Fußball

3600 Zuschauer gegen den 1. FC Köln

von Gunter Wiedemann und Michael Bundesmann

FC Bad Dürrheim - 1. FC Köln 0:16. Ein Drittel lang hielt Landesligist FC Bad Dürrheim gut mit, dann setzte sich die spielerische und läuferische Klasse des 1. FC Köln immer mehr durch. Am Ende gewann der Erstliga-Aufsteiger vor 3600 Zuschauern im Salinenstadion deutlich mit 16:0. 

18.23 Uhr am Mittwochabend: Köln führt nach einem Abstauber von Torjäger Simon Terodde (10.) mit 1:0, da hat auf der anderen Seite Rückkehrer Mustafa Akgün nach einem Patzer des Erstligisten zwei Optionen. Der Angreifer der Kurstädter entscheidet sich für einen Lupfer, doch der Ball landet knapp neben dem zu Beginn von Thomas Kessler gehüteten Kölner Kasten. Wenig später klatscht Enrique Blanco – der Bad Dürrheimer Trainer – in die Hände, lobt seine Spieler für ein aggressives Forechecking nahe des Strafraums der "Geißböcke".

In der Tat: Bad Dürrheim hielt im ersten Drittel, es wurden 3 x 30 Minuten gespielt, gut mit. Immer wieder liefen sich die zunächst zu langsam und zu kompliziert spielenden Kölner an der FCBD-Defensive fest, dazu zeigte Schlussmann Moritz Karcher oft sein großes Können. "Der war der beste Mann von euch", meinte später ein Fan des 1. FC Köln.

Richtig: Karcher hielt, was zu halten war. So traf vor der ersten Pause nur noch erneut Simon Terodde (26.) für den Erstligisten, der derzeit am Donaueschinger Öschberghof ein Trainingslager absolviert. Doch danach wurde immer mehr deutlich, weshalb die Kölner in der 1. Bundesliga spielen – und die Kurstädter in der siebten Klasse. Vor allem läuferisch, die Bad Dürrheimer hatten zuvor gerade einmal vier Einheiten absolviert, war die Überlegenheit bei großer Hitze enorm. Auch in Sachen Zweikampfverhalten, Technik, Taktik oder Cleverness waren die Kurstädter in der Folgezeit oft überfordert.

Macht nichts, ging es doch für Enrique Blanco, der wie sein Kölner Trainerkollege Achim Beierlorzer eifrig durchwechselte, darum, dass seine Schützlinge von Anthony Modeste – zweifacher Torschütze – und Co. viel lernen. Und dennoch hätte sich Nationalspieler Jonas Hector noch fast über ein Gegentor ärgern müssen, als der Bad Dürrheimer Luis Richter an Brady Scott (70.) aus kurzer Distanz scheiterte. Am Ende feierte Köln einen 16:0-Sieg, doch auch die Kurstädter durften sich von ihren Fans nach dem "Jahrhundertspiel" bejubeln lassen.

Auch Benjamin Wildgruber strahlte. "Der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Wir haben für einen würdigen Rahmen gesorgt", freute sich der Vorsitzende der Bad Dürrheimer, dass er zusammen mit rund 100 Helfern den Fußball-Hit zum 100-jährigen Bestehen perfekt organisiert hatte. 100 Jahre – 3600 Zuschauer – 16 Tore. Diese Zahlen werden die Kurstädter so schnell nicht vergessen.

Tore: 0:1 Terodde (10.), 0:2, Terodde (26.), 0:3, Lenti (Eigentor, 35.), 0:4 Schindler (40.). 0:5 Churlinov (50.), 0:6 Risse (52.), 0:7 Cordoba (55.), 0:8 Cordoba (58.), 0:9 Modeste (63.) 0:10 Churlinov (67.), 0:11 Churlinov (72.), 0:12 J. Horn (76.), 0:13 Drexler (78.), 0:14 Drexler (79.), 0:15 Modeste (85.), 0:16 Schmitz (89.).

Schiedsrichter: Jonas Brombacher (Kandern), Assistenten: Tobias Doering (Brigachtal), Jürgen Schätzle (Schönwald).

Zuschauer: 3600.

