Furtwangen

Waldwerk-Motive bringen Heimat in Schrank

von Linda Seiss

Furtwangen - Wer von uns, der auf dem Land aufgewachsen ist, kennt das nicht? Als Kind ist es super, mit seinen Freunden unbekümmert im Wald zu spielen, ihn zum Schauplatz von erfundenen Geschichten werden zu lassen oder Hütten und Verstecke zu bauen. Doch im Laufe der Zeit wird aus der heimischen Idylle mehr und mehr eine Art Gefängnis. Denn: Es ist ja nichts los im Kaff!

Deshalb zieht es viele nach der Schule erst einmal in die Ferne. Hauptsache weg aus der Heimat, so das Motto. Auf ins Ausland oder eine große Stadt, in der rund um die Uhr etwas geboten ist. Doch nach und nach finden viele den Weg zurück in die Heimat. Zurück zur Natur, der frischen Luft, zurück zum Wald.

So in Etwa ist es auch den Gründern des Klamottenlabels "Waldwerk", Ralf Schuler und Tobias Hollerbach, gegangen. "Ich war 15 Jahre unterwegs und habe mich immer mehr dem Schwarzwald wieder angenähert," sagt Schuler. 2010 haben die beiden mit einer Facebook-Seite und einem Webshop angefangen das Label aufzubauen. Seither versucht Schuler Waldwerk so weit wie möglich weiter zu pushen. Das Logo, eine halbe, aufgerichtete Tanne, spiegelt das zwiegespaltene Verhältnis zwischen Heimat und der weiten Welt. Seit 2014 gibt es in Furtwangen einen eigenen Waldwerk-Store. Seit 2016 ist Schuler alleiniger Inhaber des Labels Waldwerk. Und für Ende des Jahres plant Ralf Schuler einen weiteren Laden in Triberg zu eröffnen.

Von der Mietmöbel-Idee zum eigenen Mode-Label

Allerlei Produkte aus und mit dem Thema Schwarzwald gibt es im Laden. Der Blick wandert vom Uhrensohn-Shirt über den Fichtenmoped-Hoodie, vom Hirtemaidle-Tanktop über die Buä-Bommelmütze, bis hin zum Schnaps und der Kuckucksuhr. "Handgemacht und regional, dafür steht die Marke Waldwerk," sagt Schuler.

Doch in den Anfängen war vom heutigen Erfolg noch nicht abzusehen. Denn: Die erste Geschäftsidee sei es gewesen, Mietmöbel anzubieten, erläutert Schuler. "Das war finanziell aber nicht machbar." Bei Treffen zur Vorbereitung einer Transalp Tour mit dem Mountainbike im Jahr 2009 haben die beiden Shirts getragen, die als Ursprung von Waldwerk gesehen werden können. "Die Leute haben gefragt, was das für Shirts sind," sagt Schuler. "So kam die Idee, etwas in die Richtung zu machen."

Viele der Motiv-Ideen seien am Stammtisch entstanden. Stammtisch-Kumpels waren auch die ersten Abnehmer der Waldwerk-Mode. Die Idee für das Rampensau-Motiv sei beispielsweise beim gemeinsamen Verfolgen des Skispringens aufgekommen. "Das sind ja schon echte Rampensäue gewesen," war die Bemerkung auf die damalige Technik und den Mut der Springer. Zack, ein Motiv war geboren. Das Uhrensohn-Motiv hat eine tiefgründigere Bedeutung. "Mein Opa war Bauer und Uhrenträger," erzählt Inhaber Schuler. Die Leute seien interessiert, fragen nach der Bedeutung der Motive. "Jetzt ist es noch cooler, wenn man den Hintergrund kennt," habe ein Kunde beim Kauf gesagt.

Wortwitz und Humor der Herkunft gegenüber

Andere Motive sind weniger tiefgründig. Was alle Motive gemein haben sind Wortwitz und Humor. Die Kunst, den Schwarzwald mit einem zwinkernden Auge zu betrachten und sich selbst und die Heimat auch auf die Schippe zu nehmen. "Daher bedienen wir auch Stereotypen." Umgesetzt werden die Motive inzwischen von einem Grafikdesigner.

Zu Beginn haben Hollerbach, der Ideen und Design umgesetzt hat und Schuler, der sich um Marketing, Webshop und Social Media kümmert, eine Serie an T-Shirts drucken lassen. Das Kapital lag quasi bedruckt bei ihnen zu Hause. Schnell haben sie das umgestellt.

Mittlerweile lagert eine Vielzahl an Blanco-Shirts in verschiedenen Farben. So können Motiv und Farbe nach Wunsch kombiniert und individuell bedruckt werden. "Abwechslung ist wichtig," findet Schulers Ehefrau Nadja Schuler-Frey, die seit drei Jahren dabei ist. Sie bringt viel Wissen in den Bereichen Technik und Textil mit, sagt Schuler.

