Fußball

"Wir können mit dem Punkt leben"

von Thomas Hauschel

0:0 hieß es am späten Freitagabend in der Balinger Bizerba-Arena nach 90 Minuten zwischen der TSG Balingen und dem VfB Stuttgart II. Ein Ergebnis mit dem die Hausherren am Ende besser leben konnten, als die Gäste aus der Landeshauptstadt, die mit einem neuen Trainer angereist waren.

Denn zum Einen stockten die Eyachstädter ihre Punktekonto auf 37 Zähler auf und kamen so dem anvisierten Klassenerhalt wieder einen Schritt näher. Und zum Anderen schaffte es die TSG, 45 Minuten in Unterzahl am Ende schadlos zu überstehen.

Bereits zum dritten Mal in den vergangenen fünf Spielen mussten die Jungs von TSG-Cheftrainer Ralf Volkwein die Partie mit einem Mann weniger beenden. Beim 0:5 in Saarbrücken hatte Patrick Lauble die Rote Karte gesehen; in der Vorwoche beim 1:3 gegen den designierten Meister Waldhof Mannheim war Fabian Kurth mit gelb-roter Karte vom Platz geflogen, und am Freitagabend erwischte es Kaan Akkaya, der kurz vor der Halbzeit seinen Gegenspieler bespuckte und dafür die Rote Karte sah.

"Wenn wir das in den nächsten Wochen so weiter machen, dass wir uns in jedem Spiel eine Rote oder gelb-rote Karte holen, dann könnte es schwierig werden mit dem Personal. Das können wir uns nicht leisten; deshalb ist es wichtig, in der einen oder anderen Situation mit kühlem Kopf und Hirn zu spielen", mahnte der Balinger Trainer nach der Partie.

In der ersten Halbzeit war die TSG nach anfänglichen Schwierigkeiten – "wir haben ein paar Minuten gebraucht, um das Stuttgarter System zu erkennen", so Volkwein, – gut in die Partie gekommen, hatte sich einige gute Möglichkeiten erspielt und hatte nach 17 Minuten die große Chance zu 1:0-Führung. Lukas Foelsch spielte den Ball klasse mit dem Außenrist in den Lauf von Patrick Lauble, der aber Pech hatte, dass sein Schuss an den Innenpfosten ging und von dort im Toraus landete.

"In der ersten Hälfte hatten wir ein paar gute Gelegenheiten; die Bälle sind gefährlich durch den Stuttgarter Strafraum gegangen, aber es ist eben keiner von uns ran gekommen", sagt Mittelfeldspieler Jörg Schreyeck, "So sind wir mit einem 0:0 und einem Mann weniger in die zweite Halbzeit gestartet. Das Ziel war, hinten dicht zu machen, und über einen Konter oder einen Standard noch das 1:0 zu machen."

Zu einem Treffer reichte es für die Eyachstädter zwar nicht, doch mit viel Laufarbeit und Einsatz verhinderten sie nennenswerte Chancen der Gäste, die aus der personellen Überzahl kein Kapital schlugen. "Unter dem Strich war es ein verdienter Punktgewinn, denn wir haben alles reingehauen", so Schreyeck.

Der gleichen Meinung war auch Nils Schuon, der unter der Woche seinen Vertrag in Balingen verlängert hat. "Wir sind eine richtig geile Truppe; es macht Spaß, hier bei der TSG Fußball zu spielen. Wir haben uns den Erfolg mit der Meisterschaft in der Oberliga hart erarbeitet und stehen jetzt in der Regionalliga kurz vor dem Klassenerhalt. Da war es für mich schnell klar, dass ich hier weitermache", sagt der 27-Jährige. "Ich denke mit dem Punkt gegen den VfB können wir leben. Nach dem Platzverweis war das das Maximum, was drin war. Wir hatten in der ersten Hälfte Pech mit dem Pfostenschuss. Wenn der rein geht, haben wir die Chance, das 1:0 über die Zeit zu schaukeln. Aber ich denke, mit dem Punkt können wir gut leben."

So sieht es auch TSG-Kapitän Manuel Pflumm. "Wenn wir das 1:0 machen, läuft das Spiel wahrscheinlich ganz anders. Im Großen und Ganzen müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Das war in der zweiten Halbzeit auch das Ziel; deshalb geht das 0:0 in Ordnung."

Noch eine Rechnung offen hat die TSG mit dem nächsten Gegner am kommenden Wochenende. Denn der FK Pirmasens war bis auf Meister Waldhof Mannheim die einzige Mannschaft, die drei Punkte aus der Bizerba-Arena entführen konnte. Beim 0:3 zeigte Balingen eine der schwächsten Saisonleistungen; am Samstag soll dies mit dem ersten Auswärtssieg der Saison möglichst korrigiert werden.

Der Mitaufsteiger, der neun Zähler weniger auf dem Konto hat und auf dem 13. Tabellenplatz steht, ist seit vier Spielen ohne Sieg, verlor aber zuletzt in Mannheim nur knapp mit 1:2.

"Das ist unser Ziel, in Pirmasens den ersten Auswärts-Dreier zu schaffen. Aber wir müssen uns erst einmal erholen; denn das war eine sehr intensive Partie gegen Stuttgart mit fast 50 Minuten in Unterzahl", blickt Schuon dem Aufsteigerduell in der Pfalz positiv entgegen. "Unser Ziel ist es, überall etwas mitzunehmen. Aber wir wissen, dass auch in Pirmasens alles bei uns passen muss", ist sich sein Teamkollege Schreyeck im Klaren, dass die Begegnung nicht einfach wird. Kapitän Pflumm zeigt sich ebenfalls zurückhaltend. "Wir hatten zuletzt viele Ausfälle durch Gelb-Sperren und Platzverweise, das macht es von Spiel zu Spiel schwieriger. Zumal einige der Jungs auf dem Zahnfleisch daher kommen. Deshalb müssen wir erst einmal schauen."