Stimmen zum Spiel

Enrique Blanco, Trainer des FC Bad Dürrheim:

"Es war für uns alle natürlich ein toller Abend. In der ersten halben Stunde hat meine erste Elf auch gut mitgespielt. Es war mir wichtig zu sehen, wie sie sich in dieser Phase präsentiert. Da hatten wir schon Qualität. Wir haben am Anfang wirklich vermeidbare Gegentore kassiert. Wir haben dann – wie geplant – viel durchgewechselt. Deshalb war die hohe Niederlage auch logisch und stört mich überhaupt nicht.

Achim Beierlorzer, Trainer des 1. FC Köln:

"Vielen Dank an den FC Bad Dürrheim für den warmen Empfang und die tolle Stimmung hier. Für uns war es ein sehr guter Test mit einigen Aufgabenstellungen für meine Mannschaft. Positiv waren auch die vielen Tore von uns. Wir müssen es noch genau analysieren, aber unseren internen Wettbewerb in diesem Test hat wohl die Mannschaft gewonnen, die in der letzten halben Stunde (lacht) auf dem Platz war." Mustafa Akgün, Stürmer des FC Bad Dürrheim: "Natürlich hätte ich meine Chance in der ersten Halbzeit machen müssen, vielleicht habe ich da zu lange überlegt. Man hat auch gemerkt, dass wir noch nicht so lange im Training stehen. Es hat trotz der klaren Niederlage Spaß gemacht. Die körperliche Präsenz und das Tempo der Profis ist schon unglaublich. Wir können einiges aus dem Vergleich lernen."

Moritz Karcher, Torhüter des FC Bad Dürrheim:

"Das war eine sehr gute Trainingseinheit für mich (lacht). Es hat viel Spaß gemacht. Wir können viel aus diesem Spiel lernen."

Benjamin Wildgruber, Vorsitzender des FC Bad Dürrheim:

"Wir freuen uns über einen sehr gelungenen Abend. Alles hat prima in der Organisation geklappt. Es war großartig, gegen die Kölner zu unserem 100. Geburtstag zu spielen."

Splitter

Kölner Hymnen

Die Bad Dürrheimer hatten sich wirklich hundertprozentig auf die Kölner eingestellt. Bei jedem Treffer wurde die Hymne "Kölle Alaaf" gespielt. Sehr gefragt war bei den Fans das extra georderte Kölsch an den Ständen. Mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Saison wurde der Bundesligist auch nach dem Schlusspfiff herzlich verabschiedet.

Tolle Stimmung

Viele Kölner Fans waren in die Kurstadt gekommen, was bewies, dass die "Geißböcke" auch im Süden Deutschlands viele Anhänger haben. Bereits bei den Trainingseinheiten in den Tagen zuvor waren einige treue Fans in Aasen gesichtet worden.

Großer Tag für G-Junioren

Die G-Junioren des FC Bad Dürrheim waren die Einlaufkinder. Sie feuerten nachher auch ihre erste Mannschaft an.

Geschenke

Die Bad Dürrheimer Kur- und Bäder GmbH hatte die Gastgeschenke gestellt. Jeder Kölner Spieler erhielt ein Salz-Wohlfühlpaket aus der Bad Dürrheimer Saline.

Extraschichten

Kölns Trainer Achim Beierlorzer hatte es bereits im Vorfeld angekündigt: Da kein Akteur von ihm durchspielte, mussten alle Kölner Profis auf dem Kunstrasen nebenan während und nach der Partie noch eine Trainingseinheit in Form von intensiven Steigerungsläufen über jeweils rund 15 Minuten absolvieren. Gegen 20.30 Uhr kehrten die Kölner zum Abendessen dann in den Öschberghof zurück.

Ein besonderer Gast

Unter den 3600 Zuschauern war auch eine Dame, die genau 100 Jahre alt ist. Dies passte perfekt zum "Spiel des Jahrhunderts" des ebenfalls 100 Jahre alten FC Bad Dürrheim.

Richtiger Tipp

Auch Jürgen Rumrich, der Manager des Eishockey-Erstligisten aus Schwenningen, war unter den Zuschauern. "Ich denke, die Klasse der Kölner wird sich am Ende durchsetzen. Sie gewinnen zweistellig", passte sein Tipp.