Im Haus neben ihrem heutigen Ladengeschäft haben sie ein Jahr lang unter dem Dach Shirts gedruckt – dann sind sie in Kontakt mit den Vermietern getreten, blickt Schuler auf die Anfänge des Ladens zurück. "Dann kam eins zum anderen." Vielleicht klappt es ja, war der Gedanke, sagt Schuler.

"Wir haben eine extrem starke Stammkundschaft, echte Fans, die viel und regelmäßig kaufen," freut er sich. Es mache Spaß zu sehen, dass das Konzept, auch andere regionale Produkte mit in das Portfolio aufzunehmen, so gut ankomme.

"Die Kundschaft ist breit aufgestellt, quasi von Null bis 99. Das finde ich total Klasse," freut sich Schuler-Frey. Kunden aus dem Schwarzwald, Berlin oder dem Bregenzer Wald warten, bis neue Motive ins Sortiment kommen, so Schuler. Besonders gut käme bei ihnen das "Fichtenmoped" an. Als zweite Auflage sei der "Benzinbiber" dazu gekommen.

"Beim Rumalbern kommen oft Ideen. Viele davon sind aber zu böse," witzelt das Ehepaar. "Das Heimatthema ist erst in unserer Generation wieder salonfähig geworden," stellt Schuler-Frey fest.

Hochwertige Qualität und faire Bedingungen

Schuler und sein Team achten auf hochwertige Textilien, eine umweltfreundliche Produktion und faire Arbeitsbedingungen. Deshalb sind die Shirts "GOTS" (Global Organic Textile Standard) zertifiziert sowie mit dem "Fair Wear" Siegel behaftet. Auch die Latex-Motive haben Unbedenklichkeitszertifikate, erläutert Schuler-Frey.

"Wird der Aufdruck nach einigen Waschgängen und häufigem Tragen porös, ist das eigentlich ein gutes Zeichen," schildert sie. Denn dann seien keine Weichmacher darin. "Wir wollen das einfach nicht und gehen lieber den Weg, dass das Motiv keine hundert Jahre hält," sagt sie weiter.

"Es gibt nicht das unzerstörbare T-Shirt, das man sein ganzes Leben tragen kann," weiß Schuler. Mit einer sogenannten Transferpresse werden die Motive auf das Textil gedruckt. Durch Druck und Hitze verbinden sich die Farben in der Latex-Gummi-Schicht mit dem Textil.

Momentan bedruckt das Waldwerk-Team die Produkte mit einer mechanischen Handhebelpresse direkt im Laden. Für die Zukunft steht aber eine pneumatische Presse auf der Wunschliste, da diese das Bedrucken auch für die Mitarbeiter einfacher macht. Wie hoch der Druck und die Temperatur ist, hängt einerseits von der Farbe und andererseits vom Träger ab. Sprich: Baumwolle oder Softshell haben andere Werte als ein dicker Hoodie.

Lieblingsmotive des Chefs sind der Uhrensohn, das Fichtenmoped und das neue Motiv "Black Forest Chainsaw Massacre", welches an den Horrorfilm "Texas Chainsaw Massacre" angelehnt ist. In den sozialen Medien sei dies kontrovers diskutiert worden. "Man kann es nicht allen Leuten recht machen," weiß der Waldwerk-Inhaber. "Als Marke muss man lernen, mit Kritik umzugehen."

Seine Frau Nadja hat Gefallen am "Rehas" Motiv gefunden, das in Zusammenarbeit mit der Rehabilitationsklinik Katharinenhöhe in Schönwald entstand. Von der Umsetzung her sei dies die erste Freihandzeichnung. "Ich finde das Motiv einfach sehr gelungen." Da es sich um ein Shirt für krebskranke Kinder und deren Angehörige handle, habe es eine Menge Fingerspitzengefühl erfordert. Dennoch sei der gewohnte Waldwerk-Wortwitz erhalten geblieben. Die Shirts sind auswärts mit Siebdruckverfahren bedruckt worden. "Pro verkauftem T-Shirt gehen fünf Euro als Spende an die Katharinenhöhe," freut sich Schuler-Frey.

35 Motive die Heimat in den Schrank bringen

Für das Waldwerk-Team bedeutet Heimat zu wissen, wo man immer hin kommen kann. "Heimat ist der Ort, an dem man sich nicht erklären muss," fasst Schuler zusammen. Familie, Eltern und der Freundeskreis seien hier. Der Claim zum Logo "feel the forest" drücke dieses Gefühl einfach gut aus, sagt er.

Momentan gibt es in Etwa 35 Motive, Tendenz steigend. Man darf also gespannt sein, was sich Ralf Schuler und seine Mädels in Zukunft einfallen lassen, um mit Waldwerk ein Stück Heimat in die Kleiderschränke zu zaubern. Wortwitz und Stereotypen mit Hintergrund werden auf jeden Fall dabei sein.