Gechingen

Gemeinderäte reiben sich völlig verwundert die Augen

von Axel H. Kunert

Gechingen. Mal eben einen Rechnungsbetrag um schlappe 800 000 Euro gekürzt – und damit durchkommen, das gibt’s auch nicht alle Tage. Grund genug für die Gechinger Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung, sich einmal ordentlich die Augen zu reiben.

Ein Millionenprojekt

Das "Kunststück" fertiggebracht hat das Rottenburger Ingenieurbüro Raidt & Geiger, das von der Gemeinde Gechingen mit der Bauleitung für das Großprojekt "Ausbau Gartenstraße/Calwer Straße" beauftragt worden war. Nachdem man bereits im Frühjahr 2017 mit dem Abschluss der Belagarbeiten an die Gesamtrechnung gehen konnte, war Projektleiter Josef Geiger vor den Gechinger Räten angetreten, um die Details der finalen Abrechnung mit dem zentralen Auftragnehmer zu erläutern.

Insgesamt schlugen die Projektkosten mit rund 2,436 Millionen Euro (brutto) zu Buche, wobei 2,176 Millionen Euro auf die reinen Baukosten und weitere rund 260 000 Euro auf sogenannte Baunebenkosten (Planung, Vermessung, Statik, Verkehrssicherung) entfielen. Damit lag das Volumen am Ende knapp mehr als 200 000 Euro über der ursprünglichen Kostenberechnung – was ein vergleichsweiser guter Wert ist: Während der Bauphase musste bekanntlich das Projekt mehrfach fortgeschrieben werden, zusätzliche, nicht in der ursprünglichen Planung enthaltene Baumaßnahmen mussten aufgrund dringender Erfordernisse mit in die Umsetzung aufgenommen werden. Und diese zusätzlichen Einzelmaßnahmen summierten sich letztlich allein auf mehr als 340 000 Euro – heißt: Ein Teil dieser erheblichen Mehrkosten (rund 140 000 Euro) konnten gegenüber der ursprünglichen Planung durch Einsparungen beim Kernprojekt aufgefangen werden.

Was die Gechinger Gemeinderäte aber am meisten erstaunte – und ehrlichen Applaus gegenüber der Bauleitung abnötigte: Laut den Erläuterungen von Josef Geiger hatte das mit der Durchführung beauftragte Bauunternehmen in seiner Schlussrechnung noch einen Gesamtbetrag von mehr als 2,935 Millionen Euro (brutto) eingefordert. Nach Prüfung der Rechnungsdetails reduzierte die Bauleitung diesen Rechnungsbetrag am Ende um eben rund 800 000 Euro auf die genannten 2,176 Millionen Euro – eine Kürzung, der vom beauftragten Bauunternehmen zwar anfangs widersprochen wurde, so Geigers Ausführungen; anschließend aber ließ das Unternehmen alle gesetzlichen geltenden Fristen verstreichen, um seinen Einspruch auch fachlich zu begründen – womit, wie Geiger als auch Gechingens Bauamtsleiter Heinz Braun auf ausdrückliche Nachfrage der Räte bestätigten, die Rechnungskürzung "nach unserer Rechtsauffassung" rechtswirksam sei.

Pikant dabei: Von den Gechinger Räten nach dem Grund gefragt, warum man die Schlussrechnung des Bauunternehmen um solch einen gewaltigen Betrag habe kürzen können, erläuterte Josef Geiger, dass man in deren Abrechnung beispielsweise Posten für Maßnahmen gefunden habe, die gar nicht beauftragt und auch nicht ausgeführt worden waren.

Nach Abzug sämtlicher realisierter Förderungen für das Projekt "Gartenstraße/Calwer Straße" – vom Land gab es für die Straßenbeleuchtung 5290 Euro Förderung, für Quellzuleitungen 55 500 Euro, für den Kanalbau 406 900 Euro, weitere 73 000 Euro nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sowie rund 213 000 Euro vom Landkreis für den Straßenbau – blieb für die Gemeinde Gechingen ein eigener Kostenanteil von rund 1,423 Millionen Euro übrig. Was die Ratsmitglieder schließlich mit einem formalen Beschluss und reichlich Genugtuung zur Kenntnis nahmen.