistet hatte, war eine kleine Delegation nach Gutach gekommen. Ebenso waren Imke und Mirko Diepen trotz ihrer Gottesdienste am Sonntagmorgen in Heidelberg und Mannheim angereist, um ihren ehemaligen Gemeindepraktikanten zu besuchen.

Pfarrer Dominik Wille will sich für die Gemeinden nicht nur in der Kirche einsetzen. Er besitzt einen Personenbeförderungsschein für Reisebusse und möchte sich als Maschinist bei der Gutacher Feuerwehr engagieren.