Furtwangen

Mehr Frauen in politische Gremien?

von Christa Hajek

Zum Gespräch über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg trafen sich Frauen aus dem Oberen Bregtal am Dienstag im Hotel "Ochsen" in Furtwangen.

Furtwangen. Andrea Klausmann moderierte den Abend, bei dem es nicht um den Kommunalwahlkampf ging, trotz bevorstehender Wahlen. "Warum sitzen so wenige Frauen in Gemeinderäten und Kreistagen?" Dieser Frage ging man in lebhafter Diskussion nach.

Zu Beginn hatte Andrea Klausmann einige Zahlen parat: das Europaparlament hat 36 Prozent Frauen, der Bundestag 30 Prozent, der Landtag Baden-Württembergs ist mit 26,6 Prozent Frauen Schlusslicht der deutschen Landtage. In den Gemeinderäten des Landes stieg der Frauenanteil von 1984 bis 2014 immerhin von 9,5 auf knapp 24 Prozent. "Je größer der Ort, desto mehr Frauen werden in die Gremien gewählt", zeigt die Statistik. Die Diskussionsteilnehmerinnen gingen der Frage nach, warum es überhaupt wichtig ist, Frauen zu wählen. „"Ihre Lebenswirklichkeit ist eine andere", betonte Isolde Grieshaber. Dabei nannte sie als Beispiel ihrer Tätigkeit im Elternbeirat, wie mühsam es war, eine Stelle für die Schulsozialarbeit zu schaffen. Gegen Quoten sprach sich Lisa Wolber aus, aber dafür, dass der Gemeinderat "bunt gemischt" ist. So ein Gremium habe bessere Ideen. Als einzige Frau unter den Bürgermeistern im Schwarzwald-Baar-Kreis fühlt sie sich "in der Männerriege respektiert". Rollenklischees und Vorurteile hindern oft Frauen oft daran, Führungspositionen anzustreben. Das sei nicht nur in der Politik so, betonte Kordula Kugele, sondern auch in Wirtschaftspositionen. "Eine Frau muss doppelt so gut sein". Man müsse nicht alle Bereiche abdecken, machte Julia Kossow den Frauen Mut, denn man arbeite im Gremium. Der Partner müsse die Frau unterstützen, die sich politisch engagiert, wurde mehrfach betont.

Im umgekehrten Fall sei es selbstverständlich, dass die Frau dem Politiker "den Rücken freihält". Auch die Familie spielt eine Rolle, die 21-jährige Isabella Schule räumte ein, ihr Vater sei im Gemeinderat und habe sie zur Kandidatur ermutigt. Die Aufstellung der Listen war ein weiteres Thema der angeregten Gesprächsrunde. Eine Frau auf Platz eins? Das sollte angestrebt werden, fand Isolde Grieshaber. Eine Möglichkeit, die an manchen anderen Orten praktiziert wird, sei es, die Listen alphabetisch anzuordnen. Schließlich wurde darüber diskutiert, wie soziale Medien für die Kommunalpolitik genutzt werden können, vor allem für junge Leute, die kaum Zeitung lesen, eine spannende Frage.

Nach zwei Stunden lebhafter Diskussion zwischen 15 Frauen und drei Männern mahnte Kordula Kugele zum Abschluss: Frauen sollten sich solidarisch über Parteigrenzen hinweg unterstützen. Bildunterschrift Kandatinnen gruppe Gemeinderats- und Kreistagskandidatinnen des Oberen Bregtales diskutieren, warum so wenige Frauen in die Gremien gewählt werden.