Fußball

VfL Nagold: Hinrunde für Lysander Skoda gelaufen

von Kevin Schuon

So hatte sich das Lysander Skoda nicht vorgestellt. Der Neuzugang des VfL Nagold hat eine hervorragende Vorbereitung gespielt, war im Mittelfeld des Verbandsligisten gesetzt. Jetzt fällt er bis zur Winterpause aus.

Erstes Heimspiel der Saison gegen den SV Breunnigsweiler. Es läuft die 45. Minute. Die letzte Aktion vor der Halbzeit. Lysander Skoda läuft den Innenverteidiger des Gegners an, will ihn unter Druck setzen. Der Gegenspieler dreht sich weg. Skoda will hinterher, bleibt aber mit dem Fuß in einem Loch im Rasen hängen. "Ich habe sofort gemerkt, dass etwas kaputt ist", sagt der 21-Jährige. Aber, dass die Verletzung so schlimm ist, damit hatte er nicht gerechnet. Zunächst war man von einer Zerrung und einer kurzen Pause von zwei bis drei Wochen ausgegangen. Nach der MRT-Untersuchung folgte der Schock. Bizepssehne und Außenband sind gerissen. Damit war die Hinrunde gelaufen, "die kann ich vergessen."

Die lange Bizepssehne setzt im menschlichen Körper am Wadenbein unterhalb des Kniegelenks an. Von dort verläuft sie an der Oberschenkelrückseite entlang bis zum Sitzbein in der Hüfte. Die Aufgabe der Sehne ist die Beugung des Kniegelenks und die Streckung des Hüftgelenks.

Auf Krücken im Stadion

Zweites Heimspiel der Saison gegen den 1. FC Heiningen: Lysander Skoda geht auf Krücken durch das Reinhold-Fleckenstein-Stadion. Er schaut zu, wie seine Teamkollegen mit einem 0:0 vom Platz gehen. Er geht zur Mannschaft. Am Mittwoch war er operiert worden, am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen. "Die OP ist gut verlaufen", sagt er. Ein paar Tage davor hatte er noch zugegeben, dass ihm die ganze Sache nicht geheuer ist. Er hatte ein wenig Angst vor dem Eingriff. Vor allem vor den Schmerzen, die danach kommen und der Zeit auf den Krücken. "Aber mir geht es überraschend gut", sagt er und ringt sich ein Lächeln ab. Also ist er vom Krankenhaus quasi direkt auf den Sportplatz gefahren. "Ich will das Team unterstützen", sagt er. Eine super Aktion. "Wir haben uns riesig gefreut, dass er gekommen ist", sagt Coach Armin Redzepagic. "Das ist wirklich nicht selbstverständlich. Das rechnet ihm die Truppe sehr hoch an."

Das passt zu Lysander Skoda. Der 21-Jährige ist ein echter Teamspieler. Für die Anerkennung war er am vergangenen Samstag sicher nicht ins Stadion gekommen. Die hatte er sich zu diesem Zeitpunkt längst erarbeitet. Er hatte die Vorbereitung bestmöglich genutzt, um sich in den Vordergrund zu spielen. "Der Junge hat uns echt positiv überrascht", sagt Redzepagic. "Er hat zunächst eine Woche gezögert und dann richtig Gas gegeben." Skoda war im zentralen Mittelfeld neben Christoph Ormos auf der Achter-Position gesetzt. "Er hat unsere Spielidee verinnerlicht. Die beiden haben in unser 4-1-4-1-System super gepasst", erklärt der Coach.

