Furtwangen

"Die Liebe im Alter ist eine wunderbare Erfahrung"

von Schwarzwälder Bote

Furtwangen-Neukirch (cha). Einen anregenden Abend erlebten Literaturfreunde, als Reinhard Großmann im Rösslekeller in Neukirch aus seinen Büchern las.

Der Furtwanger Weltladen-Buchladen und die Bücherei Neukirch hatten die Lesung gemeinsam organisiert, wie Josef Burger bei seiner Begrüßung der rund 30 Zuhörer berichtete.

Der Autor Reinhard Großmann kennt den Schwarzwald gut, war er doch von 1964 bis 1999 Lehrer am Gymnasium Schramberg und wohnte in Tennenbronn. Geboren ist er in Schlesien, jetzt, im Ruhestand lebt er in der Nähe von Flensburg.

Seit 1985 schreibt er Erzählungen und Romane, stellte er sich und seine Arbeiten vor. Er las Passagen aus seinem neuesten Buch "Walter und Susanne", in dem Großmann über Einsamkeit und Liebe im Alter schreibt. Zwei ältere Menschen, die sich in ihrer Jugend kannten und dann aus den Augen verloren, treffen sich zufällig am Flughafen und kommen ins Gespräch, tauschen ihre Erfahrungen aus und finden wieder Kontakt zu einander.

"Liebe im Alter hat einen anderen Charakter, aber sie ist eine wunderbare Erfahrungen", versichert Reinhard Großmann.

Die Beschäftigung mit dem zweiten Weltkrieg und der Nazidiktatur greift Großmann in der tragischen Geschichte eines Schauspielers auf, betitelt mit "Ich durfte nie den Hamlet spielen".

Auch Proben aus seinen "Erzählgeschichten", einem Band mit insgesamt 27 Kurzgeschichten, gab Reinhard Großmann. Darunter war das eindrucksvolle Gespräch einer Enkelin mit dem Großvater, in dem die Dreijährige Fragen stellt zum Fallen der Blätter, ebenso zum Alter und Sterben.

Die Schilderung der "Wolken" ist eine Reverenz an die neue Heimat Schleswig-Holstein, dem "Land der Horizonte". Reinhard Großmann beobachtet genau und schildert eindrucksvoll Details, oft mit subtilem Humor.

Nach einer Stunde Lesung schloss sich im Rösslekeller eine ebenso lange Gesprächsrunde an.

Die Zuhörer waren beeindruckt, nicht nur von den Texten, sondern auch von Großmanns Vortragskunst. Wissen wollten sie, wie viel von den Erzählungen autobiografisch sei und welche Motive den Autor zum Schreiben veranlassen. "Meine Geschichten sind fiktiv", betonte Reinhard Großmann, erläuterte aber, wie doch persönliche Erfahrungen das Schreiben beeinflussen. Er erzählt gern und hat bereits Pläne und Ideen für weitere Bücher in der Schublade.

Auch mit 84 Jahren denkt der Autor keineswegs ans Aufhören. Den Neukirchern machte er ein großes Kompliment für das Ambiente des Leseabends "Dies ist ein sagenhafter Raum".

Für den schönen Abend dankte Claudia Burger dem Autor mit einigen Proben aus dem Weltladen.