Gechingen

Ausbau der K 4300 wird rund ein Jahr dauern

von Axel H. Kunert

Gechingen - "Ich habe keine Baustelle so sehr herbeigesehnt wie diese. Daher erkläre ich die aktuelle Umleitung zu meiner Lieblingsumleitung!" Soviel Verständnis eines Vielfahrers wie in diesem Fall vom Landtagsabgeordneten Thomas Blenke gibt’s wohl selten für eine Straßenbaumaßnahme – die gar ein knappes Jahr andauern wird.

Aber die K 4300 zwischen Gechingen und der B 296/Kreisverkehr "Sieben Tannen" ist ja auch etwas ganz Besonderes: "Beim letzten Ausbau saß ich noch als Stift auf der Walze", erinnert sich lachend Martin Isola, technischer Leiter des beauftragten Bauunternehmens "Otto Morof Tief- und Straßenbau" aus Althengstett – und das sei mittlerweile immerhin über 40 Jahre her. "Und auch damals haben wir nur die Tragdeckschicht ausgetauscht!"

3,5 Kilometer langer Straßenabschnitt

Soll heißen: Der letzte "richtige" Ausbau des 3,5 Kilometer langen Straßenabschnitts liegt noch deutlich länger zurück. Weshalb – trotz leichtem Nieselregen bei dieser Freiluftveranstaltung – die Laune allenthalben exzellent ist an diesem frühen Morgen zum offiziellen ersten Spatenstich für den Ausbau der K 4300. Denn was lange währt, soll endlich gut werden.

Seit 2008 etwa "baggerte" der Gechinger Bürgermeister Jens Häußler schon gemeinsam mit seinem Gemeinderat an den zuständigen Behörden – von Landratsamt aufwärts – um den schon da extrem desolaten Straßenabschnitt erneuern zu lassen. Und zu entschärfen, denn mit teils nur 4,20 Meter Breite war die Strecke bisher "eine gefährliche Straße". Und immer mal wieder genau auch deshalb ein Unfallschwerpunkt.

Aber andere Maßnahmen im Kreis waren wichtiger – etwa die Verbindung zwischen Nagold-Iselshausen und Haiterbach-Oberschwandorf. Doch seit 2014 bemühte sich auch der Landkreis aktiv um die Umsetzung des K 4300-Ausbaus – und zwar erst einmal mit dem Stellen von Förderanträgen an Regierungspräsidium und Landesverkehrsministerium. Zweimal wurden in der Folge diese Förderanträge abgeschmettert, wie Landrat Helmut Riegger (ebenfalls sichtlich in gehobener Stimmung trotz der frühen Stunde) berichten musste. Aber nun im dritten Anlauf, mit einigen intensiven Gesprächsrunden unter anderem bei Verkehrsminister Winfried Hermann, hat’s endlich geklappt: 1,8 Millionen Euro gibt’s vom Land für die Maßnahme, das sind rund 50 Prozent der knapp 3,7 Millionen Euro Gesamtkosten.

Unendliche Geschichte mit Happy End

Schultes Häußler plaudert noch ein bisschen mehr aus dem Nähkästchen: Erst ein (wahrscheinlich recht deutlicher) Brief von Thomas Blenke (der ja selbst in Gechingen wohnt – daher dessen aktuell echter Baustellen-Enthusiasmus) eben an Minister Hermann öffnete die entscheidenden Türen und finalen Gesprächsrunden, die die "unendliche Geschichte" der K 4300 nun zu einem hoffentlich Happy End führen wird. Letztlich sei es ein alles entscheidendes Verkehrsgutachten gewesen, so zuvor schon die Erläuterung dazu von Landrat Riegger, das der südwestlichen Ortsausfahrt ab dem Gewerbegebiet Herdweg "eine über dem Kreisdurchschnitt liegende Verkehrsbelastung" attestierte, die die notwendige Förderung locker machte.

Und diesmal wird nicht nur die Tragdeckschicht, sondern die komplette Straße samt Unterbau, Entwässerung, Leerrohre für den Breitbandausbau und sogar Amphibien-Durchlässe ausgebaut, wie Jörg Repple, Leiter der Abteilung Straßenbau im Calwer Landratsamt, zu den Details der Maßnahme erklärt.

Auf sechs Meter Breite wird sich der Trassen-Querschnitt vergrößern – womit das bisherige Nadelöhr (für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gesperrt) künftig auch für größere Lkw in beide Richtungen passierbar sein wird.

"Reichlich Entlastung vom Durchgangsverkehrs" werde das bringen, sind sich alle Redner beim Spatenstich einig – nicht nur für Gechingen, auch die "nachgeordneten" Ortschaften wie Deufringen und Aidlingen würden profitieren.

Denn der Lieferverkehr zu den Gechinger Gewerbegebieten erhalte nun eine Ortsdurchfahrts-freie Zufahrt zur A 81 – eben über die K 4300. Wobei auch die besonders gefährlichen Kurven der Kreisstraße "entschärft" würden, indem sie neu mit einem "flacheren" Durchfahrradius versehen würden.