"Es war schwer, sich an das hohe Tempo anzupassen", sagt Lysander Skoda selbst. "Aber dann ist es eigentlich richtig gut gelaufen." In den ersten beiden Spielen in der Verbandsliga – gegen Sindelfingen und eben gegen Breuningsweiler – hatte er in der Startelf gestanden. "Die Vorbereitung war echt hart, hat sich aber richtig gelohnt." Er war in der Form seines noch jungen Lebens. "So fit war ich noch nie." Dann die Verletzung. "Das ist echt richtig bitter", sagt er. Eine solche Situation hatte er bisher nicht gekannt. "Ich hatte noch nie eine schlimme Verletzung. Da sieht man mal, wie schnell so etwas gehen kann." Jetzt hofft Skoda, dass er zur Rückrunde wieder angreifen kann.

Dass er überhaupt beim VfL Nagold gelandet ist, war eng mit dem Namen Tim Kübel verbunden. Als der sich dazu entschlossen hatte, bei Toronto FC zu bleiben und vorerst nicht nach Nagold zurückzukehren, schauten sich die VfL-Verantwortlichen nach einer Alternative um. "Wir hatten Lysander zwar schon lange auf dem Zettel", sagt Redzepagic, "doch wir wollten so einen jungen, talentierten Spieler nicht holen, um ihm dann möglicherweise einen Tim Kübel vor die Nase zu setzen." Doch, nachdem der abgesagt hatte, griff der Nagolder Coach zum Telefon, versuchte Skoda von einem Wechsel zu überzeugen. Doch dessen Pläne hatten eigentlich so ausgesehen, beim Landesliga-Absteiger SV Wittendorf, seinem Heimatverein, zu bleiben.

Vom Stürmer zum Mittelfeldspieler

Doch dann kam für den VfL Nagold eine glückliche Fügung ins Spiel. "Eigentlich wollte ich in Karlsruhe studieren", sagt der 21-Jährige. Doch von der dortigen Hochschule hatte er eine Absage bekommen. Nun beginnt er ein Studium der Sportwissenschaften an der Uni in Tübingen, wo er auch hinziehen wird. Nagold ist von dort aus besser zu erreichen als sein Heimatdorf Lombach bei Freudenstadt. "Und das, was Armin am Telefon erzählt hat, hörte sich echt gut an."

Dass der 21-Jährige im Fußball zu höherem Berufen ist, hatte einst auch die TSG Balingen erkannt. Mit 16 Jahren wechselte Skoda zu den A-Junioren der TSG, spielte dort in der Oberliga. Doch irgendwann war ihm der Aufwand zu hoch. Dreimal in der Woche Training und die Fahrten dorthin, darunter hätten die Schulnoten gelitten. Dann kam das Abitur. "Ich wusste, dass das knapp wird, wenn ich in Balingen bleibe." Also wechselte er zurück nach Wittendorf, stieg dort nach einer Saison in die Landesliga auf – und gleich wieder ab. "Armin hat mir gesagt, dass ich viel zu gut bin für die Bezirksliga", sagt Skoda und lacht.

In Balingen wurde der 1,92 Meter Schlacks vom Stürmer zum Mittelfeldspieler umgeschult. Dann ging es immer weiter nach hinten. Zuerst auf die Zehn, dann ins rechte Mittelfeld, jetzt auf die Acht. "Wir haben ihn in der Vorbereitung auf mehreren Positionen getestet. Aber da ist er am besten aufgehoben", sagt Redzepagic. Dort kann er seine körperliche Präsenz und seine technischen Fähigkeiten optimal ausspielen. "Das ist die perfekte Position für mich", findet auch Skoda. "Man kann nach vorne und nach hinten viel machen. Hat immer das Spiel vor sich."

Bleibt nur zu hoffen, dass er das auch bald wieder auf dem Platz zeigen kann. Dass er keine Anpassungsprobleme hat und auch den Sprung von der Bezirks- in die Verbandsliga schafft, hat er bereits bewiesen. Nun muss sich Lysander Skoda das erste Mal von einer Verletzung zurückarbeiten. Das wird er auch tun. "Es ist auf jeden Fall machbar, dass ich zur Vorbereitung wieder einsteige", sagt er kämpferisch. "Und das ist auch mein Ziel."