Freudenstadt

Vier Referenten thematisieren den Wolf

von Sabine Stadler

Freudenstadt - Um den Umgang mit Problemwölfen, die Notwendigkeit von Managementplänen und den Herdenschutz ging es unter anderem bei der dreitägigen Konferenz "Mythos Wolf, Luchs und Bär" in Freudenstadt.

Ein großer Themenblock mit vier Fachvorträgen widmete sich bei der Konferenz dem Wolf. Bereits beim ersten Vortrag von Michaela Skuban von der "Carpathian Wildlife Society" benannte diese den Wolf als ein Extremtier, das zwischen "zuckersüß" und Bestie pendelt. In der Slowakei lasse sich eine Wolfspopulation beobachten. Durch das Umwelt- und Landschaftsministerium werde dort mit Ausnahmegenehmigung und mittels Quote festgelegt, dass pro Jahr zwischen dem 1. November und dem 15. Januar etwa 160 bis 170 Tiere gejagt werden dürfen. Seit 2010 sei die Jagdquote allmählich abgesenkt worden. In kleinen Gebieten sei der Wolf sogar ganzjährig geschützt. Dort, wo vermehrt Schäden feststellbar sind, könnten auf Antrag auch mehrere Tiere gejagt werden, berichtete die Referentin.

Skuban erwähnte auch, dass 75 bis 80 Prozent aller Schäden an Nutztieren auf den Wolf zurückgingen, der Rest entfalle auf den Bär. Den Nutztierbesitzern werde in der Slowakei eine Kompensation gezahlt, sofern Herdenschutz nachgewiesen wird. Geschützt werden sollen die Tiere in dem Land durch Herdenschutzhunde, Schäfer und Elektrozäune. In der Slowakei seien Tiere nie alleine auf den Weiden, teilweise seien sieben bis elf Hunde dabei.

Lernfähiges Tier

Schwierigkeiten im Wolfsmanagement gebe es primär beim Riss kapitaler Hirsche. Sie würden von den Wölfen ins Unterholz getrieben, blieben mit dem Geweih hängen und würden bei lebendigem Leib angefressen, so Michaela Skuban. Sie meint, dass ein flächendeckendes Monitoring erforderlich wäre.

Peter Blanché von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe referierte über den Umgang mit "Problemwölfen". Er ging dabei auf die Gefährdung des Menschen, der Nutztiere und der Jagd ein. Bisher sei kein einziger Fall aggressiven Verhaltens eines Wolfs gegenüber dem Mensch nachgewiesen. Wölfe würden bei Begegnungen einen "geordneten Rückzug" antreten. Der Wolf sei ein neugieriges und lernfähiges Tier, das sich bei "fehlender Scheu" durch Habituierung oder Futterkonditionierung auch furchtlos verhalte und Interesse am Mensch zeige. Dreist rücke er dann auf weniger als 30 Meter näher. Auch der Mensch mit Hund erzeuge beim Wolf Neugier, erläuterte Peter Blanché. Er appellierte an die Bevölkerung, mit den Wölfen respektvoll umzugehen. Wölfe töteten normalerweise Nutztiere nur zum Nahrungserwerb. Sie könnten dabei aber auch Schutzmaßnahmen überwinden. Die Zunahme von Nutztierrissen sei übereinstimmend mit der Zunahme der Wolfspopulation.

Wolfgang Rohe beleuchtete im dritten Vortrag die "Notwendigkeit effektiver Managementpläne in Deutschland". In Spanien sei der Wolf fast ausgerottet gewesen und breite sich jetzt wieder im Nordwesten aus. Frankreich habe der Wolf bereits 1992 wieder erreicht. 40 Wölfe würden dort jährlich erlegt. Die meisten Wölfe verendeten in Deutschland bei Verkehrsunfällen. Als hilfreiche Maßnahmen dagegen hätten sich Grünbrücken erwiesen. Rohe sieht Deutschland allerdings als Entwicklungsland in Bezug auf Vernetzung der Wildtiere und ist sicher, dass ein Leitbild sowie ein Maßnahmenplan ebenso benötigt werden wie ein Umdenken. Abschließend bezeichnete er die Wildtiere, egal ob Wölfe oder Bären, als Erlebnisse und dadurch auch als Chance.

30 Hunderassen geeignet

Im Vortrag von Michael Witter wurde "Der richtige Herdenschutz als unabdingbare Prävention" beleuchtet. Witter betreibt Herdenschutz-Ausbildung nicht nur für Schäfer und ist Sachverständiger für gefährliche Hunde. Er präsentierte seine Slovenský-Cuvac-Hunde und erklärte, dass beim Herdenschutz die Nutztiere an die Hunde gewöhnt werden müssten. Er überprüft, welcher Hund für diese Aufgabe geeignet ist. Die Hütehunde halten die Herden zusammen. Rund 30 Hunderassen seien dafür geeignet. Als Trainer übt er mit den Hunden das Sozialverhalten. Sein Resümee war, dass Hunde ein effektiver Schutz für Nutztiere sind. Sie müssten nur entsprechend der Herdengröße eingesetzt werden. Zu viele dürften es aber nicht sein, da sie sich sonst mit sich selber beschäftigen. In der Kaffeepause stellte der Herdenschutzhund-Ausbilder Witter seine drei Hunde den Teilnehmern vor.