Fußball

TSG Balingen: Das Abenteuer beginnt

von Thomas Hauschel

Achtung – jetzt wird’s historisch: Ihr erstes Spiel in der Regionalliga Südwest bestreiten die Fußballer der TSG Balingen am Samstag um 14 Uhr gegen den 1. FSV Mainz 05 II.

Der 28. Juli 2018 wird ebenso in die Annalen des mit über 1800 Mitgliedern größten Vereins in der Kreisstadt eingehen, wie der 12. Mai, denn an diesem Tag machten die Kicker aus dem Zollernalbkreis nach einer souveränen Saison die vorzeitige Meisterschaft in der Oberliga Baden-Württemberg und den Aufstieg in die Regionalliga Südwest perfekt. Nach dem letzten Saisonspiel gegen den SV Spielberg wurde in der Balinger Bizerba-Arena kräftig gefeiert – die Mannschaft machte sich auf den Weg nach Mallorca, um sich für ihren Erfolg zu belohnen.

Doch der Sprung in die vierthöchste Liga in Deutschland stellt den Verein nicht nur sportlich vor große Herausforderungen. So wurde der Etat für die gesamte Fußballabteilung von 700 000 Euro auf rund eine Million erhöht. Ein Team, das in der Regionalliga Südwest ordentlich mitkicken möchte, benötigt einen Saison-Etat von rund 1,2 Millionen Euro – allein für die Mannschaft.

Zudem wurde die Installation eines hauptamtlichen Geschäftsführers nötig. Nachdem sich eine externe Besetzung des Postens zerschlagen hatte, setzt die TSG nun mit Fabian Fecker, bislang Jugend-Koordinator und Leiter der Geschäftsstelle, auf eine interne Lösung.

Um die Lizenz für die Regionalliga zu erhalten, müssen zudem bauliche Veränderungen am Stadion vorgenommen werden. Die Kosten für den Umbau belaufen sich für die Stadt auf rund 250 000 Euro; unter anderem wird ein separater Eingang für Gästefans angelegt, eine Zaunanlage beschafft und eine Stufenanlage auf der Gegengeraden angelegt. Erstes sichtbares Zeichen ist der neue Pavillon. Dieser soll künftig als neuer Gäste-Eingang dienen und wurde nicht neu gebaut, sondern von der Sparkasse Zollernalb zur Verfügung gestellt. Es fehlen aber noch der Zaun und die Stufen auf der Gegengeraden – diese Arbeiten sind noch nicht angelaufen und werden wohl erst im September abgeschlossen sein. Sollte es während der Umbauarbeiten zu einem Risikospiel kommen, bedarf es eines Sicherheitskonzepts, das mit der Polizei und der Stadt besprochen wird. Bei Bedenken der Polizei müsste die TSG dann diese Partie im Kreuzeiche-Stadion in Reutlingen austragen. Doch das wollen die TSG-Verantwortlichen um Abteilungsleiter Uwe Haußmann möglichst vermeiden: "Das wäre natürlich der Worst Case für uns." Er geht aber davon aus – sofern die Wünsche aller Beteiligten erfüllt sind –, dass alle Spiele, auch die Risikospiele, in Balingen ausgetragen werden können, da die Eyachstadt auch nicht die Plattform für viele Auswärtsfahrer ist. "Ich glaube nicht, dass es zu Ausschreitungen kommt, da es keinen Gegenpol für die Ultras in Balingen gibt", sagt Haußmann.

Auch sportlich werden die Kicker vor eine richtige Herkulesaufgabe gestellt. "Wir sind der absolute Underdog", sagt der Balinger Cheftrainer Ralf Volkwein, der vor zweieinhalb Jahren die Mannschaft nach dem Rücktritt von Trainer Matthias Zahn und dem sportlichen Leiter Karsten Maier übernahm und sie nun zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte führte. "Denn ein Großteil der Vereine in der Regionalliga trainiert unter Profibedingungen – die Spieler und Trainer können sich den ganzen Tag mit Fußball beschäftigen, während unsere Jungs nach der Arbeit oder der Uni abends noch ins Training müssen."

Doch getreu dem Vereinsmotto "Wir sind die TSG – wir geben niemals auf" stellen sich Mannschaft und Trainer der Herausforderung und haben sich den Klassenerhalt zum Ziel gesetzt. Fünf Wochen bereiteten Volkwein und sein Trainerteam die Mannschaft, die bislang nur mit Pablo Gil (FC 08 Villingen), Pascal Schoch (ausgeliehen von der SpVgg Unterhaching), Maximilian Pfau (FC Schonach) sowie Enrico Huss und Mario Gericke (beide eigene U19) verstärkt wurde, intensiv auf das "Abenteuer Regionalliga" vor. Gerade in den Testspielen gegen höherklassige Gegner wie den bayerischen Regionalligisten FC Memmingen (1:2) oder Drittligist SG Sonnenhof Großaspach (0:5) wurde den Eyachstädtern aufgezeigt, dass in der 4. Liga nun die Uhren etwas anders ticken als in der Oberliga. "Das Tempo ist höher, mehr Zweikampfhärte ist gefragt, und jeder kleinste Fehler wird vom Gegner sofort bestraft", weiß Trainer Volkwein.

Doch in den abschließenden Partien gegen die Oberligisten Stuttgarter Kickers (4:1) und SSV Reutlingen (2:1) zeigten die Balinger Kicker, dass sie aus den Partien zuvor gelernt haben. "Wir sind froh, dass es nach den Testspielen nun wieder um Punkte geht", sagt der Kapitän der Mannschaft, Manuel Pflumm. "Die Vorfreude auf das erste Spiel am Samstag ist bei uns allen riesig. Wir hoffen, dass uns viele Zuschauer gegen Mainz unterstützen, damit wir am Ende das Spiel positiv für uns gestalten."